Christoph Butterwegge präsentiert neues Buch

Armutsforscher: Corona hat die Kluft in Deutschland vergrößert

Alexander Jungkunz
Alexander Jungkunz

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31.5.2022, 05:57 Uhr
Armut hat viele Gesichter.

© Michael Matejka, NNZ Armut hat viele Gesichter.

Corona könne die Gesellschaft zusammenführen - so lautete eine Hoffnung vor allem zu Beginn der Pandemie. Da gab es Beifall für Pflegekräfte, da wurden Verkäuferinnen als systemrelevant erkannt. Gut zwei Jahre später fällt der Befund von Christoph Butterwegge ganz anders aus: Corona hatte polarisierende Wirkung, so lautet die Analyse des bekannten Armutsforschers.

"Pandemie wirkte wie ein Paternoster"

Ein Auszug aus seinem neuen Buch "Die polarisierende Pandemie" (Verlag Beltz Juventa, 250 Seiten, 19,95 Euro): "Die schwere wirtschaftliche Verwerfungen erzeugende Pandemie ließ das Kardinalproblem der Bundesrepublik, die wachsende Ungleichheit, nicht bloß klarer ins Bewusstsein treten, sondern wirkte auch als Katalysator des Polarisierungsprozesses, der dazu beitrug, sie weiter zu verschärfen. Wenn man so will, glich die Coronakrise einem Paternoster, der materiell Privilegierte nach oben und Unterprivilegierte zur selben Zeit nach unten beförderte."

Die Armuts-Thematik war stets Butterwegges klarer Schwerpunkt. 2017 trat er als (chancenloser) Kandidat für "Die Linke" bei der Wahl des Bundespräsidenten an. Eine Kandidatur, die seine politische Richtung zeigt: Butterwegge ist ein streitbarer, engagierter Linker, der seit Jahrzehnten für eine Politik des stärkeren sozialen Ausgleichs kämpft und auf die Gefahren der wachsenden Kluft hinweist.

"Es gibt einen solidarischen Weg"

"Es gibt einen solidarischen Weg aus der Coronakrise", schreibt er zum Abschluss seines Buches: "Wenn der Wohlfahrtsstaat künftig umfassender für einen Ausbau der sozialen, Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur sorgt und genügend öffentliche Investitionen tätigt, kann die Gesellschaft sogar im Falle einer Pandemie oder einer anderen nationalen Katastrophe funktionsfähig bleiben, die damit verbundenen Probleme bewältigen und ihre besonders gefährdeten Mitglieder optimal schützen."

INFO-TAG

Am Donnerstag, 2. Juni, präsentiert Christoph Butterwegge sein Buch um 18 Uhr im Caritas-Pirckheimer-Haus. Königstr.64, Nürnberg.

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