Kritik an Freie-Wähler-Chef

"Bayern-Bolsonaro": Aiwanger nach Impf-Aussagen zum Rücktritt aufgefordert

Azeglio Elia Hupfer
Azeglio Elia Hupfer

Online-Redaktion

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Andrew Ullmann (links), Arzt und FDP-Bundestagsabgeordneter, fordert den Rücktritt von Hubert Aiwanger (rechts), stellvertretender Ministerpräsident in Bayern und Chef der Freien Wähler.

Andrew Ullmann (links), Arzt und FDP-Bundestagsabgeordneter, fordert den Rücktritt von Hubert Aiwanger (rechts), stellvertretender Ministerpräsident in Bayern und Chef der Freien Wähler. © Bilder: IMAGO / Collage: Hupfer

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk hatte Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger zuletzt gefordert, keine "Jagd" auf Ungeimpfte zu machen und mal wieder die Gründe für seine eigene Impfskepsis erklärt. Man müsse kein Geheimnis daraus machen, dass er aus seinem privaten Umfeld von Impfnebenwirkungen höre, bei denen einem "die Spucke wegbleibe", so der Freie-Wähler-Chef. Das Interview löste kontroverse Reaktionen aus. Am Donnerstag wurden nun erste Rücktrittsforderungen seitens der FDP publik.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete und Infektiologe Andrew Ullmann fordert auf seinem Facebook-Kanal und in einem Interview mit der Mainpost: "Der stellvertretende bayerische Ministerpräsident Hubert Aiwanger sollte zurücktreten." Für eine Person, die während einer Pandemie Regierungsverantwortung übernehme, sei Aiwangers Verhalten unverantwortlich.

In dem Facebook-Beitrag schreibt Ullmann, auch Mitglied im Bundesfachausschuss Gesundheit, dass sich zwar niemand impfen lassen müsse, aber ein stellvertretender Ministerpräsident nicht mit Ängsten und wissenschaftlich falschen Behauptungen die eigene Impfkampagne konterkarieren dürfe. "Entweder es ist ein PR-Gag für die eigene Bundestagskandidatur oder es ist eine Uninformiertheit in höchster Güte", so der Infektiologe aus Unterfranken.

"Bayern-Bolsonaro"

"Deutschland braucht keinen Bayern-Bolsonaro", spielt Ullmann auf Brasiliens rechtspopulistischen Präsidenten Jair Bolsonaro an. Der Staatschef machte unter anderem damit Schlagzeilen, dass er vor dem Corona-Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech warnte: "Er kann Sie in ein Krokodil verwandeln."

Zum Schluss seines Facebook-Postings forderte Ullmann eine Beschleunigung der bayerischen Impfkampagne und merkte an, dass der Freistaat auf einem der hintersten Plätze bei der Impfqoute liege. "Die bayerische Staatsregierung steht in der Verantwortung, die Impfkampagne zu beschleunigen. Am besten ohne Hubert Aiwanger", schließt Ullmann.

Laut Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) liegt die Impfquote im Freistaat bei 48,7. Brandenburg (48,0), Hamburg (47,8) und Sachsen (46,5) liegen hinter Bayern (alle Zahlen vom RKI, Stand bis einschließlich 28. Juli 2021).

Der Artikel wurde zuletzt am 30. Juli um 15 Uhr aktualisiert. In einer früheren Version wurde Bremen mit einer falschen Impfquote in der Aufzählung hinter Bayern genannt. Bremen hat bis einschließlich 28. Juli 2021 eine Impfquote von 59,2 und nicht wie ursprünglich berichtet 48,0.