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Corona-Impfung: "Jetzt beim Hausarzt anzurufen, nutzt niemandem"

Wie man seine Impfwilligkeit erklärt und ob man über den Impfstoff mitbestimmen darf - 07.04.2021 17:06 Uhr

Dr. Markus Beier aus Erlangen, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes

07.04.2021 © RAINER WINDHORST, NNZ


Herr Beier, angenommen ich bin Mitte 40 und gesund. Ergibt es da Sinn, meinen Hausarzt anzurufen und meine Bereitschaft zur Impfung zu bekunden?
Markus Beier: Zum jetzigen Zeitpunkt, wo die Praxen je nach Größe in der Woche nur 30 bis 120 Impfdosen zur Verfügung haben, nutzt ein Anruf beim Hausarzt niemandem. Wir haben gerade noch nicht einmal genug Vakzin, um die über 80-Jährigen und die chronisch Kranken zu impfen, das wird sicher noch bis zu drei Wochen dauern. Aber wenn Sie ohnehin in der Praxis sind, weil Sie etwa ein Rezept holen, kann man sich ruhig als impfwillig zu erkennen geben. Auch eine E-Mail macht Sinn. Extra vorbeikommen oder anrufen sollte man aber vermeiden, um den Praxisbetrieb nicht aufzuhalten.

Wie gehen die Hausärzte derzeit vor, wenn sie den raren Impfstoff verteilen?
Beier: Unsere Praxissysteme teilen für uns die Prioritäten ein, sie filtern nach Alter und Vorerkrankungen. Und die Teams in den Praxen betreiben dann einen enormen Aufwand, indem sie telefonisch die Infragekommenden zu erreichen versuchen. Weil wir die Sprechzeiten nicht verknappen, arbeiten die Mitarbeiter teils auch abends und an den Feiertagen. Das ist ein großes Engagement, das immer dem Ziel unterstellt ist, so schnell wie möglich zu impfen.

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Impfgeschwindigkeit ist bisweilen auch wichtiger als Bürokratie – das war vor wenigen Tagen etwa im Impfzentrum in Röthenbach a. d. Pegnitz der Grund dafür, dass nach Ausfall der Impfsoftware auch Dutzende Menschen ohne Termin und jenseits der herkömmlichen Priorisierung geimpft wurden. Kann so etwas auch in den Arztpraxen vorkommen?
Beier: Ich mag die Vorgänge in diesem Impfzentrum nicht beurteilen, aber es kann immer wieder zu Situationen kommen, in denen Pragmatismus die Regularien sticht. Wenn in einer Praxis am Freitagnachmittag etwa noch Dosen von Biontech übrig sind, die sonst verfallen, dann kann es natürlich auch mal sein, dass ein 40-Jähriger geimpft wird, wenn wir sonst niemanden von der Warteliste erreichen.



Apropos Biontech – dieser in Mainz entwickelte Impfstoff scheint derzeit der bevorzugte vieler Patienten zu sein. Gibt es ein Mitspracherecht, welches Vakzin sie erhalten?
Beier: Klare Antwort: nein. Wenn die Praxis Ihnen einen Impfstoff anbietet, können Sie diesen annehmen – oder eben nicht. Das ist natürlich Ihr gutes Recht. Es gibt meiner Ansicht nach derzeit aber keinen Grund, warum etwa ein 73-Jähriger nicht mit Astrazeneca geimpft werden sollte. Er kann das ablehnen, muss dann aber in Kauf nehmen, weiter warten zu müssen, bis ein anderer für ihn zur Verfügung steht.

Zur Person

Dr. Markus Beier ist Allgemeinmediziner in einer Erlanger Gemeinschaftspraxis und Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes. Er impft mit seinem Praxisteam seit dem 31. März gegen Corona.

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