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Demo gegen Corona-Maßnahmen: Der Abgrund ist noch immer da

Warum es wichtig ist, Regeln während der Pandemie einzuhalten - 02.08.2020 19:13 Uhr

Mit mehr oder weniger lustigen Botschaften gingen in Berlin am Wochenende Tausende auf die Straße.

© Annette Riedl/dpa


"Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht." 1844 schrieb Heinrich Heine dies nieder, mit Blick aufs Wochenende sind seine Zeilen aktueller denn je. Knapp 20.000 Menschen laufen durch Berlin, eine Mischung aus besorgten Bürgern, Impfgegnern, Rechtspopulisten und deren Anhängern.

Was sie eint? "Weg mit den Masken!" Nun ist das Recht auf Demonstration nicht hoch genug einzuschätzen, aus gutem Grund ist es im Grundgesetz verankert. Jeder Deutsche hat aber gleichzeitig das Recht auf körperliche Unversehrtheit, auch das steht im Grundgesetz. Dieses Recht wird massiv gefährdet, wenn Tausende in Coronazeiten ohne Gesichtsmaske und Abstand herumlaufen. Deswegen gilt eine Maskenpflicht an neuralgischen Punkten. Der Staat erlässt diese nicht, um seine Bürger zu schikanieren, sondern um sie vor einer potenziell tödlichen Gefahr zu schützen. So einfach ist das.

In den USA starben 155.000 Menschen 

Das Tragen einer Maske zeugt überdies von Respekt gegenüber der Gesundheit der anderen. Dass die Dinger nerven und wir uns alle nach Normalität im Alltag sehnen, ist Konsens. Aber diese Normalität wird sehr viel später kommen, wenn wir jetzt alles über Bord werfen, was uns im weltweiten Vergleich bei den Coronastatistiken so gut dastehen lässt.

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Um das mal zu verdeutlichen: In den USA sind bislang rund 155.000 Menschen an den Folgen von Covid 19 gestorben. Das entspricht der Einwohnerzahl von Regensburg. Dass in Amerika mehr Menschen leben als hier, macht das nicht weniger dramatisch. Alles eingefädelt und erfunden von globalen Strippenziehern mit böser Agenda oder der "Lügenpresse"? Ganz und gar nicht. Corona ist keine"bessere Grippe" und schon gar kein Hoax, Corona ist Realität.


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Dass in Mamming Hunderte Erntehelfer erkrankt sind oder in Erlangen über ein Dutzend Menschen positiv getestet wurden, die bei einer Hochzeit waren, zeigt: Die zunächst gelebte Disziplin, die uns sehr wahrscheinlich vor vielen Todesfällen bewahrt hat, ist passé. Stattdessen erleben wir den täglichen Leichtsinn – Masken, die unterm Kinn getragen werden, Begrüßung mit Küsschen im Straßencafé, knallvolle Badestrände. Um einen Mindestabstand schert sich kaum noch einer.

Das Virus hat leichtes Spiel

Damit machen wir es dem Virus sehr leicht. Es braucht nicht 300 Infizierte, um 300 weitere Personen anzustecken. Dazu reicht einer, das scheinen nahezu alle vergessen zu haben. Anti-Masken-Demos sucht man in Frankreich, Spanien oder Italien übrigens vergeblich. Vermutlich, weil diese Länder in einen ganz anderen Corona-Abgrund geblickt haben als wir.

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Doch der Abgrund ist noch da und wird breiter und tiefer mit jedem Tag, an dem wir die einfachsten Grundregeln zur Eindämmung einer Pandemie missachten: Abstand halten, Hände waschen und Maske auf. Jetzt, da die zweite Welle offenbar anrollt, ist das wichtiger denn je.

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