Gauner, Schauspieler, Lichtgestalten: Die Präsidenten der USA

1.2.2017, 09:42 Uhr
Am 30. April 1789 trat ein ehemaliger Landvermesser aus Virginia namens George Washington sein Amt als erster Präsident der Vereingten Staaten von Amerika an. Zuvor hatte er die amerikanischen Kolonien als Kommandeur der Kontinentalarmee von 1775 bis 1783 in die Unabhängigkeit von Großbritannien geführt. Auf den Vater der Nation folgten bislang 44 weitere Männer an der Spitze des Staates (okay, eigentlich nur 43, denn Grover Cleveland durfte nach 1889 als einziger mit einer Unterbrechung nochmal ran). Nicht jedem gelang es, dem Amt des amerikanischen Regierungschefs seinen Stempel aufzudrücken - während andere wahrlich Weltbewegendes schafften. Eine wertende Chronik.
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Gauner, Schauspieler, Lichtgestalten: Die Präsidenten der USA

Am 30. April 1789 trat ein ehemaliger Landvermesser aus Virginia namens George Washington sein Amt als erster Präsident der Vereingten Staaten von Amerika an. Zuvor hatte er die amerikanischen Kolonien als Kommandeur der Kontinentalarmee von 1775 bis 1783 in die Unabhängigkeit von Großbritannien geführt. Auf den Vater der Nation folgten bislang 44 weitere Männer an der Spitze des Staates (okay, eigentlich nur 43, denn Grover Cleveland durfte nach 1889 als einziger mit einer Unterbrechung nochmal ran). Nicht jedem gelang es, dem Amt des amerikanischen Regierungschefs seinen Stempel aufzudrücken - während andere wahrlich Weltbewegendes schafften. Eine wertende Chronik. © colourbox.de

Vier der historisch bedeutendsten Präsidenten sind am Mount Rushmore National Memorial in South Dakota in Stein gehauen: Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln (v.l.n.r.). Jefferson, Hauptverfasser der Unabhängigkeitserklärung und dritter USA-Präsident, regierte das Land 1801 bis 1809. Lincoln, die Nummer 16, setzte in der Verfassung die Abschaffung der Sklaverei durch - teuer erkauft mit dem amerikanischen Bürgerkrieg (1861 -1865) und tragisch vollendet mit seinem Tod: Er starb am Morgen des 15. Aprils 1865, nachdem ihm am Abend zuvor der Schauspieler und radikale Südstaaten-Anhänger John Wilkes Booth eine Kugel in den Kopf schoss. Theodore Roosevelt betrat 36 Jahre danach als 26. US-Präsident das Weiße Haus. Vom Volke gerne
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Die Monumente

Vier der historisch bedeutendsten Präsidenten sind am Mount Rushmore National Memorial in South Dakota in Stein gehauen: Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln (v.l.n.r.). Jefferson, Hauptverfasser der Unabhängigkeitserklärung und dritter USA-Präsident, regierte das Land 1801 bis 1809. Lincoln, die Nummer 16, setzte in der Verfassung die Abschaffung der Sklaverei durch - teuer erkauft mit dem amerikanischen Bürgerkrieg (1861 -1865) und tragisch vollendet mit seinem Tod: Er starb am Morgen des 15. Aprils 1865, nachdem ihm am Abend zuvor der Schauspieler und radikale Südstaaten-Anhänger John Wilkes Booth eine Kugel in den Kopf schoss. Theodore Roosevelt betrat 36 Jahre danach als 26. US-Präsident das Weiße Haus. Vom Volke gerne "Teddy" genannt, gilt der Friedensnobelpreisträger (für seine Vermittlung im Russisch-Japanischen Krieg) nicht nur als erster "moderner" Präsident der Vereinigten Staaten: Er ist auch Namenspatron des Teddybären, weil der passionierte Jäger der Legende nach einem kleinen Bären Pardon gewährte und ihn laufen ließ. Ein Segen für das Tier und fortan alle Spielzeughersteller. © dpa

Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten blieb rund 130 Jahre lang auf den eigenen Kontinent beschränkt. Ungewöhnliche Gestalten bewohnten in dieser Zeit das Weiße Haus: Martin Van Buren war von 1837 - 1841 der erste Präsident, der als US-amerikanischer Staatsbürger geboren wurde, seine Muttersprache war allerdings Niederländisch. Sein Nachfolger William H. Harrison sprach zwar Englisch, offenbar aber zu gern: Seine Antrittsrede dauerte satte zwei Stunden (bisher die längste). Er hielt sie bei Wind und Regen auf den Stufen des Kapitols - woraufhin er sich eine Lungenentzündung holte, an der er nach einem Monat Präsidentschaft (bisher die kürzeste) starb. Ulysses S. Grant wurde 1869 vor allem zum 18. Präsidenten gewählt, weil er als Oberbefehlshaber der Nordstaaten als (Bürger-)Kriegsheld galt. Dass er auch schwerer Alkoholiker war, störte die wenigsten. Der Aufstieg zur globalen politischen Supermacht begann für die USA mit Präsident Woodrow Wilsons Eintritt in den Ersten Weltkrieg im April 1917. Es sollte jedoch noch 23 Jahre dauern bis die Vereingten Staaten die Rolle des Weltpolizisten annahmen.
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Die Wegbereiter

Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten blieb rund 130 Jahre lang auf den eigenen Kontinent beschränkt. Ungewöhnliche Gestalten bewohnten in dieser Zeit das Weiße Haus: Martin Van Buren war von 1837 - 1841 der erste Präsident, der als US-amerikanischer Staatsbürger geboren wurde, seine Muttersprache war allerdings Niederländisch. Sein Nachfolger William H. Harrison sprach zwar Englisch, offenbar aber zu gern: Seine Antrittsrede dauerte satte zwei Stunden (bisher die längste). Er hielt sie bei Wind und Regen auf den Stufen des Kapitols - woraufhin er sich eine Lungenentzündung holte, an der er nach einem Monat Präsidentschaft (bisher die kürzeste) starb. Ulysses S. Grant wurde 1869 vor allem zum 18. Präsidenten gewählt, weil er als Oberbefehlshaber der Nordstaaten als (Bürger-)Kriegsheld galt. Dass er auch schwerer Alkoholiker war, störte die wenigsten. Der Aufstieg zur globalen politischen Supermacht begann für die USA mit Präsident Woodrow Wilsons Eintritt in den Ersten Weltkrieg im April 1917. Es sollte jedoch noch 23 Jahre dauern bis die Vereingten Staaten die Rolle des Weltpolizisten annahmen. © REUTERS/Rick Wilking

Er war der richtige Mann zur richtigen Zeit: Unter Historikern und Politikwissenschaftlern gilt
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Die Ikone: Franklin Delano Roosevelt (1933 - 1945)

Er war der richtige Mann zur richtigen Zeit: Unter Historikern und Politikwissenschaftlern gilt "FDR" als der bedeutendste amerikanische Präsident des 20. Jahrhunderts. Obwohl seine Regierung beinahe diktatorische Ausmaße annahm (sage und schreibe vier Amtszeiten) und der Demokrat mit dem "New Deal" radikale innenpolitische Reformen auf den Weg brachte, die man mitunter sozialistisch nennen könnte, wird Roosevelt bis heute als einer der größten US-Politiker, wenn nicht der größte verehrt. Was dann mit dem Eintritt Amerikas in den Zweiten Weltkrieg im Dezember 1941 anlief, hatte die Welt noch nicht gesehen: die größte Militärmaschinerie der Geschichte mit schier endlosen Produktionskapazitäten. Ein amerikanischer Krieg. Die faschistischen Diktaturen in Europa und Japan brachen darunter komplett zusammen. Auf der Konferenz von Jalta (Bild) Anfang Februar 1945 war der seit seinen Vierzigern gelähmte, an den Rollstuhl gefesselte FDR (Mitte) zwar der nunmehr mächtigste Mensch der Welt, aber schon vom Tod gezeichnet. Sein nahendes Ende vor Augen, verhandelte er mit Stalin (r.) und Churchill (l.) die Nachkriegsordnung - kettenrauchend und nur noch vom eigenen Willen aufrecht gehalten. Wenige Wochen später starb Roosevelt, der unerschütterliche Optimist, mit 63 Jahren an einer Hirnblutung. Da befand er sich in seiner vierten Amtszeit - ein Umstand, der erst 1951 gesetzlich geregelt wurde: Von da an galt für US-Präsidenten die Beschränkung auf zwei Amtszeiten. © Archivbild (dpa)

Das
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Der Landwirt: Harry S. Truman (1945 - 1953)

Das "S" ist keine Abkürzung. Trumans Eltern konnten sich einfach nicht einigen, ob Klein-Harry nun Shipp oder Solomon als zweiten Vornamen bekommen sollte. Also beließen sie es einfach bei "S". Weil das recht eigentümlich war, setzte sich Truman später selbst einen Punkt dahinter. Eigentümlich ist es auch, dass Harry S. Truman überhaupt Präsident wurde. Und, dass ein in größeren Geschäften mäßig erfolgreicher Farmer aus dem ländlichen Missouri dereinst die Macht über die schrecklichste Waffe der Menschheitsgeschichte haben würde. Auf Trumans Befehl hin löschten zwei Atombomben binnen Sekunden mehr als 100.000 Leben aus. Japan kapitulierte, der Zweite Weltkrieg war zu Ende. Da war der einstige Vize von Roosevelt erst wenige Monate im Amt. Mit FRDs Tod übernahm Truman wahrlich gewaltige Aufgaben - galt es doch nicht nur, den größten und grausamsten aller Kriege zu beenden, sondern vielmehr eine ganze Welt neu zu ordnen. Dabei musste selbige sich auf einen neuen, Kalten Krieg gegen die Sowjetunion einstellen, der 1950 in Korea erstmals heiß wurde. Der (wirtschaftliche) Wiederaufbau Europas mit Hilfe des Marshall-Plans geriet zur Erfolgsgeschichte Trumans. Innenpolitisch stieß er einige große Reformen an, darunter auch solche, die zur Gleichstellung der Afro-Amerikaner beitrugen. Oft scheitert er mit seinen Plänen aber am Kongress. Der beginnenden Hexenjagd auf vermeintliche inländische Kommunisten schaute ein müder Truman dann nur noch zu - und trat 1952 nicht wieder zur Wahl an (was möglich gewesen wäre, da er erst sechs Jahre im Amt war). Obwohl Harry S. Truman Großes leistete, ist aus ihm kein großer Präsident geworden, weil er - trotz hehrer Bemühungen - nie einen großen Präsidenten ausstrahlte: Er war ein jämmerlicher Redner, der seine Visionen einfach nicht gut verkaufen konnte. Zeitlebens und bis in die jüngere Vergangenheit blieb er unbeliebt - eben der eigentümliche Farmer aus Kansas City. © afp

Amerikaner wählen nach vier beziehungsweise acht Jahren gerne Gegensätzliches. Oder zumindest, was sie dafür halten. Dementsprechend durfte nach dem ungeliebt-unscheinbaren Truman der (Welt-)Kriegsheld Dwight D. Eisenhower, gennant
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Der Kriegsheld: Dwight David Eisenhower (1953 - 1961)

Amerikaner wählen nach vier beziehungsweise acht Jahren gerne Gegensätzliches. Oder zumindest, was sie dafür halten. Dementsprechend durfte nach dem ungeliebt-unscheinbaren Truman der (Welt-)Kriegsheld Dwight D. Eisenhower, gennant "Ike", ran. Reputation hatte er als ehemaliger Oberbefehlshaber der Truppen in Europa und erster Nato-Chef genug, mit entsprechend harter Hand sollte er die globale Herausforderung gegen die UdSSR, nunmehr auch Atommacht, annehmen. Der Republikaner erwies sich jedoch nicht als Hardliner. Seine Strategie der "Massiven Vergeltung" machte aus Nuklearwaffen fortan ein ausschließlich politisches Instrument: Allein die Drohung, auf kommunistische Aggression mit einem massiven Atomschlag gegen die Sowjetunion zu antworten, sollte genügen, um den Frieden zu wahren. Der tatsächliche militärische Einsatz von Kernwaffen blieb dabei eine Horror-Hypothese vom Ende der Menschheit. Gleichzeitig suchte Eisenhower auf diplomatischem Wege eine Annäherung zum Kreml und setzte in der internationalen Politik auf Entspannung. Im Inneren gelang es ihm, der verleumderischen Kommunistenjagd von Senator Joseph McCarthy schrittweise Einhalt zu gebieten. Doch die brodelnden Rassenkonflikte, vor allem im Süden der USA, vermochte er nicht zu lösen. Dennoch war er mit dem simplen Motto "I Like Ike" bei den Wahlen erfolgreich. In seiner Abschiedsrede 1961, nach zwei Amtszeiten als ungebrochen populärer Staatschef, warnte er die Bevölkerung vor der aufkommenden Gefahr des "militärisch-industriellen Komplexes" - also der unheilvollen Allianz zwischen Politik, Militär und Rüstungsindustrie. Eisenhower nahm damit eine Entwicklung in der US-Außenpolitik vorweg, die bis heute scharf in der Kritik steht: Krieg als profitables Geschäftsmodell. © afp

Warum ist Kennedy der Superstar unter den Präsident der USA? Warum gibt es keinen anderen unter seinen bislang 43 Kollegen, um den sich so viele Mythen und Legenden ranken? Es liegt an seinem Tod, dem erste medialen Tod in der US-Geschichte. Das Attentat auf
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Der Elitäre: John Fitzgerald Kennedy (1961 - 1963)

Warum ist Kennedy der Superstar unter den Präsident der USA? Warum gibt es keinen anderen unter seinen bislang 43 Kollegen, um den sich so viele Mythen und Legenden ranken? Es liegt an seinem Tod, dem erste medialen Tod in der US-Geschichte. Das Attentat auf "JFK" hat sich ins kollektive Gedächtnis der Menschheit eingebrannt, weil es (bewegte) Live-Bilder davon gibt. Seine politischen Errungenschaften, sein Charisma, seine vermeintliche Jugendlichkeit, seine rhetorische Meisterschaft, sein Glamour - all das rückt in den Vordergrund, sobald jener kurze 8-mm-Farbfilm läuft, gedreht in Dallas, Texas, am 22. November 1963. Dass der Demokrat John "Jack" Kennedy durch und durch Kalter Krieger war? Geschenkt. Dass es nicht er, sondern hauptsächlich Kreml-Chef Chruschtschow war, der für den friedlichen Ausgang der Kuba-Krise 1962 sorgte? Geschönt. Dass er die amerikanische Militärpräsenz in Vietnam intensiv ausbaute? Geheim. Und, dass er zwar mit 44 Jahren vergleichsweise jung war als er 1961 sein Amt antrat, aber unter unzähligen Gebrechen litt? Getürkt. Kennedy betrachtete sich und sein Kabinett als absolute Elite des Landes, als die "Besten und Schlausten", die je Amerikas Geschicke lenken durften. Alles, was nicht in diese Legende passte (inklusive peinlicher Frauengeschichten), wurde unterdrückt. Und bis heute exisitiert nur ein verklärter Blick auf den 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Ja, er war ein Reformer, ein Progressiver, ein Visionär, ein Berliner. Aber halt immer nur soweit, wie es sein politisches Kalkül zuließ. Was gewesen wäre, wenn diese eine Kugel, die ihm den Schädel zerfetzte, nicht getroffen hätte - ob man dann einen nüchteren Blick auf seine Präsidentschaft werfen würde? Ob es den Vietnamkrieg dann nicht gegeben hätte? Ob er gar den Ost-West-Konflikt beendet hätte? Diese Fragen bleiben, wie seine Ermordung, unbeantwortet - und voller Ungereimtheiten. © dpa

Selbst Nixon ist beliebter. Das zeigen bis heute Umfragen in den USA. Der Name Lyndon B. Johnson fällt immer in einem Atemzug mit dem (bis zum 11. September 2001) wohl größten Trauma der Vereingten Staaten: Vietnam. Der 36. Präsident galt und gilt als machtbesessener, manipulativer Kriegstreiber, ein Texaner, der für all das steht, was die Studentenbewegungen Ende der 1960er ablehnten: Krieg statt Frieden, Reaktionismus statt Flower-Power. Doch ähnlich wie bei seinem Vorgänger, dessen Amt er als Vize nach dem Attentat von Dallas übernahm, ist das öffentliche Bild Johnsons geprägt von Halbwahrheiten, Polemik und Legende. Eigentlich ist seine Geschichte eine Tragödie. Angetreten, um aus den USA eine
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Der Tragische: Lyndon Baines Johnson (1963 - 1969)

Selbst Nixon ist beliebter. Das zeigen bis heute Umfragen in den USA. Der Name Lyndon B. Johnson fällt immer in einem Atemzug mit dem (bis zum 11. September 2001) wohl größten Trauma der Vereingten Staaten: Vietnam. Der 36. Präsident galt und gilt als machtbesessener, manipulativer Kriegstreiber, ein Texaner, der für all das steht, was die Studentenbewegungen Ende der 1960er ablehnten: Krieg statt Frieden, Reaktionismus statt Flower-Power. Doch ähnlich wie bei seinem Vorgänger, dessen Amt er als Vize nach dem Attentat von Dallas übernahm, ist das öffentliche Bild Johnsons geprägt von Halbwahrheiten, Polemik und Legende. Eigentlich ist seine Geschichte eine Tragödie. Angetreten, um aus den USA eine "Great Society" zu machen, in der jeder Mensch gleich behandelt wird, wollte Johnson Kennedys innenpolitische Reformen fortführen. Und diesbezüglich schaffte er Gewaltiges: Mit dem Civil Rights Act brachte er das bundesweite Wahlrecht für Afro-Amerikaner durch den Kongress und stellte nebenbei auch Mann und Frau gesetzlich gleich. Johnson war ein genialer Politiker, wenn es darum ging, Mehrheiten im Parlament zu gewinnen. Es gelang ihm eine Flut von Gesetzen, die den schwachen Sozialstaat stärkten und soziale Gerechtigkeit beförderten, enegerisch durch den Kongress zu boxen. Außenpolitisch setzte er auf Entspannung sowie auf die Begrenzung und Kontrolle von Atomwaffen. Diese Kontrolle verlor er aber alsbald über das Militär - hinsichtlich des von ihm verhassten Militär-Engagements in Südostasien: Er ließ den Vietnamkrieg immer weiter eskalieren, auf mangelnde Erfolge reagierte er ratlos mit massiven Bombenteppichen, ließ die Militärs gewähren. Die Soldaten auf beiden Seiten brutalisierten sich, die Medien berichteten schonungslos über bestialische Akte gegen Zivilisten und vermeintliche Vietcong. Man müsse eben das "Dorf niederbrennen, um es zu retten", lautete der Wahlspruch eines US-Kommandaten. Johnson versank im "Sumpf von Vietnam", der Krieg ruinierte seinen Ruf. Völlig desillusioniert und vom eigenen Volk verachtet, verzichtete er 1968 auf eine erneute Kandidatur. Zusammen mit seiner Frau Ladybird verbrachte er seinen Lebensabend auf seiner Ranch in Texas. Im Januar 1973 unterzeichneten Diplomaten den Pariser Vetrag, der die direkte Verwicklung der USA in den Vietnam-Konflikt beendete. Wenige Tage zuvor war Johnson gestorben. © afp

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Der Übermächtige: Richard Milhous Nixon (1969 - 1974)

"I'm not a crook", verkündete Richard Nixon im November 1973 auf einer Pressekonferenz. Er sei kein "Gauner". Damit verteidigte er sich gegen die Vorwürfe der anwesenden Journalisten, er sei viel tiefer in den Watergate-Skandal verstrickt als bislang angenommen. Dieser letztlich verlogene Satz ist alles, was von der Präsidenschaft des Richard Milhous Nixon (links im Bild mit seinem wichtigsten Berater, Henry Kissinger aus Fürth) ürbig blieb. Der Quäker aus Kalifornien ist der geborene Machtpolitiker: hochintelligent, ehrgeizig, überall der Klassenbeste und mit dem Willen, Dinge zu gestalten. Er passt sich den Gegebenheiten an, wo er muss, gibt sich mal ultrakonservativ, mal liberal - aber selten präsidial. Denn Nixon hat einen Minderwertigkeitskomplex, dem der Republikaner nie Herr wird und der sich spätestens im Wahlkampf 1960 nach der schmachvollen Niederlage in der TV-Debatte gegen Kennedy öffentlich offenbart: Nixons Äußeres, seine Mimik und Gestik sind alles andere elegant. Er ähnelt mehr einem griesgrämigen Chef-Buchhalter, der selten ans Tageslicht kommt. Dieser Umstand führt dazu, dass Nixon, je mächtiger er wird, unter zunehmendem politischen Verfolgungswahn leidet. Er sieht sich überall von Feinden umzingelt - Studenten, Demokraten, Hollywoodstars, sogar in der eigenen Regierung wittert er Verrat in jeder Ecke. Folglich verschanzt er sich im Oval Office, erlangt eine nie dagewesene Machtfülle und regiert fortan wie ein moderner Imperator am Rande oder jenseits der Legalität: Ohne Zustimmung des Kongresses weitet er denn Vietnamkrieg auf Kambodscha aus, seine mutmaßlichen "Feinde" lässt er staatlich überwachen. Als schließlich unter Anleitung von engsten Beratern (und wahrscheinlich wusste Nixon davon) der Einbruch ins Hauptquartier der Demokratischen Partei im Washingtoner Watergate-Hotel begangen ist und die Sache für immer mehr Empörung sorgt, kann Nixon nichts mehr halten. Am 8. August 1974 gibt er seinen Rücktritt bekannt - den bislang einzigen eines US-Präsidenten. Die Annäherung an China ist vergessen, die Beendigung des Krieges in Südostasien wie seine generell geschickte Entspannungspolitik im Ost-West-Konflikt ebenso. Auch seine unerhört drastischen Staatseingriffe zum Ankurbeln der Konjunktur verblassen, obwohl sie erfolgreich sind. Nicht einmal die Mondlandung zu Beginn seiner Präsidentschaft rechnen ihm Zeitgenossen noch positiv an. Der Übermächtige, er fällt tief. © AFP

Wer Nixon nachfolgen sollte? Eine heikle Frage, denn sein Vize-Präsident Spiro Agnew war 1973 zurückgetreten. Wegen einer Korruptions-Affäre. Also nominierte Nixon seinen Parteigenossen und Fraktionsvorsitzenden der Republikaner Gerald Ford. So hatte dieser, als er nach Nixons Rücktritt ins Amt kam, keinerlei Legitimation vom Volk. Mit diesem Makel und der Entscheidung, seinem verhassten Vorgänger eine Blanko-Begnadigung auszuprechen, blieb Ford ein Platzhalter im Weißen Haus. Innenpolitsch kämpfte er erfolglos gegen die Inflation an, außenpolitisch sorgte er zumindest für den kompletten Rückzug aller US-Soldaten aus Vietnam - wobei es sich mehr um eine Flucht und damit eine große Schmach handelte. Das Ansehen, das die USA und das Präsidentenamt als solches wegen Vietnam und Watergate verloren hatten, konnte der konturlose Ford nicht wiederherstellen. Er selbst wusste es am besten:
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Der Platzhalter: Gerald Rudolph Ford Junior (1974 - 1977)

Wer Nixon nachfolgen sollte? Eine heikle Frage, denn sein Vize-Präsident Spiro Agnew war 1973 zurückgetreten. Wegen einer Korruptions-Affäre. Also nominierte Nixon seinen Parteigenossen und Fraktionsvorsitzenden der Republikaner Gerald Ford. So hatte dieser, als er nach Nixons Rücktritt ins Amt kam, keinerlei Legitimation vom Volk. Mit diesem Makel und der Entscheidung, seinem verhassten Vorgänger eine Blanko-Begnadigung auszuprechen, blieb Ford ein Platzhalter im Weißen Haus. Innenpolitsch kämpfte er erfolglos gegen die Inflation an, außenpolitisch sorgte er zumindest für den kompletten Rückzug aller US-Soldaten aus Vietnam - wobei es sich mehr um eine Flucht und damit eine große Schmach handelte. Das Ansehen, das die USA und das Präsidentenamt als solches wegen Vietnam und Watergate verloren hatten, konnte der konturlose Ford nicht wiederherstellen. Er selbst wusste es am besten: "Ich bin nur ein Ford, kein Lincoln", meinte er in Anspielung auf zwei ur-armerikanische Automarken und einen der größten US-Präsidenten. Seine Wiederwahl 1976 scheiterte - jedoch verlor er nur knapp gegen den Demokraten Jimmy Carter. © dpa

Carter wollte Frieden bringen. Was könnte ein einfacher Erdnussfarmer aus dem Süden schon Übles tun? Den versuchte
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Der Unglückliche: James Earl Carter Junior (1977 - 1981)

Carter wollte Frieden bringen. Was könnte ein einfacher Erdnussfarmer aus dem Süden schon Übles tun? Den versuchte "Jimmy" zu verkörpern - einen nahbaren Kumpel aus dem Volke, einen Versöhner, moralisch integer, tief verwurzelt im traditionellen Wertesystem der USA. Mehr Ehrenamtler denn Staatenlenker. Also die Antithese zu Johnson und Nixon. Tatsächlich schaffte er es als Vermittler 1978 ein Friedensabkommen zwischen Isreal und Ägypten zustande zu bringen. Es war der außenpolitische Höhepunkt von Carters Präsidentschaft (Bild). Aber dann begannen schon die Probleme: Ende 1979 marschierte die UdSSR in Afghanistan ein, was Entspannungspolitik vorläufig unmöglich machte. Kurz darauf nahmen militante Anhänger des Mullahs Chomeini im Zuge der Islamischen Revolution im Iran 60 Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft in Teheran als Geiseln. Eine vom Weißen Haus angeordnete Befreiungsaktion scheiterte katastrophal, Carters Wahlniederlage 1980 war vorherbestimmt. Die Realität machte "Jimmy" letztlich einen Strich durch die idealistische Rechnung und der 39. US-Präsident blieb ein unglücklich Gescheiterter. © dpa

49 Wahlmännerstimmen für Präsident Carter. 489 Wahlmännerstimmen für Ronald Reagan. Ein Erdrutschsieg. Der
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Der Darsteller: Ronald Wilson Reagan (1981 - 1989)

49 Wahlmännerstimmen für Präsident Carter. 489 Wahlmännerstimmen für Ronald Reagan. Ein Erdrutschsieg. Der "Große Kommunikator" hatte gewonnen. Mehr noch: Es gelang ihm - als erster Präsident, der seit Eisenhower wieder zwei volle Amtszeiten durchhielt - das Selbstverständnis der USA als "God's own country" und das Bild Amerikas als die Supermacht auf Erden aufzupolieren. Mit ihm an der Spitze schienen Nixon und Konsorten ein für allemal in die Vergangenheit verbannt. Dabei war Reagan eigentlich mehr Darsteller eines Präsidenten, denn de facto die oberste Verwaltungskraft des Landes. Er regierte als Vorstandsvorsitzender des Weltkonzerns Amerika, hielt sich aus dem Polit-Alltag und Gesetzgebungsprozess heraus und wollte knapp formulierte Ergebnisse vorgelegt bekommen, über die er dann eine Entscheidung fällte. Sein Auftreten und seine einnehmende Art strahlten über alles hinweg - von Steuersenkungen und Privatisierungswellen, die für mehr Ungleichheit sorgten, über rasant steigende Militäretats und unfassbare Haushaltsdefizite sowie die Aushöhlung des ohnehin schwachen Sozialstaats: Reagan und seiner Wirtschaftspolitik ("Reaganomics") verzeihte man alles - mussten sich ja erst spätere Generationen mit den desaströsen Folgen quälen. Selbst die Iran-Contra-Affäre prallte an Reagan beinahe unbeschadet ab: Geld aus geheimen Waffenlieferungen an den Iran für einen rechten Staatsstreich in Nicaragua zu benutzen? Der einstige Film- und Fernsehschauspieler konnte der Bevölkerung einfach alles verkaufen. Auch eine "konservative Revolution", die es so nie gab und höchstens mit säbelrasselnden Reden über die UdSSR als "Reich des Bösen" artikuliert wurde. Der im Innern bröckelnden Sowjetunion versetzte der dogmatische Anti-Kommunist mit einem neuen Wettrüsten den Todesstoß von außen. Die Linken und Linksliberalen verachten Ronald Reagan bis heute so sehr wie er von Republikanern und Konservativen vergöttert wird. Irgendwo dazwischen findet sich vielleicht der Mensch Ronald Reagan. Ein großer US-Präsident - vor allem von der Statur her. © DON RYPKA/AFP

Bush verdankte die Wahl maßgeblich seinem einstigen Chef: Der Glanz von Ronald Reagan strahlte sogar auf seinen konturlosen Vize. Bush war kein charismatischer Selfmade-Man, sondern gehörte als Sohn einer traditionellen Politiker/Unternehmer-Familie zur amerikanischen Aristokratie. Er war kein Macher und kein großer Redner, sondern ein abwägender Verhandler, der für die radikale antikommunistischen Ideologie Reagans nie viel übrig hatte. Als Bush schließlich selbst Präsident wurde, brachte er als Ex-Unternehmer, Ex-UNO-Botschafter und Ex-CIA-Direktor so viel außenpolitischen Sachverstand mit, wie nur wenige seiner Vorgänger. Prinzipientreue war für Bush eher ein Hindernis, weshalb der sonst auf Kompromiss und Diplomatie bedachte Realpolitiker auch nicht davor zurückschreckte im Wahlkampf 1988 mit ultranationalistischen Slogans und schmutzigen Wahlwerbespots gegen seinen handzahmen demokratischen Gegenkandidaten Michael Dukakis zu schießen. Aber einmal im Oval Office angekommen, galt es, auf ein weltgeschichtliches Großereignis nach dem anderen zu reagieren: Revolutionen, Mauerfall, Ende des Kalten Krieges, Zusammenbruch der Sowjetunion, das vermeintliche
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Der Farblose: George Herbert Walker Bush (1989 - 1993)

Bush verdankte die Wahl maßgeblich seinem einstigen Chef: Der Glanz von Ronald Reagan strahlte sogar auf seinen konturlosen Vize. Bush war kein charismatischer Selfmade-Man, sondern gehörte als Sohn einer traditionellen Politiker/Unternehmer-Familie zur amerikanischen Aristokratie. Er war kein Macher und kein großer Redner, sondern ein abwägender Verhandler, der für die radikale antikommunistischen Ideologie Reagans nie viel übrig hatte. Als Bush schließlich selbst Präsident wurde, brachte er als Ex-Unternehmer, Ex-UNO-Botschafter und Ex-CIA-Direktor so viel außenpolitischen Sachverstand mit, wie nur wenige seiner Vorgänger. Prinzipientreue war für Bush eher ein Hindernis, weshalb der sonst auf Kompromiss und Diplomatie bedachte Realpolitiker auch nicht davor zurückschreckte im Wahlkampf 1988 mit ultranationalistischen Slogans und schmutzigen Wahlwerbespots gegen seinen handzahmen demokratischen Gegenkandidaten Michael Dukakis zu schießen. Aber einmal im Oval Office angekommen, galt es, auf ein weltgeschichtliches Großereignis nach dem anderen zu reagieren: Revolutionen, Mauerfall, Ende des Kalten Krieges, Zusammenbruch der Sowjetunion, das vermeintliche "Ende der Geschichte" - und die USA als letzte verbliebene Supermacht außer Konkurrenz. Die neue Stituation zu stemmen, erwies sich für Bush als ein Leichtes, war er doch ein gewiefter Verwalter. Aber um die "Neue Weltordnung" zu konzipieren, verlangte es nach mehr. Es dürstete die Menschen, insbesondere in Europa, nach Visionen - nach einem Zukunftsgestalter. Und der war Bush sicher nicht. Als außenpolitischer Erfolg wurde zwar der US-geführte UN-Militäreinsatz gegen den Irak im Zweiten Golfkrieg gewertet, doch darauf kam es im Inland nicht an: Steigende Arbeitslosigkeit und ein anstronomisches Haushaltsdefizit (Regans Erbe) wusste Bush nicht wirksam zu bekämpfen. Als er dann auch noch sein größtes Wahlversprechen bzw. -Motto ("Lest es von meinen Lippen: Keine neuen Steuern!") brach, war die farblose Ära Bush vorüber. © REUTERS/Shaun Best

Sein Motto:
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Der Menschliche: William Jefferson Clinton (1993 - 2001)

Sein Motto: "It's the economy, stupid!" - Es ist die Wirtschaft, Dummkopf! Wahlen gewinnt man im Amerika (vor allem nach dem Kalten Krieg) nicht mit Außenpolitik. Jobs schaffen, Löhne erhöhen, Konjunktur ankurbeln - das ist das Erfolgsrezept. Und der Menschenfänger Bill Clinton verfeinerte es brillant. Der empathische Südstaatler aus der Kleinstadt Hope in Arkanas, geboren in einfachsten Verhältnissen, gab dem Präsidentenamt wieder ein junges, tatkräftiges Gesicht - und seinen Wählern selbstredend die nötige Hoffnung auf beruflich-sozialen Aufstieg. Den Eigenen hatte sich der Tausendsassa ja auch unerbittlich hart erkämpfen müssen - und wurde für die Demokraten in seinem Heimatstaat mit 32 Jahren jüngster Gouverneur der US-Geschichte. Dort betrieb er schon als Sprecher der "New Democrats" eine unternehmerfreundliche Politik. Zusammen mit seiner emanzipierten Frau und Ex-Kommilitonin Hillary Rodham verkörperten die Clintons dann im Weißen Haus das postmoderne Amerika der 1990er. Innenpolitische Reformen gelangen nicht immer (das Scheitern einer allgemeinen Krankenversicherung gehörte zu den schmerzhaftesten Niederlagen), doch die Staasverschuldung bekämpfte Clinton so erfolgreich, dass ihm die Wiederwahl 1996 recht deutlich gelang. Außenpolitisch hielt es Clinton wie im Innern: Ihm ging es vor allem um wirtschaftliche Kooperationen, Freihandel - und militärische Zurückhaltung. Dem Völkermord in Ruanda schauten die USA deshalb tatenlos zu, in den blutigen Kosovokonflikt griffen sie verspätet ein. Im Nahen Osten setzte er bei Jimmy Carter an und konzentierte sich auf Vermittlung. Tatsächlich gelangen ihm hierbei erstaunliche Erfolge (wie das Oslo-Abkommen zwischen Isreal und der PLO und der israelisch-jordanische Friedensvertrag). Leider erwiesen sich diese Erfolge als kurzfristg, mitunter illusorisch - und gerade in der Palästina-Frage zerbrach die zarte Hoffnung auf Frieden im Jahr 2000 völlig. Da war Clinton allerdings schon arg zum Gespött der Leute geworden. Unaufrichtigkeit - man warf sie dem notorischen Schwerenöter schon immer vor. 1998 kam es schließlich zum größten Skandal: Die Lewinsky-Affäre brachte jede Menge unpolitischen Schmutz auf die Titelblätter, Clinton belog erst seine Frau, dann das amerikanische Volk über die Vorgänge im Oval Office - nunmehr als "Oral Office" bezeichnet. Wegen Meineid wurde gegen Clinton gar ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet, das kläglich scheiterte. Die politische Farce um eine peinliche Privat-Angelegenheit überschattet aber seine ansonsten beachtliche Präsidentenkarriere bis heute. Als er 2001 das Weiße Haus verließ, war er für viele mehr Witzfigur denn Staatschef. Allerdings: Im Volk blieb Clinton ungebrochen beliebt. Vielleicht, weil seine Schwächen so schön menschlich waren. © dpa

Der Republikaner George W. Bush ist der bisher einzige Präsident der USA, der es eindeutig ohne Stimm-Mehrheit und ohne eindeutige Wahlmänner-Mehrheit ins Weiße Haus schaffte. Die Nachzählung der entscheidenden Stimmen aus Florian - per Hand - unterbanden die (mehrheitlich republikanischen) Obersten Bundesrichter kurzerhand. Und beendeten damit ein tragikomisches, wochenlanges Schauspiel um Wählerstimmen, ungültige Stimmzettel, kaputte Wahlautomaten und Wähler, denen man illegal ihr Stimmrecht entzog. Die Regierung des ältesten Sohnes von Ex-Präsident Bush begann genauso umstritten wie sie endete. Was
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Der Einfache: George Walker Bush (2001 - 2009)

Der Republikaner George W. Bush ist der bisher einzige Präsident der USA, der es eindeutig ohne Stimm-Mehrheit und ohne eindeutige Wahlmänner-Mehrheit ins Weiße Haus schaffte. Die Nachzählung der entscheidenden Stimmen aus Florian - per Hand - unterbanden die (mehrheitlich republikanischen) Obersten Bundesrichter kurzerhand. Und beendeten damit ein tragikomisches, wochenlanges Schauspiel um Wählerstimmen, ungültige Stimmzettel, kaputte Wahlautomaten und Wähler, denen man illegal ihr Stimmrecht entzog. Die Regierung des ältesten Sohnes von Ex-Präsident Bush begann genauso umstritten wie sie endete. Was "W." in der Welt so alles anrichtete, braucht hier nicht nochmal erläutert zu werden - die Folgen seiner planlosen Militär-Interventionen in Afghanistan und Irak prägen bis heute die Weltpolitik. Globale Sicherheit und Ansehen der Vereinigten Staaten: Unter ihm fielen beide in ein tiefes Loch. Bush war ein einfacher Mann mit einfachem Intellekt, der einfache Antworten auf komplizierte Fragen geben wollte. Der die vom Vater vererbte rhetorische Unfähigkeit perfektionierte. Der mit dem 11. September 2001 auf die größte amerikanische Tragödie seit Pearl Harbour reagieren musste. Der in missionarischem Eifer einen globalen Anti-Terror-Krieg ausrief, der ins Nichts führte. Dessen außenpolitischer Scherbenhaufen bald auch noch mit innenpolitischer Inkompetenz hinsichtlich des Hurrikans "Katrina" vermengt wurde. Und der seinem Nachfolger auch noch eine weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hinterließ, an der die Deregulierungswut seiner Administration maßgeblichen Anteil hatte. George W. Bushs Präsidentschaft war am Ende eine blutige, teure Blamage für die Vereinigten Staaten. Um zumindest einen positiven Aspekt zu erwähnen: Getrieben von Nächstenliebe, war es für den wiedergeborenen Christen Bush eine Herzensangelenheit, die amerikanische Entwicklungshilfe für die ärmsten Weltregionen rapide anzuheben. Absolution gibt es dafür aber keine. © dpa

Eigentlich kein Visionär, kein Träumer, kein Erneuerer und vor allem, eigentlich kein amerikanischer Präsident. Barack Obama war ein Rhetoriker vor dem Herren, das ist unbestritten. In verschiedensten Uni-Seminaren werden seine Reden analyisiert - auf ihre Brillanz hin. Als Showman und Präsident der (Neuen) Medien machte er eine gute, ach was, coole Figur. Dahinter aber war Barack Obama ein bierernster Realpolitiker, er regierte und reagierte mit Augenmaß, war grundlegend skeptisch gegenüber militärischen Mitteln und auf multilaterales Vorgehen in der internationalen Politik bedacht. Im Grunde also: ein europäischer Politiker. Mit seinen innenpolitischen Reformen gelangen ihm Dinge, an denen sich seine Vorgänger allzu oft die Zähne ausbissen, allen voran Obamacare. Die US-Wirtschaft stabilisierte sich unter ihm. Außenpolitisch hat er teils uralte Mauern niedergerissen und Diplomatie hergestellt. Er schonte das Leben amerikanischer Soldaten und setzte auf völkerrechtlich umstrittene unbemannte Dronen - zur gezielten, effektiven Tötung von Terroristen. Sie trafen ganz und gar nicht immer ihr Ziel, sondern auch unschuldige Kinder, Frauen, Männer, die in Obamas Namen ihr Leben verloren. Diese Menschen starben geheim, unbeachtet von der Weltöffentlichkeit. Im Vergleich zu den Kriegen früherer Präsidenten blieben die Opferzahlen aber sehr gering. Bisweilen verzettelte sich der Demokrat auch in Sachen amerikanischer Zurückhaltung - das Gefahrenpotenzial des syrischen Bürgerkrieges beispielsweise unterschätzte er vollkommen, während er den
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Der Europäer: Barack Hussein Obama (2009 - 2017)

Eigentlich kein Visionär, kein Träumer, kein Erneuerer und vor allem, eigentlich kein amerikanischer Präsident. Barack Obama war ein Rhetoriker vor dem Herren, das ist unbestritten. In verschiedensten Uni-Seminaren werden seine Reden analyisiert - auf ihre Brillanz hin. Als Showman und Präsident der (Neuen) Medien machte er eine gute, ach was, coole Figur. Dahinter aber war Barack Obama ein bierernster Realpolitiker, er regierte und reagierte mit Augenmaß, war grundlegend skeptisch gegenüber militärischen Mitteln und auf multilaterales Vorgehen in der internationalen Politik bedacht. Im Grunde also: ein europäischer Politiker. Mit seinen innenpolitischen Reformen gelangen ihm Dinge, an denen sich seine Vorgänger allzu oft die Zähne ausbissen, allen voran Obamacare. Die US-Wirtschaft stabilisierte sich unter ihm. Außenpolitisch hat er teils uralte Mauern niedergerissen und Diplomatie hergestellt. Er schonte das Leben amerikanischer Soldaten und setzte auf völkerrechtlich umstrittene unbemannte Dronen - zur gezielten, effektiven Tötung von Terroristen. Sie trafen ganz und gar nicht immer ihr Ziel, sondern auch unschuldige Kinder, Frauen, Männer, die in Obamas Namen ihr Leben verloren. Diese Menschen starben geheim, unbeachtet von der Weltöffentlichkeit. Im Vergleich zu den Kriegen früherer Präsidenten blieben die Opferzahlen aber sehr gering. Bisweilen verzettelte sich der Demokrat auch in Sachen amerikanischer Zurückhaltung - das Gefahrenpotenzial des syrischen Bürgerkrieges beispielsweise unterschätzte er vollkommen, während er den "Arabischen Frühling" zunächst überschätzte. Doch das taten viele, vor allem in Europa. Dass er bis zum Ende seiner zweiten Amtszeit ein starker Präsident blieb, ist seinem eigentlich knallharten Naturell zu verdanken, das weit weniger liberal bzw. progressiv war, als seine Anhänger stets glaubten. So schaffte er es sogar gegen einen republikanischen Kongress einzelne Erfolge zu erzielen - obwohl man dort partout alles blockierte, was Obama vorbrachte. Der NSA-Skandal und die Nicht-Schließung von Guantanamo blieben große Mankel in seiner Bilanz: Nicht, weil er ihr Urheber war, sondern, weil er sie nicht zu verhindern wusste. Seine persönlichste Niederlage aber dürfte gewesen sein, dass sich in seinen acht Jahren die Gräben zwischen schwarz und weiß weiter auftaten. Ein großer Präsident ist er dennoch. Und allein schon durch seine Hautfarbe hat der erste afro-amerikanische Staatschef der USA Geschichte geschrieben. Nach dem Debakel Bush waren die Erwartungen in Obama so gigantisch und unrealistisch, dass es zwangsweise zur Ernüchterung kommen musste. Niemand aber, wirklich niemand, konnte ahnen wie radikal fast die Hälfte der US-Wähler 2016 antworten würde - sei es aus Enttäuschung oder grundlegender Gegnerschaft zu Obama. © dpa

Das, was der Republikaner Donald Trump seit seinem Amtsantritt per Dekret verordnet oder mit demokratischen Mitteln durch den Kongress gebracht hat - spielt das eine Rolle? Darüber müssen sich künftige Historiker-Generationen den Kopf zebrechen. Jedenfalls gehört er den wenigen US-Präsidenten an, die es ohne Mehrheit der Gesamtwählerstimmen ins Weiße Haus schafften. Und noch ist es zu früh, um das Ausmaß der Schäden zu analysieren, die
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Der Postfaktische: Donald John Trump (2017 - 2021)

Das, was der Republikaner Donald Trump seit seinem Amtsantritt per Dekret verordnet oder mit demokratischen Mitteln durch den Kongress gebracht hat - spielt das eine Rolle? Darüber müssen sich künftige Historiker-Generationen den Kopf zebrechen. Jedenfalls gehört er den wenigen US-Präsidenten an, die es ohne Mehrheit der Gesamtwählerstimmen ins Weiße Haus schafften. Und noch ist es zu früh, um das Ausmaß der Schäden zu analysieren, die "The Donald" in der Politik (innen wie außen) angerichtet hat und die er zweifelsohne weiterhin, dann als ehemaliger US-Präsident, anrichten wird. Der Mann und seine "Agenda" (wenn er denn außer Selbstdarstellung überhaupt eine hat) sind unberechenbar, in der US-Geschichte wie auch in der jüngeren Weltgeschichte gibt es für dieses Phänomen keine griffigen Bezugspunkte. Der wirtschaftlich Aufschwung der USA setzte bereits in der zweiten Amtszeit seines Vorgängers ein, aber es war für Trump leicht, diese Entwicklung als ureigenen Verdienst zu etikettieren. Immerhin setzte er dazu noch massive Steuersenkungen für Großkonzerne und Reiche durch und ließ die Aktienmärkte wieder in bester Vor-Finanzkrisen-Manier deregulieren. Eine auf kurzfristige Rekorde angelegte Wirtschaftspolitik, das Anzetteln von Handelskriegen, das Schüren von Angst gegen Immigranten oder gegen Minderheiten im eigenen Land, das Kündigen internationaler Verträge, das Irrlichtern in der Außenpolitik. Das ging am Anfang alles erstaunlich gut. Ohne Corona hätte dieses Kartenhaus wohl ein paar Monate länger gestanden. Mit Corona kippte es schneller. Und welche Folgen hat das für die ganze Welt? Gesagt sei: Noch dreht sich die Erde (Stand: November 2020), noch geht jeden Tag die Sonne unter und wieder auf. Mit Hoffnung sollten einen diese Fakten erfüllen, für die es keine Alternativen gibt: Trump wäre nicht der erste unter seinen 44 Vorgängern, der mitunter zum Leibhaftigen stilisiert wurde. Auch wäre er nicht der Erste, der verspricht, was niemals zu halten ist. Trump ist aber tatsächlich der erste amerikanische Staats- und Regierungschef, der ohne konkreten Anlass die blanke Lüge zum politischen Alltagsinstrument macht, seinen Narzissmus und Rassismus offen zur Schau stellt - und der sich via Twitter selbst zu seinem Pressesprecher gemacht hat. Das ist entweder visionär - als postfaktisches Regieren im post-postmodernen Zeitalter. Oder es ist das, wonach es aussieht: ein weiterer Reinfall in der langen Geschichte der Präsidenten der Vereinigten Staaten vom Amerika. © Michael Reynolds/Archiv (dpa)