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Geplantes Psychiatriegesetz stößt auch im Netz auf Ablehnung

Nutzer kritisieren CSU-Vorschläge - "Wer sich Hilfe holt, wird kriminalisiert" - 17.04.2018 18:43 Uhr

Kritiker befürchten mit den neuen Regelungen eine weitere Stigmatisierung psychisch Kranker. © colourbox.de


Depressive Menschen, so steht es in dem von Markus Söders Kabinett verabschiedeten Entwurf, sollen künftig nach Regeln, die bisher nur für Straftäter galten, in Krankenhäusern festgesetzt werden können – ohne dass eine Straftat vorliegt. "Die Geisteshaltung, die dahintersteckt, weckt übelste Assoziationen" bei einem der Twitter-Kommentatoren, die sich unter #Psychiatriegesetz zu Wort melden.

Ähnlich sieht es ein weiterer Nutzer, der ziemlich zynisch in Richtung CSU fragt, ob er sich "schon einmal ein gelbes 'P' auf die Kleidung nähen" soll. "Ein schlecht gelauntes Montags-Posting zu viel und man sitzt!", meint ein anderer ironisch.

Großen Unmut löst bei zahlreichen Netz-Kommentatoren die vorgesehene Schaffung einer zentralen Unterbringungsdatei aus. Diese hält "dein Therapeut" schlicht für überflüssig. Denn: "Menschen, die an einer Depression leiden und trotz Angst vor Stigmatisierung und Andersbehandlung Hilfe in Anspruch nehmen, gehören auf eine Liste starker Persönlichkeiten – sonst nirgendwohin."

Nutzer befürchten Kriminalisierung

Dass Bayern mit dem Entwurf wieder einmal einen Sonderweg beschreitet, dem kann ein nordbayern.de-Leser nur wenig abgewinnen. Zugleich befürchtet "braumeister", dass auch diejenigen in der Datei landen, die sich freiwillig aufgrund einer Depression stationär behandeln lassen. Im schlimmsten Fall, argumentiert ein anderer, werden sich viele sorgfältig überlegen, ob sie sich wirklich wegen psychischer Probleme in Behandlung begeben, zumindest solange, bis das Gesetz gekippt werde.

Dieses, so "Cyberdoc60" weiter, werde "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vor dem Verfassungsgericht keinen Bestand haben". Vor einer Kriminalisierung von Menschen, die sich Hilfe holen, warnt "deuxcvsic" via Twitter. Nebenbei, ergänzt ein anderer, werde das zarte Pflänzchen "'offener Umgang mit Depressionen' brutal entwurzelt".

Pläne werden Betroffenen "nicht gerecht"

Für Unverständnis sorgen die Gesetzespläne zudem, weil die zugrundeliegende Einschätzung vielen Betroffenen nicht gerecht werde. Wenn überhaupt sei Selbstgefährdung ein Problem. Manche flüchten sich daher in den Sarkasmus: "Wie ich dank der Depression tagelang im Bett liege und die Wohnung kaum verlassen kann, das kann man durchaus als gefährlich einstufen." Manchmal erschrecke sogar der Pizzabote "bei meinem Anblick" ein bisschen.

Etwas anders klingt das bei einem weiteren nordbayern.de-Leser, der durchaus Handlungsbedarf bei der "Hilfe für die Kranken" sieht, zugleich aber aus Angehörigensicht fordert: "Lasst nicht die aus den Augen, die unter den Kranken, die auch Täter sind, zu leiden haben." 

Kirsten Waltert

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