ICE-Werk in Nürnberg: Naturschützer laufen Sturm gegen Mega-Projekt

5.10.2020, 18:37 Uhr
Der ICE ist das Schmuckstück der Deutschen Bahn.

Der ICE ist das Schmuckstück der Deutschen Bahn. © Horst Linke

Die Deutsche Bahn baut ein neues ICE-Instandhaltungswerk in Nürnberg. Hierfür werden 400 Millionen Euro investiert. Die Inbetriebnahme ist für 2028 geplant. Das neue Werk soll 450 Arbeitsplätze schaffen und laut DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla klimaneutral betrieben und zu einem der modernsten Instandhaltungswerke Europas zählen.


Neues ICE-Werk in Nürnberg: Weitere Details bekannt


Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (CSU) begrüßte die Entscheidung. Dies sei "ein hervorragender Tag für Nürnberg". Die Stadt festige sich mit diesem vierten DB-Werk als wichtiger Bahn-Standort und zentraler Schienenknotenpunkt. Damit würde auch ein entscheidender Beitrag zur Verkehrswende geleistet, wie auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und seine bayerische Amtskollegin Kerstin Schreyer erklärten.

Pofalla sagte, dass alle notwendigen Maßnahmen in enger Absprache mit dem Naturschutz und unter Beteiligung der Bürger erfolgen sollen. Der genaue Standort wird laut DB in den kommenden Monaten zusammen mit den Genehmigungsbehörden festgelegt.

Favorisiert wird im Vorfeld eine Fläche nahe der ICE-Gleise im Nürnberger Stadtteil Fischbach. Dort müssten allerdings mehrere Hektar Reichswald gerodet werden. Als Ausgleich kündigte Schreyer an, 300 Hektar Staatsforsten in Naturwald umzuwidmen.

BN: Fischbach ist kein geeigneter Standort

Der Bund Naturschutz kündigte bereits Widerstand für den Fall an, dass an dem Standort bei Fischbach festgehalten wird. Die Naturschützer hören solche Botschaften grundsätzlich gerne. "Ich will, dass die Bahn vorankommt“, sagt Tom Konopka als BN-Regionalreferent für Mittelfranken. Auch der Bedarf für ein zusätzliches ICE-Ausbesserungswerk steht für ihn außer Frage. "Aber wir müssen schauen, wo es hingesetzt werden kann, ohne Schaden anzurichten.“

Fischbach sei auf keinen Fall ein geeigneter Standort. Gegen eine solche Wahl "werden wir vorgehen". Im Raum stünde schließlich eine Rodung des Bannwalds, der an dem Standort auch Vogelschutzgebiet sei. Der gewachsene Wald müsse unbedingt erhalten bleiben, er sei in keinem Fall durch die Umwidmung von Staatsforst in Naturwald aufzuwiegen. Eine weitere Zerschneidung des Nürnberger Reichswalds dürfe es nicht geben. "Dabei können wir uns auch auf eine waldfreundliche Bevölkerung stützen", so Konopka.

 

 

 

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