Wenig Testangebote

Irrsinn mit Methode: "2G plus" schafft Lockdown durch die Hintertür

26.11.2021, 18:09 Uhr
Aufgrund der 3G-Regelung im öffentlichen Verkehrsmitteln und 2G plus in Kultur- und Freizeiteinrichtungen sind die Test-Kapazitäten knapp. 

© Boris Roessler, dpa Aufgrund der 3G-Regelung im öffentlichen Verkehrsmitteln und 2G plus in Kultur- und Freizeiteinrichtungen sind die Test-Kapazitäten knapp. 

Es hat nicht lange gedauert bis "2G plus" zu massivem Ärger geführt hat. Wenn sich Geimpfte und nachweislich Genesene trotzdem noch einen von unabhängiger Seite bestätigten negativen Corona-Test besorgen müssen, um Sport zu treiben, eine Seilbahn zu benutzen oder ins Fitnessstudio oder Theater zu gehen, dann sorgt dies für mehr Ärger als fragwürdige Sicherheit durch fehleranfällige Schnelltests. Es steigert auch nicht die Impfbereitschaft, wenn Ungeimpfte sehen, dass sie auch im Falle ihrer Immunisierung trotzdem noch nach einer Teststelle suchen und sich dort womöglich längere Zeit in der Kälte anstellen müssten.

"2G plus" wäre weniger ein Problem, wenn an jeder Ecke Testmöglichkeiten bestünden, bei denen man sich in wenigen Minuten ein entsprechendes Testat abholen kann. Doch das ist oft nicht der Fall und kann auch bei dem jetzt auftretenden massenhaften Anfall organisatorisch gar nicht bewältigt werden. Wegen der umfangreichen Testpflichten, die auch für den Arbeitsplatz und die öffentlichen Verkehrsmittel gelten, sind die Teststellen und Testzentren an Hotspots überlaufen. Zudem häufen sich Nachrichten, dass die Testgarnituren da und dort ausgegangen sind und Lieferschwierigkeiten bestehen. Das wäre kein Wunder und durchaus auch vorhersehbar gewesen.

Es kann also sein, dass die Aktion "2G plus" wie andere nicht zu Ende gedacht wurde, wahrscheinlicher aber ist es, dass mit damit ganz gezielt ein Lockdown durch die Hintertür eingeführt werden soll. Viele Geimpfte verspüren wenig Lust, sich der zusätzlichen Unbequemlichkeiten der Testerei zu unterziehen und verzichten von vornherein auf die entsprechende Aktivität. Das soll bereits deutlich zu spüren sein, wie man aus leeren Fitnessstudios hört. Wenn somit viele Menschen mehr oder weniger frustriert zu Hause bleiben, ist das epidemiologisch durchaus gewünscht. Der "2G plus"-Irrsinn hat also Methode.

Was noch unehrlicher ist: Die vom Hintertür-Lockdown betroffenen Unternehmer müssen nicht automatisch vom Staat entschädigt werden, denn sie werden ja nicht zur Schließung gezwungen. Ehrlicher wäre es, einen richtigen Lockdown zu verhängen, doch den haben die meisten Politiker in gebetsmühlenartigen Wiederholungen ausgeschlossen. Um ihnen Gesichtsverlust zu ersparen, müssen wir uns jetzt mit "2G plus" herumärgern ohne dessen Sinn wirklich einzusehen. Man sollte sich nicht täuschen: Der "richtige" Lockdown kann trotzdem noch kommen.

6 Kommentare