19°

Montag, 06.07.2020

|

zum Thema

Kanzler aus Nürnberg? Söder hätte gute Chancen

Söders "Nein" klingt längst nicht mehr so eindeutig - 06.06.2020 10:51 Uhr

Söder hätte in der Kanzlerfrage gute Chancen gegen seine Konkurrenten, findet NN-Chefredakteur Alexander Jungkunz.

© dpa/Nicolas Armer


Preisfrage: Wen hat Markus Söder wohl mit folgenden beiden Sätzen gemeint? Satz 1 lautet: "Mancher ist in den vergangenen Monaten sehr positiv aufgefallen." Satz 2: "Die Krise zeigt, wem die Deutschen in schwierigen Zeiten vertrauen."

Angesichts aller Umfragen kommen da allenfalls zwei Personen in Frage: Angela Merkel, die in der Corona-Krise ein Popularitäts-Comeback erlebt – und: Söder selbst. Er steht wegen seines Krisenmanagements in den Rankings ganz oben, auch bei der Frage, wer denn der beste Kanzlerkandidat der Unionsparteien sei.


Umfrage: Söder aussichtsreichster Unions-Kanzlerkandidat


Nur hat er bisher stets gesagt, sein Platz sei in Bayern, er strebe die Kanzlerkandidatur nicht an. Doch sein "Nein" klingt inzwischen längst nicht mehr so klar wie noch vor einigen Wochen – siehe seine Sätze oben, die kaum anders verstanden werden können als Empfehlungen in eigener Sache.

Denn alle anderen, die in Frage kommen als Kandidat, sind eben keineswegs, um Söder zu zitieren, "sehr positiv aufgefallen". Armin Laschet nicht, dessen Corona-Kurs eher schlingernd war, Norbert Röttgen auch nicht, von dem viele schon gar nicht mehr wissen, dass auch er CDU-Chef werden will – und auch nicht Friedrich Merz, der nach außen hin ehrgeizigste aller Aspiranten.

Bilderstrecke zum Thema

Schwarzer Ministerpräsident? So bunt mag es Markus Söder

Markus Söder, gebürtiger Nürnberger, ist Ministerpräsident von Bayern. Er inszeniert sich auch mal gerne selbst. Die politische Bühne betritt er schon früh, seit 1983 ist er CSU-Mitglied. Seitdem hat die Welt viele unterschiedliche Gesichter von ihm zu sehen bekommen - und jede Menge schillernde Auftritte.


Natürlich ist momentan alles zur K-Frage Spekulation. Aber langsam nähert sich der Corona-Ausnahmezustand - hoffentlich - seinem Ende, allmählich kehrt die "normale" Politik zurück. Und zu der zählen auch Personaldebatten. Nicht zufällig hat sich gerade jetzt Merz zu Wort gemeldet. Und sein Satz, er sehe Söder nicht als Konkurrenten um die Kanzlerkandidatur, bedeutet exakt das Gegenteil: Da hat einer, der sich lange als Favoriten sah, ziemliche Angst vor einem während der Krise erstarkten Rivalen. Und gerade beim Vergleich Söder-Merz fallen die Defizite des Sauerländers auf: Er hat null Regierungserfahrung, war fast zwei Jahrzehnte draußen aus der aktiven Politik - das sind ganz schlechte Karten in schwierigen Zeiten.

Merkel will nicht mehr

Fest steht nun: Angela Merkel will keine fünfte Amtszeit. "Nein, wirklich nicht", sagte sie am Donnerstag. Sieht Söder ernsthafte Chancen, dann würde ihn, diesen Durch-und-Durch-Machtmenschen, das Amt zweifelsohne reizen. Fest steht: Die SPD laviert noch. Allen Ernstes bringen da manche Fraktionschef Rolf Mützenich ins Gespräch – was viele Wähler erst mal fragen lässt: Rolf wer? Olaf Scholz würde sicher wollen und wäre wohl der einzige Sozialdemokrat mit einem Hauch von Chance.

Im (flüchtigen) Augenblick würde bei der Union an Söder kaum ein Weg vorbeiführen. Wenn er als aktueller Chef der Ministerpräsidentenkonferenz zusammen mit Merkel zur Krise sprach, wirkte er für manche wie ihr natürlicher Nachfolger. Nun, in - so ist zu hoffen - normaleren Zeiten, muss er aber erst noch beweisen, ob er seinen Höhenflug verstetigen kann.

30

30 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Politik