Klimaschutzpartei ÖDP: Neuer Bundeschef kommt aus Nürnberg

4.10.2020, 06:01 Uhr
Der neue Bundesvorsitzende der ÖDP kommt aus Nürnberg.

Der neue Bundesvorsitzende der ÖDP kommt aus Nürnberg. © privat

Herr Rechholz, Sie haben kürzlich gesagt: „Die Zeit ist reif für die ÖDP" - sind Sie reif für den Bundesvorsitz?

Christian Rechholz: Absolut! Sonst wäre ich ja nicht angetreten. Aber eine Überraschung war es dennoch.

Sie hatten nicht mit Ihrer Wahl gerechnet?

Rechholz: Ich habe mich und meine Vorstellung offensichtlich überzeugend präsentiert und bin dankbar für das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird. Ich habe das Gefühl, dass eine Aufbruchstimmung in der Partei herrscht - und dafür stehen auch ich und mein neues Team.


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Wie haben Sie reagiert, als das Ergebnis fest stand?

Rechholz: Die Freude kam später. Zunächst mal konnte ich es gar nicht glauben. Und gleich danach habe ich auch die große Verantwortung gespürt, die nun auf meinen Schultern liegt.

Worum ging es bei Ihrer offensichtlich überzeugenden Rede?

Rechholz: Sinngemäß habe ich uns zu mehr Selbstbewusstsein ermutigt. Meiner Meinung nach hat die ÖDP ein Top-Programm - es fehlt aber noch an den Mitteln, es nach außen zu kommunizieren. So als hätte ein Ingenieur ein starkes Produkt entwickelt; nun muss halt der Vertrieb noch aktiv werden, um es bekannt zu machen.

Hat sich Ihr Leben seit der Wahl von jetzt auf gleich geändert?

Rechholz: Grundlegend geändert nicht, aber es ist natürlich unglaublich viel Neues dazugekommen zum Beruf und meinen sonstigen, etwa sportlichen Ehrenämtern. Toll finde ich die neuen Gestaltungsmöglichkeiten.

Werden Sie ihren Job als Lehrer weiter ausüben?

Rechholz: Ich werde sicherlich schauen müssen, wie sich das alles mit der neuen Aufgabe vereinbaren lässt. Bestimmt werden es wesentlich weniger Stunden, und eventuell werde ich auch meine Ehrenämter als Fußballtrainer oder Schiedsrichter zurück fahren.


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Ihr Wohnort bleibt Nürnberg?

Rechholz: Ja. Von hier aus ist alles ganz gut zu erreichen. Die Geschäftsstelle ist in Würzburg.

Wo sehen Sie Ihre Chancen als Bundesvorsitzender?

Rechholz: Als OB-Kandidat in Nürnberg habe ich mich oft darüber geärgert, dass man uns zu wenig Gehör geschenkt hat. Ich denke - und spüre es auch jetzt schon: Mit dem Bundesvorsitz hat das ein anderes Gewicht bei Verbänden und Medien.

Und werden Sie die Abgrenzung zu den Grünen weiter vorantreiben?

Rechholz: Wir sind die konsequente Klimaschutzpartei. Es gilt, unser Motto: „Wer grüne Politik will, muss Orange wählen" zu vermitteln. Kaum stellt Grün einen Ministerpräsidenten, fangen sie an, den Diesel zu verteidigen und mit den Grünen rückt das Klimaziel von Paris in sehr weite Ferne. Zudem lässt sich die ökologische nicht von der sozialen Frage trennen. Wir grenzen uns aber nicht speziell von den Grünen ab, sondern von allen Parteien. Wir propagieren als Einzige ein Wirtschaftssystem, das dem Gemeinwohl dient und im Einklang mit Mensch und Natur steht.

Vielen ist noch das Bild des Bayerischen Löwen im Kopf, der von einem kleinen Reißnagel gepiekt wird. Soll es in diesem Sinne weitergehen?

Rechholz: Dieser kleine Reißnagel wird größer. Wichtig ist, dass 40 Jahre nach der Gründung der ÖDP unsere Themen endlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Letztes Jahr haben wir nachgelegt mit dem Bienenstachel: Das von uns initiierte Volksbegehren „Rettet die Bienen" hat gezeigt, dass wir ein gutes Gespür für das haben, was viele Menschen überzeugt; deswegen schließen sich uns auch immer mehr Menschen an. Und wir fordern alle auf, die mehr Umwelt- und Artenschutz sowie soziale Gerechtigkeit wollen, bei der ÖDP mitzumachen.

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