Klimawandel: Warum Atomkraft keine Lösung ist

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Erik Stecher

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7.3.2021, 11:57 Uhr
Vor zehn Jahren nahm die Katastrophe ihren Lauf: Blick in den Kontrollraum des Atomreaktors in Fukushima.

© HANDOUT, AFP Vor zehn Jahren nahm die Katastrophe ihren Lauf: Blick in den Kontrollraum des Atomreaktors in Fukushima.

Plötzlich ist sie wieder da, die Sehnsucht nach der vermeintlich sauberen Energie aus dem Reaktor. Der Schrecken von Fukushima ist längst verblasst, wenn nicht gerade ein Jahrestag daran erinnert. Stattdessen rückt die Klimakrise immer stärker in den Fokus – und die Hoffnung auf eine einfache Lösung ohne große Umstellungen. Eine leistungsstarke Technologie ganz ohne Ausstoß von Kohlendioxid wird ohne Not beerdigt? Bloß, weil es in Japan vor zehn Jahren eine Verkettung unglücklicher Umstände gab?

Tschernobyl? Abgehakt.

So verführerisch ist der Gedanke an die CO2-freie Kernenergie, dass selbst manche Klimaaktivisten ins Grübeln kommen. Angst ist ohnehin kein Thema mehr. Niemand spricht heute noch über die unheimliche Zeit nach Tschernobyl. Oder über die Wut in Wackersdorf, als eine geplante Wiederaufbereitungsanlage in der Oberpfalz konservative Landwirte und Rentner zu Rebellen werden ließ. Abgehakt, Geschichten aus dem vorigen Jahrhundert. Und weil in Deutschland kaum noch Kernkraftwerke laufen, liest man selten Meldungen über Störfälle. Dafür viele schlechte Nachrichten vom Klima und von der Energiewende.

Manche stört der Anblick von Windrädern, viele der von Strommasten, und steigende Strompreise regen jeden auf. Zu den stärksten Preistreibern und den größten Ärgernissen der Energiewende gehört die sogenannte EEG-Umlage. Mit dieser Abgabe werden erneuerbare Energien gefördert. Den Ausbau bringt sie jedoch kaum noch voran, stattdessen fließen große Summen in alte Anlagen: 20 Jahre feste Vergütung wurde den Betreibern garantiert. Zu Recht fordern Kritiker mehr Marktwirtschaft.


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So ärgerlich die großen und kleinen Irrwege bei der Energiewende sind: Leicht gerät in Vergessenheit, dass die Ära der Atomkraft von Anfang an eine Geschichte massiver Fehlentwicklungen war. Die Ängste der Bevölkerung wurden von der Politik nicht ernst genommen, die Proteste mit aller Macht niedergerungen. Für die unzähligen Polizeieinsätze hat der Staat viel Geld gezahlt - und der Vertrauensverlust vieler Bürger stellt ebenfalls einen hohen Preis dar. Kosten, die in keiner Bilanz auftauchen.

Unterm Strich sehr teuer

Rechnet man noch die Ausgaben für den aufwändigen Rückbau der Anlagen und die unfassbar lange Lagerung des Abfalls mit ein, ist Kernenergie unterm Strich sehr teuer. Und auch keineswegs sauber angesichts des strahlenden Mülls, über den noch viele nachfolgende Generationen fassungslos den Kopf schütteln werden.

Eine neue Technologie in Betrieb zu nehmen, ohne dass es eine Lösung für deren absehbares Entsorgungsproblem gibt: Das wäre heute gar nicht mehr möglich. Und die Rede ist nicht nur von lästigem Abfall, sondern von Radioaktivität. Sechs Jahrzehnte später gibt es immer noch kein sicheres Endlager für Atommüll. Fortschritt sieht anders aus.

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