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Kommentar: Literatur im Taka-Tuka-Land

Kinderbücher werden politisch korrekt - 11.01.2013 19:02 Uhr

Auch in Großbritannien ist man endlich darauf gekommen, dass eine der beliebtesten Kinder- und Jugendbuchautorinnen, Enid Blyton, brandgefährliche Bücher verfasst hat. „Die fünf Freunde“ zementieren überholte Rollenmuster, weshalb die Jungs jetzt mehr im Haushalt helfen müssen. Sämtliche 600 Bände werden bereinigt: Aus einem Mädchen namens „Bessie“ wird „Beth“, weil Bessie ein Name aus der Kolonialzeit ist.

In Deutschland wurde aus dem Negerkönig in Pippi Langstrumpf der Südseekönig, aus dem Negerlein in „Die kleine Hexe“ das Schornsteinfegerlein. Das soll also politisch korrekt sein: Jemand, der schwarze Haut hat, hat sich dreckig gemacht. Würde er sich waschen, wäre er Teil einer blütenreinen (weißen) Welt.

Warum wird Eltern eigentlich nicht zugetraut, eine mittlerweile zum Glück verpönte Bezeichnung wie „Neger“ zu thematisieren? Ein Kind für die Kraft der Sprache – im Guten wie im Schlechten – zu sensibilisieren?

Statt beispielsweise einen Anhang an derartige Bücher, die vom Geist einer bestimmten Zeit geprägt sind, zu produzieren, wird glattgebügelt und umgeschrieben. Ein eigenes Urteil ist offenbar keinem Leser zuzutrauen. Dafür gibt es Gutmenschen, die wissen, was richtig und was falsch ist.

Mutter und Vater sagt man übrigens auch nicht mehr: es heißt jetzt Elter. Wie auch die deutsche Familienministerin Kristina Schröder ihrem Kind von „das Gott“ erzählt, weil es sonst ein falsches Geschlechterbild mitkriegt.

An sich spielen diese Weltretter Pippi Langstrumpf: „Ich bau mir meine Welt...“ ist schließlich das Motto der kleinen Anarchistin. Was ihnen noch nicht aufgefallen ist: Das ist ebenfalls ein explosives Buch. Das weibliche Elter ist unterrepräsentiert, das männliche erfüllt seine Rolle nur sporadisch und gender-fixiert. Die Haltung des Äffchens ist nicht artgerecht, ebenso wenig darf ein Pferd in die Luft gestemmt werden. Da reicht es nicht, ein paar Wörter auszutauschen, das schreibt man am besten gleich ganz um.

Es bleibt die Frage, wann Goethe, Grass und Sartre dran sind. Man kann die Menschen doch nicht einfach so der Kunst überlassen.

ISABEL STROHSCHEIN

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