Der richtige Weg

Kommentar: Lockdown durch die Hintertür - Österreich macht es vor

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Roland Englisch

Nürnberger Nachrichten

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8.11.2021, 17:07 Uhr
Es hat nur zwei Tage gedauert, schon steht die Krankenhausampel auf Rot.

© Armin Weigel, dpa Es hat nur zwei Tage gedauert, schon steht die Krankenhausampel auf Rot.

Der ganze Irrsinn der Corona-Politik lässt sich in einer simplen Frage und der Antwort darauf festmachen. Ob Friseure nun die Maskenpflicht aufheben dürfen in ihren Betrieben oder nicht, ist in einem Wust von Paragrafen geregelt, angefangen vom "§ 16 Abs. 1 Satz 3 Nr. 2 Halbsatz 2 der 14. BayIfSMV" bis zum "§ 3a Abs. 1 Satz 3 Halbsatz 2 der 14. BayIfSMV" und fünf weiteren Querverweisen dazwischen.

Nach eineinhalb Jahren mit Corona ist das eine Zumutung. Das Werk, das uns schützen soll, verstehen selbst Juristen kaum. Es ist zu kompliziert und voller Ausnahmen. Wo wir einfache Linien bräuchten, denen alle folgen können, verliert es sich im juristischen Dickicht des Klein-Klein.

Zu zögerlich

Schuld daran ist eine Politik, die überraschend zaghaft bleibt. Österreich hat es vorgemacht. Dort gilt flächendeckend 2G. Ausnahmen wie bei uns für Gastronomie, Hotels oder Friseure gibt es nicht. Ergebnis des faktischen Lockdowns für Ungeimpfte: Plötzlich drängen sich die Menschen vor den Impfzentren. Der Schritt hat zumindest die Unentschlossenen unter ihnen zu einem Entschluss bewegt. Alle anderen wird auch Österreich nicht erreichen.

Die Linie unserer Nachbarn ist weit konsequenter als das Gestöpsel bei uns. Und sie ist richtig. Angesichts der Unschärfe der Tests ist es seltsam, dass Ungeimpfte beim Friseur keine Maske mehr brauchen, ausnahmslos. Und es bleibt ein Risiko, dass Gleiches für die Gastronomie gilt bei den aktuellen Infektionszahlen.

Geduld schwindet

Die Vermutung liegt nahe, dass die Politik hier den Betreibern einerseits entgegenkommen und die Ungeimpften andererseits nicht zu sehr verprellen wollte. Allerdings sollten die sich nicht täuschen. Die Geduld der Politiker schwindet, ebenso das Verständnis der Bevölkerung. Eine deutliche Mehrheit ist für schärfere 2G-Regeln, für klare Beschränkungen, die zwangsläufig die Ungeimpften treffen werden. Söders Vorstoß für eine Impfpflicht bei einzelnen Berufsgruppen ist ein erster Schritt. Dass sich Menschen noch immer nicht gegen das Virus impfen und damit jene Verletzlichen ungeschützt lassen, die ihnen anvertraut sind, ist nicht nur nicht nachvollziehbar. Es ist fahrlässig.

Weltärztebundpräsident Frank Montgomery spricht von einer "Tyrannei der Ungeimpften". Das ist ein weitgehender Begriff, der allenfalls auf den harten Kern der Corona-Leugner und Impfgegner zutrifft. Doch alle anderen müssen sich fragen lassen, wie gut begründet ihre Abwehrhaltung tatsächlich ist, wie stabil die Faktenlage, auf die sie sich stützen. Und wie sehr sie sich von ihrem Bauchgefühl leiten lassen und nicht von ihrem Verstand.

Denn eines bleibt: Mediziner, Forscher, Wissenschaftler weltweit haben jeden Aspekt dieser Pandemie und der Impfstoffe durchleuchtet. Es gibt keine nebulösen dunklen Flecken mehr. Dafür aber die Gewissheit, dass nur das Impfen vor dem Virus schützt.

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