Kommunalwahl 2020: Diese Kandidaten stechen heraus

16.2.2020, 06:00 Uhr
Eigentlich wollte er OB von Bamberg werden, jetzt steht sein Name nur auf der Stadtratsliste: Stephan Kettner (Bamberger Linke Liste) darf nicht zur Wahl des Stadtoberhaupts antreten, weil er Österreicher ist. "Ich war relativ optimistisch, dass ich die Staatsbürgerschaft kriege", sagt der 49-Jährige, der seit seiner Geburt in Deutschland lebt. Doch sein Antrag scheiterte bei der Prüfung durch den Verfassungsschutz – denn er ist Mitglied der "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten", die als linksextremistisch beeinflusste Organisation eingestuft wird. Es bliebe nur noch eine langwierige Anhörung, doch die verweigert der Sozialpädagoge. "Ich finde es empörend, dass ich die deutsche Staatsangehörigkeit nicht bekomme, weil ich Gedenkarbeit gegen Nazismus unterstütze."
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Stephan Kettner

© Stephan Kettner/dpa

In Burghausen hat die AfD eine Überraschungskandidatin aufgestellt. Die Transsexuelle Sybill Constance de Buer, gerade erst aus Bremen in die oberbayerische Stadt gezogen, bewirbt sich um die Nachfolge von Bürgermeister Hans Steindl (SPD). Die 59 Jahre alte gelernte Köchin nannte im Portal "innsalzach24" als ihr größtes kommunalpolitisches Ziel, das örtliche Krankenhaus zu erhalten. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur ergänzte sie: Verzicht auf Parkgebühren und ein neues Studentenheim. Ob sie die Wähler davon überzeugen kann, dass sie in nur vier Monaten - seit Dezember hat sie ihren Wohnsitz in Burghausen – die örtlichen Belange gut kennt, um im Rathaus zu sitzen? "Das ist jetzt meine Aufgabe." Sie rechne mit acht bis zehn Prozent. "Alles, was mehr als zehn Prozent ist, ist für mich ein Ritterschlag."
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Sybill Constance De Buer

© Sybill Constance De Buer/dpa

Ozan Iyibas ist der erste muslimische Bürgermeisterkandidat der CSU – in Neufahrn bei Freising (Oberbayern). Der 37-Jährige ist seit 2007 Parteimitglied und seit 2015 Vorsitzender des Arbeitskreises Migration und Integration der CSU auf Landesebene. "Ozan Iyibas ist ein Bilderbuchbayer und gibt mit seiner Geschichte auch anderen ein Vorbild", lobt CSU-Generalsekretär Markus Blume. Zuvor hatte der CSU-Ortsverband Wallerstein (Kreis Donau-Ries) für Schlagzeilen gesorgt, weil dort ein möglicher muslimischer CSU-Bürgermeisterkandidat wegen Widerstands an der Parteibasis aufgab. Iyibas gehört wie seine Eltern den Aleviten an. Die Konfession wird regelmäßig, wenn auch nicht immer, dem Islam zugerechnet.
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Ozan Iyibas

© Lino Mirgeler/dpa

Mönche in die Kommunalpolitik: Mit sechs Kandidaten tritt die Abtei Münsterschwarzach bei der Kommunalwahl im März an. Das hat gute Tradition: Bereits in der Weimarer Republik hatten die Mönche regelmäßig politische Verantwortung übernommen.
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Abtei Münsterschwarzach

© Martin Müller

Als Marianne Krohnen Bürgermeisterin im unterfränkischen Geiselbach wurde, spielten so manche der heutigen Kommunalwahlkandidaten in Bayern noch in Krabbelstuben. Seit 1984 steht die 68-Jährige an der Spitze der Gemeinde im Landkreis Aschaffenburg. Damit ist die dreifache Mutter und fünffache Oma die dienstälteste Bürgermeisterin in Bayern. "Zuerst habe ich gedacht: Hoffentlich überstehst du die ersten sechs Jahre", erzählt die CSU-Politikerin. Heuer will sie ihre 7. Amtszeit antreten – und wieder ehrenamtlich für die 2500-Einwohner-Gemeinde arbeiten. Länger im Amt ist bayernweit kaum jemand: Hermann Anselstetter aus Wirsberg (Landkreis Kulmbach) darf sich dienstältester Bürgermeister nennen. Schließlich wurde er 1978 erstmals gewählt.
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Marianne Krohnen

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In Neu-Ulm will die ehemalige Junge-Union-Landesvorsitzende Katrin Albsteiger Rathauschefin und damit Nachfolgerin des CSU-OB Gerold Noerenberg werden, der nicht mehr kandidiert. Albsteiger galt einst als weibliches Nachwuchstalent der Unionspartei. 2013 musste sie nach internem Druck den Posten als bayerische JU-Chefin räumen, wurde später aber stellvertretende JU-Bundesvorsitzende. Für eine Legislaturperiode saß Albsteiger im Bundestag, wurde 2017 aber nicht wiedergewählt. Inzwischen gehört die 36-Jährige dem CSU-Vorstand als Schatzmeisterin an.
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Katrin Albsteiger

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Er trat für die Legalisierung von Marihuana ein und legte sich immer wieder mit Vertretern der Staatsmacht an – besonders wenn sie der CSU angehörten. In Bad Reichenhall bewirbt sich der für seine politik- und gesellschaftskritischen Texte bekannte Liedermacher Hans Söllner für das Amt des Oberbürgermeisters. "Ich mache was, weil ich glaube, dass ich was ändern kann, und weil ich glaube, dass man mit den Leuten anders auch arbeiten kann als über Gesetze, über Verpflichtungen", begründet der 64-Jährige sein Interesse.
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Hans Söllner

© Uwe Lein/dpa

Hans Reichhart (CSU) hat vor wenigen Wochen seinen Posten als Bauminister im Kabinett von Markus Söder aufgegeben, um im Landkreis Günzburg Landrat zu werden. Der 37-Jährige will den langjährigen CSU-Landrat Hubert Hafner ablösen, der aus Altersgründen nicht mehr antritt. Reichhart hat in Passau Jura studiert und danach einige Jahre als Richter und Staatsanwalt gearbeitet, ehe er 2013 Landtagsabgeordneter und Landesvorsitzender der Jungen Union in Bayern wurde.
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Hans Reichhart

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Wie bitte, der alte Strauß tritt noch mal an? Bei der Kommunalwahl? Nein, nein, natürlich nicht. Tatsächlich steht am 15. März 2020 ein Franz Josef Strauß auf dem Wahlzettel. Dabei handelt es sich aber nicht um den früheren bayerischen Ministerpräsidenten. Sondern um...
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Franz Josef Strauß

© Hagen Gerullis

... um diesen Mann hier: Franz Josef Strauß, 33 Jahre, kandidiert auf der Liste der CSU München-Land für den Kreistag. Mit seinem Namensvetter ist er nicht verwandt. Zwar hat er nur den letzten Listenplatz bekommen, ist aber zuversichtlich: "Das Beste kommt zum Schluss. Der letzte Platz ist richtig begehrt: Die meisten Wähler schauen auf die vordersten Plätze – und auf die hintersten. Die Chancen stehen also eigentlich gut." Außerdem hofft der Angestellte der Gemeinde Aying, der in seinem Heimatort auch für den Gemeindetag kandidiert, mit seinem Namen auf den Promi-Bonus: "Bei dem Supernamen – es ist ja ein personenbezogene Wahl."
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Franz Josef Strauß

© Franz Josef Strauß/dpa

Seit 2013 ist Alfons Hörmann Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Nun will der 59-Jährige zusätzlich Landrat im Oberallgäu werden. Im Allgäu war der Kemptener bereits in der örtlichen Landjugend aktiv, trat später in seiner Wahlheimat Sulzberg für den Gemeinderat an, wurde Zweiter Bürgermeister, agierte im Oberallgäuer Kreistag. Aufgrund seiner Funktionärslaufbahn gilt Hörmann als bestens vernetzt, auch international. Der CSU-Politiker ist Vorstandsvorsitzender des Bauteileherstellers Schöck. Als Landrat muss er diesen Posten niederlegen. DOSB-Boss möchte er bleiben - wegen möglicher Interessenskonflikte ist das aber umstritten.
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Alfons Hörmann

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