Flüchtlinge, Lebensmittel, Gas

Krieg in der Ukraine: Diese Auswirkungen könnten auf Deutschland zukommen

Eva Orttenburger
Eva Orttenburger

Online-Redaktion

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24.2.2022, 13:10 Uhr
Nach Einschätzung der EU-Kommission ist die Gasversorgung trotz des eskalierenden Konflikts mit Russland vorerst sicher.

© Dmitry Lovetsky, dpa Nach Einschätzung der EU-Kommission ist die Gasversorgung trotz des eskalierenden Konflikts mit Russland vorerst sicher.

Der Konflikt wird vor allem wirtschaftliche Auswirkungen in Deutschland haben. Doch auch die humanitäre Lage spielt eine große Rolle. Zivilisten, die aus der Ukraine flüchten, müssten in den Nachbarländern Polen, Slowakei, Rumänien und Ungarn vorerst Unterschlupf finden. Ein Teil der Menschen könnte jedoch auch weiter nach Deutschland reisen, um in der Bundesrepublik Schutz zu finden.

Fluchtbewegung nach Deutschland

Expertinnen und Experten rechnen mit einer hohen Fluchtbewegung innerhalb der EU. Rund eine Million Ukrainer könnte Zuflucht suchen. Das teilte die EU-Kommission in der vergangenen Woche mit. Bundesinnenministerin Nancy Faeser versprach bereits auf Twitter ihre Hilfe für Flüchtlinge. Sie schrieb: "Sollte es Fluchtbewegungen in unsere Nachbarländer geben, werden wir unsere Nachbarn stark unterstützen, insbesondere in der humanitären Hilfe."

Aktienkurse rutschen ab

Weltweit rutschen die Aktienkurse ab, meist um drei Prozent, zum Teil auch deutlich stärker. Der Deutsche Aktienindex Dax setzt seine Talfahrt fort, rutscht am Donnerstag unter die Marke von 14.000 Punkten. Bis zum Mittag liegt das Minus bei gut 4,5 Prozent. Das ist der tiefste Stand seit Ende Februar 2021.

Doch was bedeutet das für Anlegerinnen und Anleger? Experten raten Mittel- und langfristig orientierten Privatanlegern zur Zurückhaltung. "Vorsichtig agieren, Ruhe bewahren. Panik ist immer ein schlechter Ratgeber", sagt Joachim Schallmayer, Aktienstratege der DekaBank, unserer Zeitung. Auch Besitzerinnen und Besitzer von Fondsanteilen und ETFs sollten Ruhe bewahren und noch nicht verkaufen, so der Experte. Die nächsten Wochen könnten zwar ungemütlich werden. Mittelfristig rechnen Beobachter aber wieder mit einer Erholung.

Gas wird noch teurer

Zudem stoppte am Dienstag die Bundesregierung das Genehmigungsverfahren für die russisch-deutsche Erdgasleitung Nord Stream 2 bis auf Weiteres. Aktuell fließt noch kein Gas durch die Pipeline. Durch den Stopp wird die Liefermenge nach Europa also nicht reduziert. Jedoch könnte Russland die Erdgas-Lieferung durch andere Pipelines drosseln.

Da Deutschland etwa die Hälfte seines Erdgases aus Russland bezieht, würde eine Reduzierung der Menge zu höheren Kosten bei deutschen Verbraucherinnen und Verbrauchern führen. Ob Russland diesen Schritt wirklich geht, bleibt abzuwarten, denn das Land profitiert wirtschaftlich enorm vom Gasexport. Unter einer Drosselung der Liefermenge würde Russland selbst wirtschaftlich leiden.

Nach Einschätzung der EU-Kommission sei die Gasversorgung trotz des eskalierenden Konflikts mit Russland vorerst sicher. Die Speicher seien derzeit zu etwa 30 Prozent gefüllt. Zudem gibt es den Angaben zufolge mehrere Länder, die in der Lage wären, ihre Flüssiggaslieferungen in die EU zu erhöhen.

Trotzdem ist Gas derzeit mehr als 60 Prozent teurer als noch vor einem Jahr. Da der Gaspreis außerdem mit dem Ölpreis zusammenhängt, könnte ein Krieg auch zahlreiche Autofahrer in Deutschland treffen. Die Kosten beim Tanken könnten nochmal anziehen, nachdem sie bereits in den vergangenen Monaten ein hohes Niveau erreicht haben.

Preise für Brot und Nudeln steigen

Ein weiterer Exportschlager aus der Ukraine und Russland ist Weizen. Die beiden Länder verkaufen mehr als ein Viertel des weltweiten Bedarfs an andere Länder. Durch den Krieg könnte Weizen knapp werden und dadurch die Preise für weizenhaltige Lebensmittel, beispielsweise Nudeln oder Brot, in Deutschland steigen. Am Donnerstag - dem Tag der Kriegserklärung - schoss der Weizenpreis um mehr als 16 Prozent auf 374 Dollar pro Tonne in die Höhe.

Dieser Artikel wurde am 24.02.2022 um 13.10 Uhr aktualisiert.

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