Mutation bereitet Experten Sorgen

Lauterbach zu Omikron-Variante: Auch doppelt Geimpfte und Genesene sind gefährdet

7.12.2021, 15:12 Uhr
Lauterbach liest die Omikron-Studien nach eigener Aussage derzeit im Stundentakt.

Lauterbach liest die Omikron-Studien nach eigener Aussage derzeit im Stundentakt. © Jean MW via www.imago-images.de, imago images/Future Image

Ein griechischer Buchstabe sorgt derzeit für Besorgnis in der Wissenschaft und Politik: Omikron. Es ist die Bezeichnung einer neuen Mutation, die zuerst in Afrika bei Infektionen mit dem Coronavirus festgestellt wurde. Inzwischen setzen sich nahezu alle Spezialisten mit der neuen Variante auseinander. Regierungen reagierten umgehend auf die neue Bedrohung, erließen strengere Gesetze, Flugverbote und Regelungen, um einer Ausbreitung so gut wie möglich vorzubeugen. Doch ist die Panik übertrieben? Ist die Mutation wirklich so gefährlich, wie zunächst angenommen? Wir haben fünf Stimmen von Experten auf diesem Gebiet gesammelt.

Karl Lauterbach

Der designierte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach richtete indes bei Anne Will eine deutliche Warnung an die Bevölkerung. "Wir müssen damit rechnen, dass diejenigen, die bereits geimpft sind, gefährdet sind, sicher aber die, die genesen sind oder nur einfach geimpft sind, oder bei denen die Impfung länger zurückliegt", sagte er dort. Lauterbach liest die Omikron-Studien nach eigener Aussage derzeit im Stundentakt. "In Israel und UK setzt sich die Variante schneller durch, als wir gehofft hatten," betonte er. "Wir müssen so schnell wie möglich boostern, denn die Möglichkeit, dass sich Omikron beim Booster durchsetzt, ist sehr gering. Also: schnellstmöglich boostern, um im Winter noch einen Lockdown zu vermeiden." Dass so ein Lockdown tatsächlich kommt, hält er aber nach aktuellem Stand noch für eher unwahrscheinlich.

Wolfgang Preiser

Wolfgang Preiser von der Stellenbosch University in der Nähe von Kapstadt ist Mitglied des Forschungskonsortiums, das die Variante entdeckt hat. Er geht derzeit (Stand 6. Dezember 2021) davon aus, dass Omikron leichter übertragbar ist als Delta. Dass die Mutation zu milderen Krankheitsverläufen führt, wie es in den letzten Tagen immer mal wieder zu lesen war, kann er bislang nicht bestätigen. Dafür konnte Omikron noch nicht lange genug untersucht werden.

Immerhin konnte er dazu, ob die Mutation gefährlicher für Kinder ist, eine Aussage treffen: "Zwar gibt es unter Kindern in Südafrika gerade viele Hospitalisierungen, allerdings sind sie auch so gut wie nicht geimpft", sagte er der Deutschen Presseagentur. Fest steht für ihn allerdings: Omikron ist älter als gedacht. "Nach derzeitigem Kenntnisstand hat sich eine frühe Form von Omikron schon vor der Entstehung von Alpha und Delta als eigener Virustyp entwickelt und sich dann vermutlich über viele Monate weiterentwickelt, ohne aufzufallen."

Frank Montgomery

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, warnte hingegen jüngst vor der Entstehung gefährlicher Varianten des Coronavirus. "Meine große Sorge ist, dass es zu einer Variante kommen könnte, die so infektiös ist wie Delta und so gefährlich wie Ebola", sagte er vor einer Woche den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Dabei bezog er sich vor allem auf die neue südafrikanische Variante B.1.1.529: "Omikron ist ein gutes Beispiel dafür, dass man dem Virus keine Chance zur Mutation geben darf." Um weitere Varianten zu verhindern, sieht Montgomery aktuell nur eine Möglichkeit: Es wird vermutlich nötig sein, die Welt noch jahrelang zu impfen.

Christian Drosten

Auch der Berliner Virologe Christian Drosten zeigte sich überrascht über die neue Variante und ihre Struktur. So viele Mutationen im Coronavirus seien ungewöhnlich: "Wir sollten das jetzt lieber ernst nehmen", warnte er. Zur Symptomschwere von Omikron könne man zwar aktuell noch keine Aussagen treffen – dementsprechend schwer sei es aber auch, bisherige mRNA-Impfstoffe entsprechend an die neuen Mutationen anzupassen. "Keiner kann im Moment sagen, was da auf uns zukommt", sagte Drosten am Sonntag im ZDF-"heute Journal".

"Das Einzige, was man wirklich mit Sicherheit sagen kann, es ist besser, wenn man geimpft ist. Es ist noch besser, wenn man geboostert ist". Der Experte zeigte sich besorgt darüber, dass man es mit der Omikron-Variante mit einer sogenannten "Immunescape-Variante" zu tun haben könnte. Das würde bedeuten, Omikron könnte eine gegen andere Sars-CoV-2-Varianten aufgebaute Immunabwehr umgehen.

Anthony Fauci

Weniger düster zeichnet hingegen der US-Experte Anthony Fauci die Corona-Zukunft mit Omikron. Ihm zufolge deuten die bisherigen Erkenntnisse nicht auf schwerere Krankheitsverläufe hin. "Bis jetzt sind die Signale etwas ermutigend", sagte der oberste Corona-Berater von Präsident Joe Biden dem Fernsehsender CNN. Dennoch müsse man beachten, dass die Variante aber auch einen "Übertragungsvorteil" habe und sich in Südafrika schnell ausbreite. Für abschließende Einschätzungen sei es aber noch zu früh, betonte Fauci. Bisher ist bekannt, dass Omikron im Vergleich zum bisher gängigen Coronavirus 32 Mutationen aufweist, sodass eine höhere Übertragbarkeit befürchtet wird. Unklar ist insbesondere, wie gut die Impfung gegen diese neue Virusvariante schützt.