LMU-Statistiker: "Infektionen gehen nicht von Kindern aus"

22.3.2021, 17:07 Uhr
Ein Bild aus vergangenen Tagen. Aktuell herrscht in Nürnbergs Kindergärten wieder Notbetreuung. 

Ein Bild aus vergangenen Tagen. Aktuell herrscht in Nürnbergs Kindergärten wieder Notbetreuung.  © Bernd Thissen/dpa

"Virenschleudern", "Treiber" oder völlig unbeteiligt am Infektionsgeschehen? Die Frage zur Rolle von Kindern in der Corona-Pandemie wird vielfach diskutiert. Fest steht: Für Kinder selbst ist die Wahrscheinlichkeit, schwer an Covid zu erkranken, verschwindend gering. Dadurch, dass sie seltener Symptome zeigen, können sie das Virus aber unerkannt weitergeben. Doch welchen Anteil an der Gesamt-Inzidenz hat diese Art der Übertragung wirklich?

"Kinder sind keine treibende Kraft im Infektionsgeschehen", sagt der Statistiker Göran Kauermann. Gemeinsam mit Kollegen der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München analysiert und interpretiert er regelmäßig Zahlen zur Corona-Pandemie.


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Für ihre aktuelle Analyse haben die Statistiker um Kauermann die Inzidenzen in verschiedenen Altersgruppen wochenweise miteinander verglichen, und dabei festgestellt: Steigt die Inzidenz bei den Kindern und Jugendlichen, führt das nicht dazu, dass sie zeitversetzt auch in anderen Altersgruppen steigt. Ganz anders sieht es umgekehrt aus. Sobald die Infektionen bei den Älteren in die Höhe schnellen, steigen sie nur wenig später auch bei den Kindern.

Dieses Bild ergibt sich unabhängig davon, ob man die Lupe auf die Zeit ansetzt, in der Schulen und Kindergärten geschlossen waren, oder die Zeit davor oder danach.

"Die Daten zeigen relativ eindeutig: Die treibende Kraft im Infektionsgeschehen sind nicht die Kinder, sondern die arbeitende Bevölkerung zwischen 21 und 65", sagt Kauermann. "Die Älteren infizieren eher die Jüngeren."

Den kompletten Bericht zum Nachlesen finden Sie hier.

Die stark gestiegene Inzidenz der jüngeren Altersgruppen in den letzten Wochen steht dazu nur scheinbar im Widerspruch, denn auch die Zahl der Tests hat deutlich zugenommen. Betrachtet man den Verlauf der Positivrate - also das Verhältnis von positiven Tests zur Zahl der durchgeführten Tests - in den Altersgruppen 0-14, so ist diese in den letzten Wochen sogar gefallen.