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"Mebis nicht zerreden": Lehrkräfte verteidigen Lernplattform

Kritik am Kultusministerium wegen Serverproblemen - 14.01.2021 05:48 Uhr

Auch beim Start des Distanzunterrichts am Montag machte Mebis bei manchen Schülern Schwierigkeiten. Abgesehen von zeitweisen Serverproblemen sei es aber eigentlich eine ausgereifte Plattform.

08.01.2021 © Harald Sippel


„Da steckt so viel Potenzial drin. Mebis ist für mich ein Tor in die Welt, quasi das Internet der Schule“, schwärmt zum Beispiel Anne-Katrin Weiß, die sich am Ohm-Gymnasium in Erlangen auch als Systembetreuerin und Mebis-Koordinatorin engagiert.


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Am letzten Tag vor den Weihnachtsferien etwa gab es für einen Teil der Schüler einen spielerischen Abschied vom Unterrichtsalltag. In einem digitalen „Escape Room“ mussten sie das vergessene Passwort für ihren Hotelsafe rekonstruieren, um eine virtuelle Reise fortsetzen zu können. Dafür mussten die Jugendlichen verschiedene Fragen beantworten und mehrere Rätsel knacken. Nach Ansicht von Anne-Katrin Weiß ein gutes Beispiel dafür, was mit Mebis alles möglich ist.

Die aktuelle Debatte um die Vor- und Nachteile der verschiedenen Unterrichtsprogramme empfindet sie deshalb als eine Art „Kulturkampf“. „Das hat sich ein bisschen zu einer ideologischen Diskussion entwickelt, bei der sich das Team Mebis und das Team MS Teams gegenüberstehen“, erklärt Weiß.

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Programme sollten sich ergänzen

Dabei ist MS Teams im Gegensatz zu der von Fachleuten des bayerischen Kultusministeriums entwickelten Mebis-Plattform das Produkt eines Privatunternehmens, nämlich von Microsoft, und wurde ursprünglich für Chats und Besprechungen in Unternehmen entwickelt. Auch im aktuell von der Corona-Pandemie dominierten Schulalltag leistet es gute Dienste, doch eigentlich ist es nur ein Videokonferenz- und Teamarbeits-Tool.


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Darüber hinaus gibt es große datenschutzrechtliche Bedenken. Das staatliche Schulamt in Brandenburg zum Beispiel hat deswegen gerade die Nutzung von Microsoft-Produkten im Unterricht untersagt.

Anne-Katrin Weiß plädiert denn auch für einen Distanzunterricht, bei dem sich die verschiedenen Programme ergänzen. Ausschließlich diese oder jene Software-Lösung zu nutzen, werde den Anforderungen eines zeitgemäßen Unterrichts nicht gerecht. Es ist quasi wie bei einem Schreiner, der bei seiner Arbeit weder auf eine Säge noch auf einen Hobel verzichten kann.

Kein Verständnis für die Vorbehalte

Auch Christine Feilner (Name geändert) kann die Vorbehalte einzelner Kolleginnen und Kollegen gegenüber Mebis nicht nachvollziehen. „Es ist wie bei so vielen anderen Dingen. Je besser man sich einarbeitet, desto gewinnbringender ist es für die Schüler und auch für einen selber“, sagt die junge Pädagogin, die an einer so genannten Medienreferenzschule in der Metropolregion unterrichtet. Unter anderem in speziellen Laptop-Klassen, bei denen der Computer auf dem Tisch auch im Präsenzunterricht zum ganz normalen Unterrichtsalltag gehört.

Wenn man solche Lernplattformen nur dafür nutzt, um ein paar Arbeitsblätter hochzuladen, dann braucht man nach Feilners Ansicht dafür nicht eine Plattform wie Mebis – „das kann ich auch mit Hilfe einer Cloud machen.“ Wenn man jedoch als Lehrkraft den speziellen Anforderungen des Distanzunterrichts tatsächlich gerecht werden wolle, müsse man auch während der Corona-Pandemie das unterschiedliche Lerntempo der Schüler berücksichtigen.

Lehrkräfte teilen ihr Material

„Das kann ich zum Beispiel machen, indem ich individuell zusätzliche Hilfen und Übungen freischalte, wenn ein einzelner Schüler den Lehrstoff noch nicht ganz verstanden hat“, erzählt Feilner. Sie bindet auch selbst gestaltete Übungen ein, bei denn die Schülerinnen und Schüler gleich automatisch Rückmeldung bekommen. Bei anderen Übungen gibt sie individuell Rückmeldung.

Ab und zu nutzt die junge Pädagogin auch teachSHARE in Mebis, in das viele Lehrkräfte fertiges Unterrichtsmaterial zum Teilen einstellen. „Ich fände es wirklich schade, wenn Mebis wegen irgendwelcher zeitweisen Serverprobleme zerredet wird. Da haben sich inzwischen so viele Kolleginnen und Kollegen engagiert.“

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Auch Anne-Katrin Weiß profitiert gern von der Schwarmintelligenz und engagiert sich unter anderem bei #Twitterlehrerzimmer, einer Kommunikationsplattform, auf der digital-affine Lehrkräfte über die Transformation der Schule diskutieren und sich gegenseitig mit neuen Ideen und Konzepten für den Schulunterricht im 21.Jahrhundert versorgen. „Das ist die beste Lehrerfortbildung, die es gibt. Jeder ist dort bereit, sein Wissen zu teilen, und es sind so viele tolle Dinge dort entstanden“, erzählt die Erlanger Pädagogin. Sie ist sich sicher, dass der Schulalltag ganz anders gedacht werden muss – auch für die Zeit nach der Corona-Pandemie.


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André Ammer Region und Bayern E-Mail

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