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Politischer Aschermittwoch: Der Imagewechsel des Markus Söder

Union fürchtet die Grünen als ernstzunehmende Kraft - 26.02.2020 18:36 Uhr

Söders Rede beim politischen Aschermittwoch spiegelt vor allem eine neugewonnene Milde wider. Einige Seitenhiebe konnte aber auch er sich nicht verkneifen. © Peter Kneffel, dpa


Es hat sich abgezeichnet. Der neue Markus Söder, der staatstragende, landesväterliche, mit 53 früh altersmilde gewordene Nürnberger zieht seinen Imagewechsel konsequent durch. In den Talkshow sitzt er plötzlich aufrecht, hört zu, wartet geduldig ab. Und so bekommt auch der politische Aschermittwoch in Passau ein neues Gesicht.

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In Zeiten des Politikerbashings ist das kein schlechter Ansatz. Der politische Aschermittwoch ist seit Jahren, vielleicht schon seit Jahrzehnten, ein Anachronismus. Nicht nur, weil hier einmal im Jahr jene aufeinander einprügeln, die am nächsten Tag wieder miteinander nicht nur reden, sondern regieren müssen. Die 364 Tage im Jahr vielleicht nicht immer einer Meinung sind, die sich aber respektieren und schätzen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Warum das für einen Tag nicht gelten soll, verstehen wohl nur noch die ganz harten Aschermittwochsfans.

Politiker müssen zusammenstehen

Klar. Der politische Aschermittwoch ist Folklore, bierselig, laut, manchmal auch grob. Doch in Zeiten, in denen eine AFD das politische Klima vergiftet, in denen Rechtsradikale und Rechtsextreme jedes noch so fadenscheinige Argument für ihre Zwecke missbrauchen, in einer Zeit, in der Kommunalpolitiker um ihr Leben fürchten müssen, zumindest aber um ihre Gesundheit, in solchen Zeiten müssen Politiker zusammenstehen und nicht den Kübel übereinander ausschütten.


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Söder hat das durchaus verstanden. Er setzt den Ton anders, jedenfalls phasenweise. Ganz kann er offensichtlich nicht darauf verzichten, wenn er etwa darüber lästert, das grüne Führungsduo schaue doch um einiges besser aus als das der SPD. Was nicht schwer sei. Geschenkt, obwohl es nicht sonderlich tiefsinnig ist. Muss wohl sein, gehört für ihn leider dazu.

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Unter dem Strich aber lässt seine Rede politisch tief blicken. Söder arbeitet sich über lange Phasen an den Grünen ab, er sieht ihre Attraktivität nicht nur optisch, sondern auch politisch gegeben. Der CSU-Chef erweckt über weite Strecken den Eindruck, die Grünen seien rückständig, nicht wählbar, für die Union kein denkbarer Partner. Doch das ist vor allem taktisch motiviert. In der Union, auch in der CSU, rechnen die Strategen damit, dass nach der Bundestagwahl ein Bündnis aus Union und Grünen die wahrscheinlichste Variante ist, wenn nicht sogar die einzig denkbare im demokratischen Spektrum. Die SPD wird sich aus der Koalition zurückziehen, die FDP zerlegt sich gerade selbst. Und die AfD ist alles, nur keine Alternative.

CSU im Ökolager

In der Union aber wächst die Sorge, dass die Grünen zur stärksten Kraft werden könnten. Und ein Robert Habeck dann Kanzler der Bundesrepublik. Söders Attacken auf die Grünen zeigen vor allem, wie ernst er die Ökobewegung mittlerweile nimmt – so ernst, dass er etliche ihrer Ziele stillschweigend übernommen und die CSU weit ins Ökolager geführt hat. Es ist ein Widerspruch, mit dem er leben kann und leben muss. Und der in der Geschichte der CSU gar nicht so selten war. Übernehmen und ablehnen ging bei ihr schon häufig Hand in Hand, wenn sie einerseits als Teil der Bundesregierung alles mit getragen hat und in Bayern dann auf Distanz dazu gegangen ist.

Es ist ein Balanceakt, gerade in Passau, zwischen Aufputschen und sachlicher Argumentation. Söder hat ihn versucht. Und eine Rede gehalten, die er so auch auf einem Parteitag hätte halten können, vielleicht an der einen oder anderen Stelle etwas pointiert, insgesamt aber zurückhaltend und an der Sache orientiert. Ob es dafür noch eine Halle wie die in Passau und einen Aschermittwoch braucht, steht auf einem anderen Blatt.

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