Viren nicht zuverlässig erkannt

Schockierendes Urteil: So schlecht sind Corona-Schnelltests

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Martin Damerow

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12.11.2021, 14:37 Uhr
Corona-Schnelltests sind nahezu überall erhältlich, doch längst nicht alle sind zuverlässig.

© Alex Halada / Imago images Corona-Schnelltests sind nahezu überall erhältlich, doch längst nicht alle sind zuverlässig.

Schnelltests gelten bei verschiedenen Krankheitsbildern als gute Möglichkeit, um eine mögliche Infektion abzuklären. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das deutsche Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, hat jetzt die Sensitivität von Corona-Tests untersucht und ist dabei zu deutlich unterschiedlichen Ergebnissen gekommen.

Getestet wurden insgesamt 122 in Deutschland erhältliche Schnelltests verschiedener Firmen. 96 davon erreichten die geforderten Sensivitätswerte, die anderen 26 (und damit etwa jeder fünfte) hingegen fielen durch. Rein rechnerisch bedeutet dies, dass 25 von 100 negativen Testergebnissen womöglich doch positiv waren.

Vom PEI gefordert war eine Sensitivitätswert von 75, einige Test lagen sogar deutlich darüber und erreichten teilweise bei bis zu 100 Prozent.

Als besonders empfehlenswert stuften die Tester diese Präparate ein:

  • "Green Spring SARS-CoV-2 Antigen Rapid Test Kit" von Shenzhen Lvshiyuan Biotechnology
  • "Toda Coronadiag Ag" von Toda Pharma
  • "SARS-CoV-2 Ag Diagnostic Test Kit" von Shenzhen Watmind Medical
  • "COVID-19 Antigen Speicheltest" (Immunochromatographie) von ulti med Products
  • "QuickProfile Covid-19 Antigen Test Card" von LumiQuick Diagnostics

Ebenfalls sehr gut schnitten der "CLINITEST Rapid COVID-19 Antigen Test" von Siemens und der "SARS-CoV-2 Ag Rapid Test" von Wantai ab. Sie sind z.B. in vielen deutschen Apotheken und Online-Shops erhältlich.

Alle der oben genannten Tests identifizierten eine hochinfektiöse Person mit einem sogenannten ct-Wert unterhalb von 25 zu 100 Prozent. Personen mit einer niedrigeren Viruslast und einem ct-Wert zwischen 25 und 30 erkannten sie darüber hinaus mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 75 Prozent, was als sehr guter Wert zu sehen ist.

Der ct-Wert gibt den Medizinern Aufschluss darüber, wie ansteckend ein Infizierter letztlich ist. Vereinfacht gesagt: Ein niedriger ct-Wert bedeutet, dass eine Person eine hohe Viruslast hat und damit besonders ansteckend ist. Ein hoher Ct-Wert bedeutet hingegen, dass eine Person weniger Viren in sich trägt hat und damit eher weniger ansteckend ist. Je geringer die Viruslast, desto feiner muss folglich der Test sein, um die Viren bei einem Abstrich dennoch nachzuweisen.

Schnelltests der Discounter nicht so zuverlässig

Andere Tests sind laut den Testern des PEI mit Blick auf den durchaus wichtigen ct-Wert deutlich unzuverlässiger. So lieferte beispielsweise der "Novel Coronavirus 2019-nCoV Antigen Test" von Beijing Hotgen bei einem ct-Wert von weniger als 25 zwar ebenfalls eine perfekte Quote. Stieg der Wert aber auf 25 bis 30, lag der Test nur etwa in 47 Prozent der Fälle richtig. Verkauft wird dieses Produkt zum Beispiel bei Aldi und Kaufland.

Der "Wondfo SARS-CoV-2 Antigen Test" von Guangzhou Wondfo erkannte selbst bei einem ct-Wert unterhalb von 25 (und damit bei in jedem Fall ansteckenden Personen) nur in 88 Prozent der Fälle eine ansteckende Person; war sie weniger ansteckend und der ct-Wert bei bis zu 36, lag die Erkennungs-Quote nur noch bei mageren 30 Prozent.

Auch der "SARS-CoV-2 Antigen Rapid Test Kit" von Beijing Lepu Medical Technology, der etwa in der Drogeriekette Rossmann verkauft wird, schnitt schlecht ab: Hochansteckende Personen identifizierte der Test zwar sehr zuverlässig. Bei einem ct-Wert zwischen 25 und 30 aber erkannte er nur noch jede vierte Infektion (26 Prozent).

Durchgefallen sind 26 Tests. Sie waren laut PEI nicht in der Lage, infektiöse Personen mit ausreichender Wahrscheinlichkeit zu erkennen. Darunter waren der "Acro COVID-19 Antigen Rapid Test" von Acro Biotech, "Biocredit COVID-19 Ag" von Rapigen sowie "Covid-19 Antigen Test Cassette" von Xiamen Zhongsheng Langjie Biotechnology.

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