Sixt nutzt Castor-Proteste für Werbe-Aktion

8.11.2010, 12:15 Uhr

© Sixt

Unter die Demonstrierenden im Wendland mischte sich eine Gruppe orange gekleideter junger Leute, die ein Transparent hochhielten: "Stoppt teure Transporte! Mietet Van&Truck von Sixt!"

Auf dem hauseigenen Blog verkündete Sixt das Ereignis mit Bericht, Video und vielen Bildern. Im Internet wurde die Aktion sofort aufgenommen und weiterverbreitet. Im Kurznachrichtendienst Twitter sind die Meinungen - wie zu erwarten - geteilt: Gelungene PR-Aktion oder unmoralische Trittbrettfahrerei - je nach persönlicher Einstellung wird der Autovermieter gelobt oder kritisiert. Die Spannweite treicht von "peinlich" bis hin zu "genial".

Berater von RWE

Idee und Durchführung der Aktion kamen von der Werbeagentur Jung von Matt. Sie berät unter anderem auch den Stromkonzern RWE, der selbst Atomkraftwerke betreibt. Der Vorstandschef von RWE, Jürgen Großmann, hatte maßgeblich den Vertrag mit der Bundesregierung ausgehandelt, der zu längeren Laufzeiten der AKW führt. Genau dagegen protestiert die Anti-AKW-Bewegung derzeit im Wendland aus Anlass der Castor-Transporte.

Bei Sixt und Jung von Matt sieht man die Sache als "gelungene beispiellose Guerilla-Aktion," wie es sie noch nie gegeben habe. Der PR-Fachmann und Unternehmens-Berater Matthias Priebe dagegen hält das Ganze für "voll daneben".

"Verhöhnung aller Beteiligten"

Zum "Wettlauf der Werbeschaffenden," so Priebe, gehöre es einfach dazu, die "skurilsten Kampagnen" zu erfinden. Man spreche dann von "Viral Marketing, Guerilla-Aktion oder Ambush-Kampagne" und klopfe sich auf die Schultern, wenn es von möglichst vielen gesehen wird. In Wahrheit aber, meint Priebe weiter, handelt es sich um "eine Verhöhnung aller Beteiligten." Denn die Protestierenden werden instrumentalisiert, die Nachrichten-Reichweite der Medien wird missbraucht und der Einsatz der Polizei werde ins Lächerliche gezogen.

Das Fachmagazin "Werben&Verkaufen" schlägt ebenfalls kritische Töne an: "Es bleibt abzuwarten, ob die "Ökodeppen" (Kommentar auf der Facebook-Pinwand von Sixt) im Nachgang die Aktion gutheißen oder ob sie es im Web zu einem Gau hochpushen, wenn ein kommerzieller Anbieter ihre seriöse Botschaft überstrahlen will."

Ein anderes Fach-Portal für Marketing und Werbung, Horizont.Net, kritisiert die Aktion ebenfalls: "Frecher geht es kaum noch." Im Blog "Off-the-record" lässt Horizont.Net ausführlich die Kritiker zu Wort kommen: "Bei mir kommt nur an: 'unsympathisch', schreibt einer. Ein anderer kommentiert: "Sowas nennt sich Mißbrauch von Grundrechten. Obendrein noch das Anliegen der Demonstranten ins Lächerliche gezogen. Nie wieder Sixt."

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