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Spuck- und Gurgeltest: Gibt es bald schnelle Alternativen zum Rachenabstrich?

Restaurants und Veranstalter zweifeln am Nutzen für den Alltag - 28.01.2021 10:09 Uhr

Ein Corona-Gurgeltest steht auf einer Anwendungsanweisung. In der österreichischen Hauptstadt werden derartige vereinfachte Schnelltests bereits von Personal an Schulen und Kitas genutzt.

26.01.2021 © Hans Punz/dpa


Die für den alltäglichen Gebrauch zugelassenen Heimtests müssten leichter anwendbar sein, als die Antigen-Schnelltest mit tiefem Rachen- oder Nasenabstrich - da sind sich alle einig. Das Problem: "Diese Tests sind noch nicht so ausgereift und verfügbar, dass eine Zulassung unmittelbar bevorstehen würde", heißt es aus dem Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage der Nürnberger Nachrichten.

Neben einer vereinfachten Form des bisherigen Schnelltests mit Abstrich sind vor allem Spuck- oder Gurgeltests im Gespräch. Diese werden bereits in Österreichs Hauptstadt Wien von Lehrern und Erziehern angewendet.

In Deutschland müssen solche Medizinprodukte erst ein Prüfverfahren, mit Hilfe von TÜV oder Dekra, durchlaufen, bevor sie auf den Markt kommen, bestätigt der Pressesprecher des Bundesamtes für Arzneimittel und Medizinprodukte, Maik Pommer. Von der Freigabe von Schnelltests für den Allgemeingebrauch erhofft sich das Ministerium eine Beschleunigung des Zulassungs- und Prüfverfahrens.

Wie aussagekräftig ist ein Gurgeltest?

Aber sind die selbst durchzuführenden Heimtests auch leichter in der Anwendung und ebenso aussagekräftig wie die bisherigen Tests? "Die Gewinnung von Gurgelwasser oder Speichel ist einfacher als die korrekte Durchführung eines Abstrichs und von daher für medizinische Laien besser machbar": So sieht es Professor Klaus Überla vom Virologischen Institut der Uniklinik Erlangen. Auch wenn die Genauigkeit sowohl bei Gurgelwasser als auch bei Speichel etwas schlechter sein dürfte, als bei einem gut gemachten Abstrich.

Wichtig sei, die Gebrauchsanweisung genau zu befolgen. "Wenn eine bestimmte Zeitdauer für das Gurgeln vorgegeben ist, sollte man sich auch daran halten", mahnt der Professor und weiter: "Allerdings sollte man beachten, dass beim Gurgeln Aerosole entstehen und beim anschließenden Spucken in einen Behälter Flächen kontaminiert werden können."

Lockdown-Ende mit Heimtests?

Für den Alltag könnte das bedeuten, dass etwa Restaurants, Bars und vielleicht sogar Diskotheken mithilfe der Heimtests die Chance hätten, bald wieder zu öffnen. Die Gäste müssten lediglich vor Betreten des Etablissements einen negativen Schnelltest vorweisen.

In den betroffenen Branchen kommt der Gedanke allerdings nur mäßig an. Beim Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband (BHG) hält man die Idee für wenig praktikabel und für nicht notwendig. "Solche Tests können eine freiwillige Ergänzung sein, aber eine gesetzliche Verpflichtung lehnen wir ab", so der Landesgeschäftsführer, Thomas Geppert. Die bereits im vergangenen Jahr ausgearbeiteten Hygienekonzepte funktionieren und liegen einsatzbereit in der Schublade, betonte er.

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Allein die Hygienekonzepte stellen die Restaurants vor große Herausforderungen in der Praxis. "Für uns war es schon problematisch, die Telefonnummern von Gästen zu erfragen. Ich bezweifle, dass die Leute dazu bereit wären, bei uns dann noch einen Test zu machen", erklärt Manuela Hoffmann, Inhaberin des Hotels und Restaurants Schlossberg nahe Gräfenberg. Schnelltests vor Ort würden sie zudem vor personelle Herausforderungen stellen, von der Kostenfrage ganz zu schweigen.

Erst Gurgeltest, dann Party?

Für geschlossene Gesellschaften oder auch Diskotheken, wo die Abstandsregeln nicht so genau eingehalten werden können, könnten die Schnelltests jedoch ergänzend genutzt werden, so BHG-Geschäftsführer Geppert. Max Zwingel, Veranstaltungsplaner und Geschäftsführer von Maximum Events in Nürnberg sieht das etwas anders. Für den normalen Club-Betrieb sind die Schnelltests seiner Meinung nach nicht geeignet.

"Auf Partys und Tanzabende zu gehen, lebt gerade von der Spontaneität", argumentiert Zwingel. Den Veranstaltern sei es unmöglich einzuschätzen, wie viele Leute kommen und wie viele Tests oder Personal sie für die Ergebniskontrolle benötigen. Bei speziell geplanten Highlight-Events, wie etwa Konzerten, sähe die Sache wiederum anders aus. Dort könne man die Besucherzahl festlegen. Die Kosten würden dann allerdings letztendlich auf die Besucher umgelegt werden.

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Die Kostenfrage ist für Stephan Schulz, Inhaber der Mata Hari Bar in Nürnberg, weniger das Problem, sondern eher der organisatorische Aufwand für kleinere Bars. Er könne sich daher eine Teststation im Innenstadtbereich vorstellen: Die Leute werden dort getestet, bekommen ein Bändchen und können danach Bars, Clubs und auch Restaurants besuchen.

"Jetzt ist es aber noch zu früh für derartige Aktionen. Wir sind ja noch mitten drin in der Pandemie", fügt Schulz hinzu. Wenn die Infektionszahlen wieder überschaubar seien und das Wetter mitspielt, könne man das jedoch anstreben.

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