Stufenplan für Schulöffnungen? Das ist der aktuelle Stand

SamSon: Harald Baumer
Harald Baumer

Berlin-Korrespondent der NN

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4.1.2021, 18:10 Uhr
Die Kultusministerkonferenz hat am Montag, 04.01.2021, in einer Videokonferenz aktuelle Fragen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie diskutiert.

Die Kultusministerkonferenz hat am Montag, 04.01.2021, in einer Videokonferenz aktuelle Fragen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie diskutiert. © Christoph Schmidt, dpa

In allen Fragen des Corona-Lockdowns ist seit jeher klar, wer das letzte Wort für sich in Anspruch nimmt: die Chefetage. Also die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten. Deswegen war es den Teilnehmern bewusst, dass die Kultusministerkonferenz gewissermaßen nur unter Vorbehalt tagen würde. Denn rund 24 Stunden nach der Videoschaltung der Fachpolitik stand schließlich ein neuer Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Programm.

Exakte Daten darüber, wann genau (und in welcher Form) in den Bundesländern die Kitas und Schulen wiedereröffnen werden, hatte man nicht erwarten dürfen. Zumal sich die Bundesländer dabei auch heftig widersprechen. Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann etwa erwies sich als größte Verfechterin einer möglichst frühen Öffnung. Auf jeden Fall solle zum 11. Januar schon wieder mit der Präsenzbetreuung begonnen werden, wenn auch nur für die Kindergärten und die Grundschulen. Das sei vor allem für die Kinder sehr wichtig, die "aus sozial schwächeren Verhältnissen" kämen und nicht so viel Unterstützung erhielten, sagte die Christdemokratin.

Bayern befindet sich ziemlich genau am anderen Ende der "Öffnungs-Skala", soweit das jetzt schon zu beurteilen ist. Zwar betonte Kultusminister Michael Piazolo (UPW) ähnlich wie seine Stuttgarter Kollegin Eisenmann, dass zumindest ein Wechselunterricht in den niedrigen Jahrgangsstufen anzustreben sei. Doch das, was von Ministerpräsident Markus Söder zu hören war, hörte sich in der Tendenz deutlich anders an. Er sprach davon, dass es "verantwortungslos" sei, die Schulen nach den Ferien zu öffnen. Noch wisse man viel zu wenig über die Entwicklung des Infektionsgeschehens. Das klang nach Distanzunterricht.

Bunte Corona-Landkarte in Deutschland

Und so geht es weiter, wenn man die Landkarte der deutschen Bundesländer betrachtet. Rheinland-Pfalz lässt die Schulen auf jeden Fall bis zum 15. Januar dicht, Hamburg hat bereits einen Lockdown bis Ende Januar ins Auge gefasst. Niedersachsen äußert sich noch gar nicht und will erst einmal noch die Datengrundlagen studieren. Wie die Regionen mit vergleichsweise niedriger Inzidenz reagieren werden, ist noch offen. Es wird erwartet, dass es sich zum Beispiel Mecklenburg-Vorpommern ausdrücklich vorbehält, anders als die meisten Länder zu reagieren.

Immerhin haben sich die Kultusministerinnen und -minister einer Forderung angenähert, die schon länger von Berufsverbänden der Lehrer erhoben wird. Es soll einen Stufenplan geben, um wenigstens etwas Einheitlichkeit herzustellen. Darin wird geregelt, in welcher Reihenfolge die Kinder und Jugendlichen Unterricht erhalten sollen. Stufe eins wäre Präsenzunterricht für die Klassen eins bis sechs, Stufe zwei ergänzender Wechselunterricht (geteilte Klassen) ab Jahrgangsstufe sieben und Stufe drei der komplette Präsenzunterricht für alle. Als Sonderfälle könnten Abschlussklassen betrachtet werden, denen die Vorbereitung auf ihre Prüfungen ermöglicht werden soll.

Sowohl die Vereinigung der Realschullehrer als auch der Lehrerverband hatten einen noch weitergehenden "Hygienestufenplan" angeregt, in dem auch konkrete Inzidenzwerte für Präsenz-, Wechsel- und Fernunterricht genannt werden sollten. Das könne allen Betroffenen unabhängig von der Entwicklung der Pandemie mehr Sicherheit geben. Die Verbände äußerten zudem heftige Kritik an der gesamten Krisenbewältigung der Kultusministerien.

"Die Politik hat viel Zeit verschlafen"

Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, warf der Politik vor, "viel Zeit verschlafen" und "nicht so gehandelt" zu haben, "wie es notwendig gewesen wäre nach dem Lockdown im März". Dabei bezog er sich vor allem auf die technische Ausstattung der Schulen, die immer noch unzureichend sei. Das in Bayern verwendete System "Mebis" sei immer wieder zusammengebrochen und etwa die Hälfte der Schulen verfüge über kein schnelles WLAN.

Unabhängig davon, was die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten bei ihrem Gipfel mit der Kanzlerin noch alles beraten und beschließen werden, bezeichnete SPD-Vorsitzende Saskia Esken einen Schulstart in Deutschland schon am 11. Januar als "illusorisch". Es werde noch ein wochenlanger Distanzunterricht nötig sein, sagte sie.