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Warum es kein systematisches Gendern braucht

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Andre Fischer

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1.7.2021, 19:30 Uhr
Heißt es Gärtner oder Gärtner*in oder Gärtner!n oder Gärtner.in? Bei der Anrede heißt es mit Sicherheit, liebe Gärtnerinnen, liebe Gärtner.

Heißt es Gärtner oder Gärtner*in oder Gärtner!n oder Gärtner.in? Bei der Anrede heißt es mit Sicherheit, liebe Gärtnerinnen, liebe Gärtner. © Brigitte Grüner, NN

Die Gesellschaft wurde in den letzten Jahren vielfältiger und es wuchs die Sensibilität dafür, dass Sprache Geschlechterdiskriminierung und Rassismus befördern kann. Die Gender-Debatte hat deshalb neuen Schwung erhalten. Der Vorsitzende der CDU in Hamburg, Christoph Ploß, will dagegen den geschlechstbewussten Sprachgebrauch ganz verbieten und der CDU-Politiker Friedrich Merz reizte zuletzt die Gender-Befürworter mit dem polemischen Wortspiel "Grün*innen". Parallel gendern Jüngere im Alltag ganz selbstverständlich und es gibt auch immer mehr Medien, in denen gegendert wird.


+++ Streitthema Gendern: Sechs Erkenntnisse einer aufgeheizten Debatte +++


Gendern hemmt den Lesefluss

Regeln dafür gibt es nicht. Der Gärtner lässt sich gendern mit Gärtnerin, Gärter!n, Gärtner:in, GärtnerIn, Gärtner/-in oder mit Gärtner*in. Dass es dagegen Widerstand gibt, darüber muss man sich nicht wundern. Gendern hemmt den Lesefluss und damit die Wahrnehmung von Informationen und Zusammenhängen. Menschen, die eine Leseschwäche haben, und Migranten, die Deutsch lernen, erleichtert gendern das Leben nicht. Auf der anderen Seite stimmt es natürlich, dass das generische Maskulinum eine männlich geprägte Sicht auf die Welt verstärkt. Zwischen Gegnern und Befürwortern ist eine Diskussion kaum möglich, denn entweder wird polemisiert oder aber es dominiert die Überzeugung, dass sich durch Gendern die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern. Was natürlich nicht der Fall ist.

Sprache ist der Raum für Freiheit

Gleiches Gehalt für gleiche Arbeit wird durch Sterne nicht erreicht. Und wer Sterne benötigt, um eine diverse Gesellschaft zu akzeptieren und der lernen muss, mit ihr umzugehen, der braucht Debatten, aber keine neue Sprachsystematik. Sprache ist lebendig. Sprache ist der Raum für individuelle Freiheit und in der Literatur entfaltet sie ihre Schönheit.

Wollen wir gegenderte Lyrik oder gegenderte Romane? Will ich ein spannend argumentierendes Essay über Ungleichheit mit den sprachlichen Genderhürden lesen? Nein! Gendern bringt mir keinen Mehrwert. Sprache macht es möglich, dass alle Menschen einbezogen werden, und Unterschiede irrelevant werden. *** würden aber eine Differenz manifestieren. Liebe Gärtnerinnen und Gärtner sollte aber selbstverständlich sein.

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