Wie Donald Trump erneut US-Präsident werden will

1.3.2021, 11:32 Uhr
Donald Trump bei dem, was er am besten kann: schimpfen, verunglimpfen, polemisieren - und sich als Opfer darstellen.

Donald Trump bei dem, was er am besten kann: schimpfen, verunglimpfen, polemisieren - und sich als Opfer darstellen. © John Raoux, dpa

Zum Standardrepertoire Donald Trumps gehört der Satz, dass er die Spannung erhalten wolle, statt zu früh zu verraten, wie etwas ausgehen wird. Die Zuschauer sollen dranbleiben, der nächsten Sendung entgegenfiebern. Lange bevor ihn die Amerikaner zum Präsidenten wählten, erklärte er es, seinerzeit Fernsehstar einer Reality-Serie, zu seinem Leitfaden. Später, im Oval Office, hat er die Maxime oft wiederholt, auch, um Gegner, Rivalen und Verbündete der USA darauf einzustellen, dass er jederzeit gut ist für eine Volte, wie etwa im Falle Nordkoreas bewiesen, als der Drohung mit "Feuer und Zorn" ein Gipfel mit dem Diktator Kim Jong Un folgte.

Trump, der Unberechenbare: Am Sonntagabend, zum Abschluss der Jahrestagung konservativer Aktivisten, stand eine Fortsetzung der Staffel auf dem Programm. In vier Jahren, so orakelte der Wahlverlierer, werde ein republikanischer Präsident im Triumphzug ins Weiße Haus zurückkehren. "Und ich frage mich, wer das sein könnte. Wer, wer, wer wird das wohl sein?" Er ließ alles offen, schloss nichts aus, bestätigte nichts – und hielt den Kessel am Kochen.

Mit der Andeutung, in die jeder hineinlesen kann, was er möchte, beendete Trump eine Rede, die er mit scharfen Angriffen auf seinen Amtsnachfolger begann. Und der gebetsmühlenartig wiederholten Behauptung, dass er das Votum am 3. November nur verloren habe, weil Betrug im Spiel gewesen sei. "Wer weiß, vielleicht entscheide ich, dass ich sie zum dritten Mal schlagen werde", sagte Trump, meinte seine demokratischen Widersacher, sprach von Wahlsiegen 2016 und 2020 und stellte vage in Aussicht, 2024 noch einmal anzutreten.

Erster öffentlicher Auftritt seit Wochen

Knapp sechs Wochen nach seinem Auszug auf dem Weißen Haus hat der Ex-Präsident erstmals wieder eine öffentliche Bühne betreten. CPAC, die Conservative Political Action Conference, so viel war vorher klar, würde zum Heimspiel für ihn werden. Zwar spiegelt der Kongress nicht unbedingt wider, wie die Republikanische Partei in ihrer Gesamtheit tickt. Moderate Politiker kommen dort praktisch nicht mehr zu Wort. Über die Stimmung auf dem rechtskonservativen Flügel allerdings lässt er ziemlich verlässliche Schlüsse zu.

Das Fazit: Dort gilt Trump noch immer als Held, als Anführer, als der Rebell, der es dem Establishment gezeigt hat und die Arrivierten noch einmal das Fürchten lehren wird. Falls es dafür noch eines Beweises bedurfte hätte, dann hat ihn eine Meinungsumfrage unter den Konferenzteilnehmern erbracht. Müssten die Konservativen heute einen Präsidentschaftskandidaten küren, würden 55 Prozent dem Milliardär aus New York den Vorzug geben. An zweiter Stelle folgte Ron de Santis, Gouverneur Floridas und bekennender Trumpianer. Alle anderen wären chancenlos.

So vage Trump mit Blick auf 2024 blieb, so eindeutig definierte er seine Rolle für die nächsten zwei Jahre. Er werde aktiv daran mitwirken, sagte er, dass die Republikaner bei den Kongresswahlen 2022 mit "robusten, schlauen" Bewerbern ins Rennen gehen. Mit anderen Worten, er beansprucht die Rolle des Königsmachers. Nur wer seinen Segen hat, soll sich bei den zuvor anstehenden Primaries durchsetzen können. Abgeordnete und Senatoren, die es wagten, für seine Amtsenthebung zu stimmen, sollen dagegen für ihre Illoyalität büßen, indem die Parteibasis sie durchfallen lässt - "Setzt ihnen allen den Stuhl vor die Tür!"

Neue Attacken gegen "Fake News"-Medien

Seine Unterstützung zu haben sei das größte Plus in der Politik, zitierte Trump einen von ihm geschätzten Wahlforscher. Gerüchte, nach denen er eigene Partei gründen will, erklärte er für Falschmeldungen, in seinen Worten bewusst gestreut von den "Fake-News"-Medien. Eine Abspaltung komme nicht infrage, stellte er klar, schließlich gebe er unangefochten den Ton an bei den Republikanern.

Der Rest der Rede: eine Mischung aus Wehklagen über eine angeblich manipulierte Wahl und wilden Attacken gegen Joe Biden. Letztere gipfelten in dem Satz, die ersten Amtswochen des Mannes seien katastrophaler gewesen als alles, was sich ein neuer US-Präsident je geleistet habe. Unter Biden heiße es wieder "Amerika zuletzt", während bei ihm die Devise "Amerika zuerst" gegolten habe. Der Sturm auf das Kapitol? Kam bei Donald Trump nicht vor. Keine Reue, kein Bedauern, auch keine Erklärungsversuche, nur ein schwarzes Loch. Mit keiner Silbe ging er darauf ein, was das Parlament seines Landes am 6. Januar an Gewaltorgien erlebte.

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