17°

Freitag, 19.04.2019

|

zum Thema

Probleme mit Papieren

Die Mini-Heizkraftwerke der Firma GFE liefen nur wenig - 01.02.2011 13:00 Uhr

Mehrere halbfertige Blockheizkraftwerke lagern auf dem Betriebsgelände der GFE. (Archivbild) © Michael Matejka


Doch, Dagmar Wöhrl erinnert sich an die Sache. Aber nur deshalb, weil sie mittlerweile schon ein paarmal danach gefragt wurde und das, was passiert ist, per Kalender nachvollzogen hat.

Laut dem „Jahresbericht 2010“ der Gesellschaft zur Förderung erneuerbarer Energien (GFE) hat die Nürnberger CSU-Bundestagsabgeordnete der Firma im August 2010 geholfen. Der Bericht liest sich so, als habe sich Wöhrl persönlich bei N-Ergie-Chef Herbert Dombrowsky dafür eingesetzt, die „Schikanen“ gegenüber der GFE zu beenden und das Blockheizkraftwerk, das auf dem Nürnberger Firmengelände steht, ans Netz zu hängen. Und als sei die N-Ergie dem postwendend gefolgt.

„Normales Bürgeranliegen“

Was die Sache so pikant macht: Dreieinhalb Monate später durchsuchte die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth deutschlandweit GFE-Räume. Gegen 17 überwiegend führende Mitarbeiter wird wegen Verdachts auf gewerbsmäßigen Betrug mit Mini-Blockheizkraftwerken (BHKW) ermittelt; acht von ihnen sitzen in Untersuchungshaft.

Sie habe keine Hintergründe über die GFE gewusst, erklärt Wöhrl. „Es war ein normales Bürgeranliegen wie tausend andere auch.“ Ihr sei telefonisch erklärt worden, es gehe um viele Arbeitsplätze. Daraufhin habe sie, wie üblich, um eine schriftliche Formulierung des Anliegens gebeten und diesen Brief an die N-Ergie weitergeleitet. „In der Bürgersprechstunde werden oft solche Bitten an mich herangetragen“, sagt sie, „da kann ich nicht jede im Detail prüfen.“ Schade findet sie es, wenn das so ausgenutzt werde.

N-Ergie-Sprecherin Rita Kamm-Schuberth wiederum versichert, der Anschluss des Blockheizkraftwerks habe nichts mit dem Brief Wöhrls zu tun gehabt. Vielmehr habe die GFE zu diesem Zeitpunkt die vorher geforderten technischen Umbauten erledigt und die nötigen Papiere vorgelegt gehabt. „Als das in Ordnung war, haben wir angeschlossen.“

Abrechnung nicht möglich

Probleme mit Unterlagen gab es nicht nur in Nürnberg, sondern auch bei anderen der angeblich 16 fertig aufgebauten Container-BHKW. Nur vier waren nach Informationen der Lokalredaktion überhaupt an das öffentliche Stromnetz angeschlossen. Darunter eines in Fürth-Poppenreuth. „Es ist sehr wenig gelaufen“, erklärt allerdings Rudolf Hoffmann, Bereichsleiter Netzbetrieb beim Energieversorger infra Fürth.

Immerhin: Für den Strom, den es erzeugt und ins Netz abgegeben hat, stünde der GFE Geld zu. Doch für eine Abrechnung fehlen demnach die gesetzlich geforderten Unterlagen über die Herkunft des Rapsöls, das als Treibstoff verwendet wird. Seit vergangener Woche ist das Mini-Kraftwerk ganz abgeschaltet.

Wieder andere Probleme gab es in Heilsbronn bei Ansbach: Hier tauchte offenbar der Verdacht auf, das BHKW würde giftige Stoffe an die Luft abgeben. Die Behörden ließen den Betrieb daher stoppen und forderten ein Immissionsgutachten. Auch das blieb die GFE schuldig. 

GUDRUN BAYER

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus dem Ressort: nordbayern.de