Wechsel vom Rathaus zum Reichstag

Ralph Edelhäußer: Zwischen Abschied und Neustart

Motiv: Portrait - Carola Scherbel  Foto: Martin Regner, gesp.29.08.2019
Carola Scherbel

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14.10.2021, 06:00 Uhr
Wahl gewonnen, aber im Bundestag nimmt Ralph Edelhäußer wahrscheinlich auf der Oppositionsbank Platz.

Wahl gewonnen, aber im Bundestag nimmt Ralph Edelhäußer wahrscheinlich auf der Oppositionsbank Platz. © Privat

Damals hat der soeben per Stichwahl gewählte neue Rother Bürgermeister (der erste der CSU seit vielen Jahren) sein Büro in der Nürnberger Sparkasse binnen neun Tagen geräumt, um umzuziehen in das Rathaus seiner Heimatstadt Roth. Jetzt räumt er gerade sein Amtszimmer in diesem Rathaus und zieht – zunächst nur mit Laptop und Koffer, weil er im Hotel wohnen wird – in die Hauptstadt Berlin. Wilhelmstraße 60 heißt die Adresse seines vorläufigen Abgeordnetenbüros, den Schlüssel dafür bekommt er heute.

Stofftaschen im Amtszimmer

Im Moment hat der Rother „Noch-Bürgermeister“ aber auch den Rathausschlüssel noch in der Hand. Einerseits zum Ausräumen: „Ich hätte nie gedacht, dass sich so viele Stofftaschen ansammeln können. Aus den vielen Treffen mit Bürgermeistern, Verbänden und Organisationen ist ein riesiger Haufen zusammengekommen.“ Andererseits zur ordentlichen Übergabe: Mails abarbeiten, Projekte abgeben, zum Beispiel über E-Scooter für die Stadt. Verhandlungen abschließen, zum Beispiel über Immobiliengeschäfte.

Jetzt schon immer mit dabei ist sein Interims-Nachfolger, Stellvertreter Andreas Buckreus, der den Posten am liebsten auf Dauer behalten will und für die SPD am 16. Januar als neuer Bürgermeister antritt. Er hinterlasse dem Nachfolger eine geordnete Verwaltung, finanz- und ordnungspolitisch, sagt Edelhäußer. Im Rückblick sieht er aber vor allem die Lösung der Straßensanierungsprobleme – ausgehend von Rothaurach und mündend in den „Rother Weg“ – als wichtigen Baustein seiner Amtszeit.

Vom Bund auferlegte Pflicht erfüllt

Der Ausbau der Kinderbetreuung („von anfangs 24 Kinderkrippenplätzen!“) und der Schulen sei massiv vorangetrieben worden, wichtig waren ihm auch Gewerbeansiedlungen, Städtebauförderung und alles rund um das Thema Innenstadt. Das vieldiskutierte fehlende Hallenbad dagegen sieht er auch für die nächsten Jahre noch nicht im Bau. „Derzeit hätten wir nicht einmal die personellen Kapazitäten dafür.“

Für den oder die Nachfolgerin am spannendsten? Das Leoni-Gelände, findet Edelhäußer, während er selbst schon im Lehrgang für Bundespolitiker sitzt: Beim mehrtägigen Seminar im Havelland wird den 48 Neulingen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion alles erklärt, gezeigt und eingetrichtert, was sie für den Start ins Abgeordnetenleben wissen müssen. Vom Umgang mit der parlamentarischen Anfrage über die Details zu Büro und Mitarbeiter bis zur Meldepflicht der Sitzungsgelder.

Auf der Suche nach einem Team

Ralph Edelhäußer ist es ja schon gewohnt, dass berufliche Änderungen schnell passieren können. Das muss jetzt auch für sein Umfeld gelten: Für das Team seiner künftigen Mitarbeiter hat er sich bereits auf die Suche gemacht. In Berlin werden „zwei Berliner sitzen“, so viel weiß er schon. Und eine Mitarbeiterin für das Rother Abgeordnetenbüro hat er auch schon ziemlich sicher gefunden. Nur für das Büro in Lauf muss er sich noch umschauen.

Apropos Büro: Da seine Mitarbeiterin – und damit auch der Abgeordnete – ins Rother CSU-Büro hinter dem Rathaus einzieht, „bleib ich doch in meinem vertrauten Karrée“. Nur wenige Schritte von der Sparkasse entfernt und direkt neben dem Rathaus – „wenn auch im Hinterhof“, wie er amüsiert feststellt.

Opposition statt Regierung

Dass er jetzt im Bundestag nicht mehr in der ersten Reihe sitzt wie noch in Roth als Chef der Verwaltung, sondern vielleicht sogar auf der harten Oppositionsbank, das wirft den 48-Jährigen Leichtathleten nicht aus der Bahn. „Natürlich tritt man eine Wahl an, um zu gewinnen“, gibt er zu. „Aber wenn man in den letzten Monaten die Umfragen einigermaßen realistisch beobachtet hat, wusste man, dass es eher auf den zweiten Platz rausläuft.“

Und Fakt sei nun mal: „Der Zweite ist der erste Loser.“ Aber könnte es vielleicht doch noch ein Regierungslicht am Ende des Unions-Tunnels geben? Da wird der Fast-nicht-mehr-Bürgermeister schon staatsmännisch: „Ich gehe nicht davon aus, aber wenn aus der Ampel nix wird, stehen wir zur Verfügung.“ Und zitiert einen SPD-Politiker: „Opposition ist Mist.“

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