Energiekrise

Stabile Preise: Grundversorgung bietet momentan günstigsten Tarif - Lohnt sich der Wechsel?

Minh Anh Nguyen

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21.9.2022, 19:07 Uhr
Während bei anderen Stromversorger die Preise steigen, entwickeln sich die der Grundversorgung stabil.

© IMAGO/Jochen Tack Während bei anderen Stromversorger die Preise steigen, entwickeln sich die der Grundversorgung stabil.

In Deutschland haben in den vergangenen Wochen viele Verbraucher ein Schreiben ihres Stromversorgers bekommen. Die Nachricht war wohl immer dieselbe - der Strom wird teurer. Momentan suchen viele Deutsche Wege, um möglichst billig und warm durch den Winter zu kommen. Lange war die billigste Option ein eigens ausgewählter Stromtarif. Doch während die Umstände der Energiekrise die Energieversorger zu schaffen machen, scheinen die Preise der Grundversorgung stabil zu bleiben.

Die Grundversorgung stellt sicher, dass alle Haushalte in Deutschland mit Strom versorgt werden. Dafür müssen Bewohner sich nicht selbstständig um einen Stromvertrag kümmern. Wer also neu in eine Wohnung zieht und noch keinen Stromanbieter hat, muss sich also keine Sorgen darum machen, dass die Wohnung dunkel bleibt.

Der Strom aus der Grundversorgung ist jedoch oft teurer, da der Energieversorgung durch die Verpflichtung zur Grundversorgung ein höheres Risiko trägt, erklärt der Energieanbieter ENTEGA Plus GmbH auf seiner Website. Als Grundversorger muss ein Energielieferant dann auch zum Beispiel bei Zahlungsausfällen zunächst weiter Strom liefern. Aus diesem Grund sollte man für einen möglichst billigen Stromtarif eigene Recherchen anstellen.

Grundversorgung in vielen Regionen billiger

Jedoch scheint die Grundversorgung momentan in vielen Regionen der günstigste Anbieter zu sein, berichtet RTL. Im Gespräch mit Energieberater Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW berichtet der Sender, dass vieles damit zusammen hängt, "dass die Stadtwerke und auch andere Energieversorger die Grundversorgung recht defensiv über eine lange Zeit beschaffen und den Strom oder das Gas frühzeitig einkaufen. Und da macht sich bezahlt, dass wir hier eine Mischkalkulation haben, die noch von niedrigeren Preisen in 2020 und 2021 bis zum Sommer einfach profitiert."

Aus diesem Grund empfiehlt der Energieberater derzeit, dass Kunden sich für den Grundversorger entscheiden sollten. Doch der wohlmöglich bevorstehende Ansturm auf die Grundversorgung bringt auch einige Probleme mit sich. Die Energielieferanten müssen sich als Grundversorger dazu verpflichten, Gasmengen für viele neue Kunden zu beschaffen, ohne die Zuversicht, ob der Kundenbestand auch in Zukunft anhält, erklärt Sieverding gegenüber RTL.

Der Wechsel zur Grundversorgung

Die Verbraucherzentrale erwartet mit einem wachsenden Zulauf auf die Grundversorgung jedoch auch weiter steigende Preise, berichtet RTL. Wer jetzt aber noch von den günstigen Stromtarifen der Grundversorgung profitieren möchte, sollte Gebrauch von seinem Sonderkündigungsrecht machen, erklärt die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein (VZHS) gegenüber dem Sender.

Energierecht-Referentin Carina Habeck des VZHS erklärt, dass das Recht grundsätzlich nach Mitteilung einer Preiserhöhung gilt. Auch bei auslaufenden Verträgen müssen Verbraucher keinen fortsetzenden, teureren Vertrag wahrnehmen. Nach Auslauf der Vertragszeit kann mit einer Frist von einem Monat gekündigt werden.

Ersatzversorgung: Der teure Trick der Stromanbieter

Den Ansturm auf Grundversorgung versuchen Stromanbieter jedoch zunächst zu dämpfen. Eine Kundin erzählt gegenüber der Welt, dass der Stromanbieter ihr den Wechsel in die Grundversorgung zunächst verwehrte. Ihr solle zunächst nur die teurere Ersatzversorgung zustehen und sie dürfe erst nach drei Monaten in die Grundversorgung wechseln. Einige Stromlieferanten der Grundversorgung führen derzeit verschiedene Preise für Neu- und Bestandskunden ein, so die Zeitung. Dabei handelt es sich jedoch um eine rechtliche Grauzone.

„Rechtlich ist es nicht mehr zulässig, innerhalb der Grundversorgung unterschiedliche Tarife für Bestands- und Neukunden anzubieten“, sagt Holger Schneidewindt der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gegenüber der Welt. „Stattdessen versuchen einige Anbieter nun, möglichst viele Kundengruppen statt in die Grundversorgung in die Ersatzversorgung zu schieben“. Schneidewindt erklärt jedoch, dass nach Auffassung der Verbraucherzentrale nach Kündigung des Energielieferanten, Verbraucher automatisch in die Grundversorgung fallen und nicht in die Ersatzversorgung müssen.

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