Finanzen

Kontoführungsgebühren und die Steuererklärung: Was muss man 2022 wissen?

Simone Madre
Simone Madre

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25.4.2022, 13:41 Uhr
Kontoführungsgebühren werden in der Anlage N der Steuererklärung eingetragen.

© Falco, Pixabay, LizenzCC Kontoführungsgebühren werden in der Anlage N der Steuererklärung eingetragen.

Eine jahrelange Niedrigzinspolitik machte es für viele Finanzinstitute unausweichlich. Neue Einnahmequellen mussten her. Folglich ist es im Jahr 2022 an der Tagesordnung, dass die Banken für die Kontoführung Gebühren erheben. Die Kontoführungsgebühren werden regelmäßig erhöht.

Da Arbeitnehmer für ihren monatlichen Lohn, Vermieter für ihre Mieteinkünfte oder Rentner für die Rente zwangsläufig ein Konto benötigen, führt kaum ein Weg an Kontoführungsgebühren vorbei. Allerdings können die Betroffenen die Kontoführungsgebühren auch 2022 in der Steuererklärung geltend machen, um sich einen kleinen Teil der bezahlten Gebühren zurückzuholen.

Was muss man 2022 über die Kontoführungsgebühren in der Steuererklärung wissen? Wo muss man diese eintragen und gibt es Unterschiede? Darum geht es im folgenden Beitrag.

Wann darf man Kontoführungsgebühren in der Steuererklärung 2022 angeben?

Zunächst eine gute Nachricht für alle Steuerpflichtigen – denn die Kontoführungsgebühren darf man auch 2022 in der Steuererklärung angeben und somit von der Steuer absetzen. Allerdings gibt es auch gleich eine schlechte Nachricht hinterher. Denn die Kontoführungsgebühren können nicht alle Steuerpflichtigen vollständig absetzen. Dafür müsste eine private Nutzung beispielsweise bei Freiberuflern ausgeschlossen sein, was nur bei ausschließlichen Geschäftskonten gelingt. Dennoch kann grundsätzlich jeder Steuerpflichtige einen Teil der Kontoführungsgebühren in der Steuererklärung steuermindernd geltend machen.

Übrigens ist die Frage, ob man die Kontoführungsgebühren 2022 in der Steuererklärung angeben darf, eigentlich unwichtig. Denn angeben können die Steuerpflichtigen zunächst einmal alle entstandenen Ausgaben. Ob das Finanzamt diese dann jedoch anerkennt und berücksichtigt, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Was ist bei einem Konto ohne Kontoführungsgebühren?

Zwar gibt es sie immer seltener. Dennoch haben manche Kontoinhaber noch das Glück, ein Angebot ohne Kontoführungsgebühren erwischt zu haben. Wer keine Gebühren für die Verwaltung seiner Bankkonten bezahlt, darf diese selbstverständlich auch nicht angeben – weder fiktive Gebühren noch die steuerrechtliche Pauschale für Kontoführungsgebühren.

Kontoführungsgebühren in der Steuererklärung: Wo muss man sie eintragen?

Jeder Steuerberater weiß genau, wo die Kontoführungsgebühren in der Steuererklärung 2022 eingetragen werden. Wer jedoch selbst die Einkommenssteuererklärung macht, muss den Pauschbetrag oder die realen Ausgaben in Anlage N der Steuererklärung unter dem Punkt Werbungskosten eintragen.

Wer als Selbstständiger oder Freiberufler seinen Gewinn in einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermittelt, kann die Kontoführungsgebühren als "Übrige unbeschränkt abziehbare Betriebsausgaben" in die Anlage EÜR eintragen.

Kontoführungsgebühren bei Arbeitnehmern: Gibt es eine Pauschale?

Der deutsche Fiskus bietet Arbeitnehmern die Möglichkeit, einer pauschalierten Geltendmachung der Kontoführungsgebühren. Jährlich steht diesen eine Pauschale in Höhe von 16 Euro zur Verfügung. Dies gilt auch für das steuerliche Veranlagungsjahr 2022. Für Gebühren in dieser Höhe muss man keine Nachweise mitschicken. Das Finanzamt erkennt die Pauschale einfach an. Will es doch Nachweise sehen, muss es sie explizit anfordern.

Wenn man höhere Ausgaben hat, kann man auch diese teilweise anerkennen lassen. Das geht aber nur bei Kosten, die im Zusammenhang mit der Arbeitsstelle entstanden sind - beispielsweise Überweisungskosten beim Kauf von Arbeitsmittel oder bei Zahlungne an den Berufsverband.

Nicht absetzbar sind die Gebühren, die bei der Abhebung des Gehalts an einem Geldautomaten entstehen können.

Selbstständige: Was kann alles als Kontoführungsgebühren abgesetzt werden?

Wer als Selbstständiger ein Geschäftskonto führt, kann sämtliche Kosten bei der Steuererklärung absetzen. Darunter fallen jedoch nicht nur die überschaubaren Gebühren der Banken für die Verwaltung des Girokontos. Zugleich gehören auch alle anderen Gebühren, die im Zusammenhang mit den Kontoaktivitäten entstehen, zu den Kontoführungsgebühren. Dies sind beispielsweise die Kosten für die folgenden Services der Banken:

- Gebührenpflichtiger Versand von Kontoauszügen
- Gebühren für die beruflich genutzte Kreditkarte
- Entgelte für Überweisungen im In- und Ausland
- Gebühren für Umtausch und Zahlungen in Fremdwährungen

Kontoführungsgebühren in der Steuererklärung: Gibt es Unterschiede für Selbstständige, Vermieter, Rentner und Co.?

Die Steuererklärung ist individuell. Je nach Anspruchsgruppe können sich die Voraussetzungen unterscheiden. Deshalb wollen wir im folgenden Abschnitt einen Blick darauf werfen, wie es bei Selbstständigen, Rentnern, Vermietern oder Anlegern um die Kontoführungsgebühren in der Steuererklärung 2022 bestellt ist.

Selbstständige: Bei einer rein geschäftlichen Nutzung des Geschäftskontos können alle Kosten abgesetzt werden, die mit dem Konto in Verbindung stehen. Diese werden dann als Betriebsausgabe in der Steuererklärung 2022 geltend gemacht.

Rentner: Rentner müssen ihr Einkommen ebenfalls versteuern. Eine jährliche Pauschale von 16 Euro ist zulässig, die bei den Werbungskosten geltend gemacht wird. Schließlich kann ohne Konto keine Rente ausgezahlt werden.

Vermieter: Vermieter müssen ihre Mieteinkünfte in der Einkommenssteuererklärung berücksichtigen. Kosten für die Kontoführung, die beispielsweise ausschließlich aus den Mieteinkünften herrühren, können als Werbungskosten für die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung berücksichtigt werden.

Anleger: Für Anleger gibt es keine Möglichkeit, die Kontoführungsgebühren in der Steuererklärung zu berücksichtigen.

Kann man Kontoführungsgebühren absetzen? Das sagen die Gerichte!

Zwar entscheidet zunächst das zuständige Finanzamt über die Steuererklärung und stellt den Steuerbescheid aus. Im Zweifelsfall kommt es jedoch irgendwann zu einem Gerichtsurteil. Schließlich ist die Verwaltung in Deutschland an das geltende Recht gebunden. Die Rechtsprechung setzt den Rahmen und entscheidet, wann eine Praxis rechtskonform ist.

In der Vergangenheit haben sich die Gerichte in Deutschland immer wieder mit den Kontoführungsgebühren in der Steuererklärung beschäftigt.

Selbstverständlich können Steuerpflichtige höhere Beträge als 16 Euro als Werbungskosten absetzen, sofern ein Nachweis darüber gelingt (vgl. FG Münster vom 18.9.1996, EFG 1997, S.160).

Bei einer gemischt privat-beruflichen Nutzung des Kontos können die Kontoführungsgebühren anteilig aufgeschlüsselt werden. Somit wirkt sich eine zumindest auch private Kontonutzung nicht dergestalt aus, dass die Kontoführungsgebühren nicht abgesetzt werden können (vgl. BFH vom 9.5.1984, BStBl. 1984 II S.560).

Wenn man im Ausland tätig ist und der Arbeitgeber das Gehalt auf ein Inlandskonto überweist, können Überweisungskosten zu einem Konto vor Ort entstehen. Diese lassen sich in der Steuererklärung absetzen (BFH-Urteil vom 19.1.1996, BFH/NV 1996 S. 541).

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