Gesundheit

Wie schädlich ist die Kombination von Alkohol und Antibiotika?

11.8.2022, 09:04 Uhr
Darf man Alkohol und Antibiotika mischen? Die Antwort erfahren Sie hier.

© moritz320, Pixabay, LizenzCC Darf man Alkohol und Antibiotika mischen? Die Antwort erfahren Sie hier.

Antibiotika sind aus der heutigen Medizin nicht mehr wegzudenken. Bei schweren Infektionen können sie Leben retten, ansonsten beschleunigen sie die Heilung manch einer Krankheit. Allerdings können Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln oder eben Alkohol entstehen. Was passiert, wenn man Antibiotika nimmt und Alkohol trinkt? Ist es lebensgefährlich oder handelt es sich vielmehr um eine Empfehlung?

Antibiotika und Alkohol: Das ist die Wirkung

Antibiotika sind verschreibungspflichtige Medikamente, welche meist über einen Zeitraum von mehreren Tagen (nach Vorgaben des Arztes) eingenommen werden. Diese helfen bei der Behandlung bakterieller Infektionskrankheiten wie beispielsweise Blasen- oder Lungenentzündungen. Auch wenn sich die Symptome durch die Einnahme schnell verbessern, muss man das Antibiotikum mehrere Tage lang einnehmen, damit die Infektion vollständig ausheilt und der Erreger eliminiert ist. Daher muss die Einnahme des Antibiotikums über den gesamten - vom Arzt vorgegebenen – Zeitraum erfolgen. Bei einem Abbruch der Einnahme können die Bakterien wieder erstarken und dementsprechende Resistenzen gegen den Wirkstoff ausbilden.

Damit das Antibiotikum seine Wirkung entfalten kann, wird von bestimmten Verhaltensweisen, wie beispielsweise Alkohol, abgeraten. Dadurch, dass das Immunsystem auch bei einer Besserung der Symptome noch gegen die Infektion ankämpft, benötigt der Körper vor allem Ruhe und Erholung. Wer Alkohol trinkt, strengt seinen Körper zusätzlich an und schwächt sein Immunsystem. Die Erkrankung könnte somit zurückkommen und sich schlimmer als zuvor ausbreiten.

Warum sollte man keinen Alkohol konsumieren, wenn man Antibiotika einnimmt?

Alkohol schädigt durch seine nerven- und zellschädigende Wirkung den Organismus zusätzlich. Daher sollte auch bei einer akuten Erkrankung, unabhängig von einem verordneten Antibiotikum, auf den Alkoholkonsum verzichtet werden. Gleichzeitig vertragen sich aber auch einige Antibiotika nicht mit Alkohol, da es zu Wechselwirkungen der enthaltenen Substanzen kommen kann.

Antibiotika und Alkohol: Welche Folgen drohen?

Die Folgen hängen vom Inhaltsstoff des Antibiotikums und dem Ort der Verstoffwechselung ab (entweder in der Niere oder in der Leber). Substanzen, die in der Leber abgebaut werden – genau wie der Alkohol – rufen somit besonders häufig Wechselwirkungen hervor. Daher dürfen bestimmte Wirkstoffe auf keinen Fall mit Alkohol kombiniert werden. Andere Wirkstoffe können zu einer verminderten Wirksamkeit des Antibiotikums führen. Vor allem Patienten, die unter chronischen Leber- oder Nierenschäden leiden und dann Antibiotika einnehmen, begeben sich durch die Kombination mit Alkohol bei einem schlimmen Verlauf sogar in Lebensgefahr.

Metronidazol und Alkohol

Der Wirkstoff "Metronidazol" kommt häufig in Antibiotika vor und sollte nicht mit alkoholischen Getränken kombiniert werden. Der Wirkstoff wird insbesondere im Hals-Nasen-Ohren-Bereich oder bei Infektionen des weiblichen Geschlechtsorgans angewendet. Medikamente mit Metronidazol blockieren das Enzym ALDH im Körper, das für den Alkoholabbau im Organismus von entscheidender Bedeutung ist. Wenn dieses Enzym fehlt oder nicht in ausreichendem Maße vorhanden ist, erfolgt der Abbau von Alkohol nur noch vermindert oder gar nicht mehr.

Die Nebenwirkungen von Antibiotika und Alkohol

Bei gleichzeitiger Einnahme von Antibiotika und Alkohol kann es zu folgenden Nebenwirkungen kommen:

· Übelkeit
· Erbrechen
· Hautrötungen
· Kopfschmerzen
· Herzrasen
· Kältegefühl in den Armen und Beine
· Blutdruckabfall
· Herzinfarkt

Dabei wird auch vom sogenannten "Antabus-Effekt" gesprochen.

Gleiche Effekte können auch bei Wirkstoffen wie Cefamandol, Tinidazol, Cotrimaxazol, Cefotetan oder Nitrofurantoin auftreten. Die Nebenwirkungen können auch einige Tage nach der Einnahme noch entstehen, sodass zwischen der letzten Medikamenteneinnahme und dem Alkoholkonsum drei Tage liegen sollten.

Doxycylin und Alkohol

Bei der Einnahme des Antibiotikums Doxycylin (beispielsweise zur Behandlung von Atemwegserkrankungen, Borreliose oder Milzbrand) sollte ebenfalls auf Alkohol verzichtet werden. Aufgrund des gleichzeitig stattfindenden Alkoholabbaus verstärkt sich die Aktivität in der Leber, sodass der Arzneistoff schneller abgebaut wird, was mit einer verringerten Wirkstoffmenge im Körper einhergeht. Die Bakterien können sich trotz Antibiotika weiter ausbreiten und resistent gegenüber dem Wirkstoff werden. Das Gleiche gilt auch für den Wirkstoff Erythromycin, der häufig bei akuten Erkrankungen wie Keuchhusten, Mittelohrentzündung oder Bronchitis eingesetzt wird.

Gibt es Antibiotika, die sich mit Alkohol vertragen?

Eine Antibiotika-Einnahme mit gleichzeitigem Alkoholkonsum ist nie empfehlenswert. Obwohl beispielsweise dem Wirkstoff Cefuroxim (Infektionen der Atemwege, der Knochen oder bei Blasenentzündungen) nachgesagt wird, dass er sich mit Alkohol verträgt, sollte auch bei der Einnahme eines solchen Antibiotikums auf Alkohol verzichtet werden. Dem Körper wird durch den Alkoholkonsum zusätzlich Energie entzogen, die er zur Bekämpfung der Erkrankung dringend benötigt. Auch wenn auf der Packungsbeilage keine Hinweise zum gleichzeitigen Verzehr von Alkohol stehen, sollte der Konsum lieber unterlassen werden.

Was sollte man tun, wenn man während der Antibiotika-Einnahme nicht auf Alkohol verzichten möchte?

Wer trotz einer schwer infektiösen Erkrankung mit Antibiotika-Einnahme nicht auf den Konsum von Alkohol verzichten möchte, sollte seinen eigenen Alkoholkonsum intensiv reflektieren. Wenn ein chronischer Alkoholkonsum oder eine Alkoholsucht vorliegen, sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden. Durch die Suchterkrankung wird das Immunsystem langfristig geschwächt, sodass Infektionen oder andere Erkrankungen auftreten. Bei einem chronischen Alkoholmissbrauch oder einer Alkoholsucht sollte zugleich schnell gehandelt werden. Dazu sind eine körperliche Entgiftung und die Behandlung in einer qualifizierten Suchtklinik dringend empfehlenswert. Um einen Rückfall zu vermeiden und eine langfristige Abstinenz zu gewährleisten, sollte auch nach dem Entzug eine professionelle ambulante Nachsorge erfolgen.

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