Studie bestätigt

Neue Omikron-Impfstoffe könnten besser vor BA.5 schützen als erwartet

Alice Vicentini
Alice Vicentini

E-Mail zur Autorenseite

6.9.2022, 05:49 Uhr
Die EMA hat die Genehmigung für die neuen Omikron-Impfstoffe erteilt.

© Jannis Chavakis, Jannis Chavakis/KNA Die EMA hat die Genehmigung für die neuen Omikron-Impfstoffe erteilt.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hatte am Donnerstag grünes Licht für die beiden Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna gegeben, die an den Subtyp BA.1 der Omikron-Variante des Coronavirus angepasst sind. Am Freitag ließ die EU-Kommission die Vakzine zu. BA.1 spielt in Deutschland zwar keine Rolle mehr, Experten gehen jedoch davon aus, dass die neuen Impfstoffe auch einen Vorteil gegen den derzeit dominierenden Subtyp BA.5 bringen.

Infektiologe: Omikron-Booster kommen zu spät

Doch die erwartete EU-Zulassung der beiden angepassten Corona-Impfstoffe kommt aus Sicht des Münchner Infektiologen Clemens Wendtner zu spät. Er verwies in der Augsburger Allgemeinen darauf, dass die Omikron-Sublinie BA.1, gegen die die neuen Mittel besonders gut schützen sollen, in Deutschland keine Rolle mehr spielt. "Man erkennt da mit bloßem Auge, dass der neue Impfstoff zu spät kommt." So langsam sickere bei vielen durch, dass der Impfstoff nicht vollumfänglich das halte, was suggeriert werde, ergänzte Wendtner. Zwar wirkten die Präparate in gewissem Maße auch gegen die aktuell vorherrschenden Sublinien BA.4 und BA.5 - das habe das bisherige Präparat aber auch schon getan.

Außerdem hätten viele Menschen auf die neuen Vakzine gewartet, anstatt sich den zweiten Booster mit den bestehenden Impfstoffen zu holen. Ein Fehler, gerade für besonders gefährdete Personen mit Vorerkrankungen.

Ergebnisse einer Studie aus Portugal überraschen

Wie Focus Online berichtet, zeigen bereits mehrere Studien, dass die bisherigen Impfstoffe eine gute Schutzwirkung gegenüber BA.5 aufweisen, jedoch in geringerem Ausmaß als gegenüber BA.1.

Eine neue Studie aus Portugal, die am 31. August im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, liefert jedoch überraschende Erkenntnisse: Daraus ließe sich ableiten, dass die an BA.1 angepassten Impfstoffe gegen BA.5 wirksamer sein könnten als vermutet.

Durch die Analyse der Daten aus dem Nationalen Corona-Register (SINAVE) kamen die Forscher zum Ergebnis, dass Menschen, die sich in der ersten Welle mit BA.1 oder BA.2 ansteckten, in der BA.5-Welle kaum infiziert waren.

Schutzwirkung durch BA.1- und BA.2-Infektion vor BA.5 am stärksten

Die Verbreitung von BA.1 und BA.2 in Portugal war Anfang des Jahres besorgniserregend. Die Infektionszahlen schossen in die Höhe, obwohl 98 Prozent der Studienpopulation bereits grundimmunisiert und die meisten Infektionen daher Durchbruchinfektionen waren. Weil nur nach drei Monaten die BA.5-Welle auftrat, wurde davon ausgegangen, dass eine BA.1- oder BA.2-Infektion keinen ausreichenden Schutz vor einer weiteren Ansteckung biete.

Die aktuelle Studie zeigt jedoch, dass dies nicht der Fall ist. Den besten Schutz gegen eine weitere Infektion mit BA.5 bot demnach eine vorherige Infektion mit BA.1 und BA.2 mit einer Schutzwirkung von 75,3 Prozent, so Focus Online. Die Schutzwirkung anderer Typen war deutlich geringer: Eine frühere Ansteckung mit Delta bot zum Beispiel eine Schutzwirkung von 61,3 Prozent, eine frühere Infektion mit Alpha hingegen nur 54,8 Prozent.

Allerdings weisen die Autoren darauf hin, dass die Infektionen mit den Varianten, die es vor Omikron gab, länger zurückliegen und die Immunität dadurch möglicherweise nachgelassen hat. Dennoch macht die Studie Hoffnung, dass die neuen Impfstoffe, die letztens zugelassen wurden, einen höheren Schutz gegen BA.5 bieten, obwohl sie an BA.1 angepasst sind.

Verwandte Themen