Schutz bei Genesenen

Reinfektionen mit Corona: Was Sie über Wiederansteckungen wissen sollten

sde

22.4.2022, 13:15 Uhr

Stecken sich genesene Corona-Patienten erneut mit dem Virus an, spricht man von einer Reinfektion. Direkt nach einer ursprünglichen Infektion beträgt das Risiko einer abermaligen Ansteckung laut einer US-Studie nur rund fünf Prozent, allerdings steigt es in den darauffolgenden 17 Monaten auf bis zu 50 Prozent an. Bedeutet: Ebenso wenig wie eine Impfung kann eine Infektion grundsätzlich und gänzlich vor einer weiteren Ansteckung schützen. "Allerdings sinkt nach mehrmaligem Kontakt mit dem Virus das Risiko für schwere Verläufe oder Tod", erklärte Prof. Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Noch-Institut für Tropenmedizin in Hamburg gegenüber Bild.de.

Wie lange ist man nach einer Ansteckung vor einer weiteren geschützt?

"Das kann man pauschal nicht sagen", erklärte Prof. Schmidt-Chanasit. Die Wahrscheinlichkeit, "nur wenige Wochen nach einer Infektion eine erneute Infektion durchzumachen, ist sehr niedrig" – und tritt vor allem dann auf, wenn eine neue Variante in Umlauf kommt. So konnte man diese Entwicklung beispielsweise in der Übergangszeit zwischen Delta und Omikron beobachten.

Grundsätzlich gilt sowohl für Infektionen bei Genesenen als auch für Durchbruchsinfektionen nach einer Impfung: "Je länger der letzte Viruskontakt her ist, desto höher kann die Wahrscheinlichkeit sein, sich erneut zu infizieren." Weitere Faktoren, die eine mögliche Wiederansteckung beeinflussen, sind beispielsweise die Virenlast, die Art des Kontakts mit dem Virus, aber auch die Intensität der vorangegangenen Corona-Infektion.

So wirkt sich der Impfstatus auf ein Reinfektions-Risiko aus

Letzteres belegt eine noch nicht veröffentlichte Studie aus den USA: Die Forscher bewiesen für die Delta- und die Omikron-Variante, dass die Antikörperzahl bei Menschen, die eine Infektion mit schweren Symptomen durchmachen mussten, höher ist als bei Menschen, die einen milden Verlauf erlebten. Die Anzahl der Antikörper hänge demnach von der Intensität der Symptome ab, beeinflusse aber nicht direkt das Risiko einer Reinfektion: Wie gut das menschliche Immunsystem auf das Virus reagiert, hänge laut Prof. Schmidt-Chanasit auch von der "zellulären Immunität" ab. Durch eine Infektion regt das Immunsystem nämlich die Bildung von Killer-Zellen an, die die Viren bekämpfen. Diese Zellen können allerdings schlechter gemessen werden als Antikörper.

Ein weiterer Aspekt, der das Risiko einer Reinfektion beeinflussen kann, ist der Impfstatus. Bei Ungeimpften ist die Wahrscheinlichkeit, sich erneut anzustecken, mehr als doppelt so hoch wie bei Genesenen, die zusätzlich vollständig geimpft sind. Das zeigt eine Studie aus den USA. Außerdem sind ungeimpfte Genesene, die sich mit einer anderen als der Omikron-Variante infiziert haben, nur geringfügig gegen ebendiese geschützt. Demnach sei für diese Personen mindestens eine Auffrisch-Impfung zu empfehlen.

Diesen Vorteil bringen Reinfektionen

Prof. Schmidt-Chanasit prognostiziert: "In Zukunft werden Reinfektionen immer häufiger vorkommen – und ist auch gut so." Denn: Jeder Kontakt mit dem Virus erzeugt einerseits eine noch breitere Immunität gegen verschiedene Varianten und erinnert andererseits das Immunsystem daran, dass es diese Viren bekämpfen muss. Somit ermöglichen Reinfektionen quasi, "dass wir langfristig mit dem Virus leben können und der Schutz vor schwerer Erkrankung und Tod der gesamten Bevölkerung steigt".

Für einen möglichst breiten Immunschutz sind laut der Deutschen Gesellschaft für Virologie mindestens drei Kontakte mit dem Spike-Protein des Virus nötig – also beispielsweise durch drei Impfungen oder durch eine Infektion und zwei Impfungen. Wichtig ist, das belegt eine deutsche Studie, hierbei die Einhaltung eines bestimmten zeitlichen Abstandes zwischen den Kontakten, um eine tatsächliche Steigerung der Antikörperantwort zum Beispiel bei der zweiten Impfung hervorzurufen.