Rote, schmerzhafte Hautbläschen

"Tomatengrippe": Forscher warnen vor neuartigem Virus bei Kindern

Eva Orttenburger
Eva Orttenburger

Online-Redaktion

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25.8.2022, 09:35 Uhr
Ein Krankenhaus in Indien: Bei vielen Kindern ist das sogenannte Tomatenfieber festgestellt worden (Symbolbild).

© Rajesh Kumar Singh/AP/dpa Ein Krankenhaus in Indien: Bei vielen Kindern ist das sogenannte Tomatenfieber festgestellt worden (Symbolbild).

Über 82 Kinder haben sich in Indien bis Ende Juli mit der "Tomatengrippe" beziehungsweise dem "Tomatenfieber" infiziert. Noch tritt das neuartige Virus nicht flächendeckend auf, allerdings ist es ähnlich ansteckend wie Covid-19 und die Affenpocken. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler warnen deshalb vor weiteren Ausbrüchen weltweit.

Betroffen sind vor allem Kinder unter fünf Jahren. 26 Kinder unter zehn Jahren stehen in Indien zudem im Verdacht, sich mit der "Tomatengrippe" infiziert zu haben. Die Symptome ähneln denen einer Corona-Infektion, doch die Erreger sind nicht miteinander verwandt. Die Regierungen der betroffenen Regionen in Indien ergreifen nun Maßnahmen, um die Ausbreitung des Virus auf das gesamte Land beziehungsweise andere Staaten zu verhindern.

Tomatengrippe-Virus: Das sind die Symptome

Laut einem Beitrag im Lancet Respiratory Medicine Journal wurde das Virus erstmals am 6. Mai 2022 im südindischen Bundesstaat Kerala in der Stadt Kollam nachgewiesen. Den Namen "Tomatengrippe" erhielt die Krankheit aufgrund der Symptome bei Infizierten: Am gesamten Körper treten rote, schmerzhafte Bläschen auf, die im Verlauf der Erkrankung auf die Größe einer Tomate anwachsen können. Weitere Symptome sind - ähnlich wie bei Corona - Fieber, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Hinzukommen können Erbrechen, Durchfall, Gelenkschwellungen und Gliederschmerzen. Gegen die roten Bläschen sollen heiße Schwämme helfen, gegen das Fieber Paracetamol. Spezifische Medikamente oder eine Impfung gegen das "Tomatenfieber" gibt es derzeit noch nicht.

Ist die "Tomatengrippe" so gefährlich wie Corona?

Kann sich die "Tomatengrippe" auch zu einer Pandemie entwickeln? Laut den Forscherinnen und Forschern um Vivek P. Chavda, Kaushika Patel und Vasso Apostolopoulos ist das Risiko gering. "Die seltene Virusinfektion ist endemisch und gilt als nicht lebensbedrohlich", heißt es in ihrem Beitrag im Lancet Respiratory Medicine Journal. Allerdings sollten durch ein umfassendes Management und Beobachtung größere Ausbrüche verhindert werden. Denn das Virus sei "sehr ansteckend". Infizierte sollten sich laut den Forschenden mindestens fünf bis sieben Tage isolieren, um weitere Ansteckungen zu verhindern.

Das "Tomatenfieber" ist laut den Wissenschaftlern nicht mit dem Coronavirus verwandt. Vielmehr könnte es eine Nachwirkung von Chikungunya- oder Dengue-Fieber bei Kindern sein oder eine neue Variante der Hand-Fuß-Mund-Krankheit, die es auch in Deutschland gibt. Die Erkrankung verläuft bei Kindern meist harmlos. Allerdings können sich auch Erwachsene mit der "Tomatengrippe" anstecken, wenn sie näheren Kontakt zu Infizierten, deren Kleidung oder persönliche Gegenstände (Spielzeug, Essen, ...) haben.