Von Futter bis Wärmflasche

Eine Expertin rät: Das sollte man tun, wenn man ein Vogelküken im Garten findet

Volontärin beim Verlag Nürnberger Presse
Jana Vogel

Volontärin Redaktion Politik und Wirtschaft

E-Mail zur Autorenseite

5.5.2022, 10:58 Uhr
Auch wenn das Vogeljunge noch so klagend schreit: Auf dem Boden sitzende Küken sollten nicht einfach mitgenommen werden.

© Nadine Bettinghausen, NN Auch wenn das Vogeljunge noch so klagend schreit: Auf dem Boden sitzende Küken sollten nicht einfach mitgenommen werden.

Die Biologin Angelika Nelson ist beim bayerischen Landesbund für Vogelschutz (LBV) zuständig für Umweltbildung. Bei ihr an der Umweltstation werden immer wieder Vogelfindlinge abgegeben. Sie weiß, worauf man beim Aufpäppeln achten muss, und wie hoch die Überlebenschancen der Küken überhaupt sind.

Frau Nelson, was sind die häufigsten Ursachen dafür, dass Jungvögel in eine Notlage geraten?

Angelika Nelson: Wenn es noch kleine, nackte Vögel sind, ist die Ursache oft ein Sturm, bei dem das ganze Nest herunterfällt. Wenn die Jungvögel schon weiter entwickelt sind, Federn haben und ein bisschen fliegen können, verlassen sie manchmal vorzeitig das Nest. Das ist der Zeitpunkt im Leben eines Vogels, wo er am häufigsten von einem Menschen aufgegriffen wird, weil dieser meint: „Oh, er sitzt im Gebüsch und schreit“. Aber eigentlich schreit er, weil er seine Eltern auf sich aufmerksam machen will. Die kommen noch regelmäßig und füttern ihn. Da sollte man nicht eingreifen.

Wie geht man vor, wenn man einen sehr jungen Findling entdeckt?

Nelson: Wenn der Findling unverletzt ist, sollte man zuallererst schauen, ob man irgendwo das Nest sieht, und ob man ihn dahin zurücksetzen kann. Die Vogeleltern sind eindeutig die besten Eltern. Es ist extrem schwierig für uns Menschen, einen Jungvogel großzuziehen. Er muss ständig gefüttert, er muss warmgehalten werden. Er braucht vermutlich auch die Stimulation durch seine Geschwister, dass man beispielsweise gemeinsam um Futter bettelt.

Viele Vogeljunge überleben nicht

Manchmal kommen die Eltern nicht wieder. Wie erkennt man, dass die Jungvögel wirklich nicht mehr versorgt werden?

Nelson: Wenn die Jungvögel einmal geschlüpft sind und im Nest sitzen, müssen sie sehr häufig gefüttert werden. Wenn man das Nest beobachtet und in einer Stunde geschieht gar nichts, muss man vermuten, dass etwas passiert ist. Man sollte gut beobachten, bevor man eingreift, denn die Chance, dass ein Jungvogel in menschlicher Obhut überlebt, ist einfach um so viel schlechter.

Wie hoch ist denn überhaupt die Überlebenschance in menschlicher Obhut?

Nelson: Das hängt davon ab, wie alt der Vogel ist und um welche Vogelart es sich handelt. Eine Kollegin hat schon mehrfach eine Taube großgezogen, das war kein Problem. Aber manche Singvögel sind dermaßen klein, da ist es schon schwer, das Futter in den Schnabel zu bekommen, und sie sind auch nicht so robust. Wenn die kleinen Vögel innere Verletzungen vom Sturz aus dem Nest haben oder von einer Katze erwischt wurden, stehen die Chancen schlecht.

Wie geht man beim Aufpäppeln vor?

Nelson: Zuerst muss man den Vogel auf Verletzungen untersuchen. Dann muss man eine Art Nest bauen, denn wenn ein Jungvogel noch keine Federn hat, kann er seine Körpertemperatur nicht regulieren und muss warmgehalten werden. Man kann ihn auch auf eine nicht zu heiße Wärmflasche setzen. Dann braucht man artgerechtes Futter. Am besten wendet man sich an eine Auffangstation. Nicht unbedingt, um den Vogel dorthin zu bringen, aber um sich Informationen zu holen.

Wenn alles gut geht: Wie entlässt man einen großgezogenen Vogel in die Freiheit?

Nelson: Wenn er größer wird, kann man den Vogel in einen Käfig oder eine Voliere setzen, damit er Flugübungen machen kann. Man füttert noch eine Weile weiter und dann öffnet man die Voliere. Der Vogel hat ja noch kein Revier, also sucht man je nach Vogelart einen Ort, an dem er die passenden Lebensbedingungen findet. Ein naturnaher Garten mit vielen Versteckmöglichkeiten wäre toll. Aber man muss schauen, dass dort keine Katzen sind.

Keine Kommentare