Brummi mit Brennstoffzelle

Wasserstoff-Laster PH2P: Dieser Öko-Truck kommt aus Vilshofen

29.8.2022, 20:11 Uhr

© Hersteller

2035 heißt es, Abschied vom Verbrenner zu nehmen. So will es bekanntermaßen die EU. Das Aus betrifft Pkw einerseits und leichte Nutzfahrzeuge andererseits. Letztere haben nach Zahlen der Europäischen Umweltagentur im Jahr 2019 knapp 40 Prozent der verkehrsbedingten Emissionen in der EU verursacht, freilich bei weitem nicht allein, sondern gemeinsam mit den dickeren Schwerlastern. Die Fahrtrichtung ist deshalb klar: Auch Brummis müssen sich in Richtung Klimaneutralität bewegen.

Strom statt Sprit also? So könnte es aussehen. Hersteller wie Volvo Trucks, Scania, DAF oder Mercedes haben bereits batterieelektrische Laster vorgestellt. Deren Sinnhaftigkeit ist allerdings nicht unumstritten, vor allem mit Hinblick auf die erforderlichen großen und schweren Akkus, deren Gewicht nicht zuletzt die Nutzlast schmälert.

Mehr Chancen sehen viele Experten in einer anderen Form des Elektroantriebs – dem mit Brennstoffzelle nämlich. Zu den Befürwortern gehört auch der Sonderfahrzeugbauer Paul aus dem niederbayerischen Vilshofen. „Kombiniert mit einer Brennstoffzelle ist Wasserstoff ein äußerst vielversprechender Ansatz, um CO2- und Feinstaub-Emissionen im Transportsektor zu reduzieren“, sagt Geschäftsführer Bernhard Wasner. Im Wasserstoff (H2) sehe man „den Energieträger der Zukunft im Lkw-Verkehr“.

Und so hat man sich daran gemacht, einen mittelschweren Wasserstoff-Truck zu entwickeln. „PH2P“ (Paul Hydrogen Power Truck) heißt er, weist ein 16-Tonnen-Fahrgestell sowie ein Zuggesamtgewicht von 24 Tonnen auf und soll mit einer 30-Kilogramm-Tankfüllung H2 bis zu 500 Kilometer weit kommen, allerdings ohne Anhänger gerechnet. Der E-Motor des Wasserstoff-Lasters entwickelt 120 kW/163 PS, die Spitzenleistung beträgt 300 kW/408 PS, maximal wird ein Tempo von 85 km/h erreicht.

Brennstoffzelle von Toyota

Die Brennstoffzelle steuert Toyota bei, der japanische Hersteller besitzt bekanntermaßen eine umfassende Wasserstoff-Expertise. Mit der Serienfertigung des PH2P, so heißt es, sei 2023 zu rechnen.

Die Paul Group ist Teil des Next Mobility Accelerator Consortiums, dem unter anderem auch Shell und das Energiehandels-Unternehmen MaierKorduletsch – gleichfalls in Vilshofen ansässig - angehören. Gemeinsam will man „eine regionale, skalierbare Wertschöpfungskette von der grünen Wasserstoff-Herstellung bis hin zur Produktion der Wasserstoff-Fahrzeuge“ schaffen. Und parallel dazu die notwendige Infrastruktur installieren: Bis Januar 2023 soll in Passau-Sperrwies eine Tankstelle entstehen, an der pro Stunde bis zu zehn Lkw Wasserstoff fassen können. Und für 2026 ist nahe Pocking ein großer „Mobility Hub“ geplant, nicht nur mit Wasserstoff-Angebot, sondern auch mit Schnelllademöglichkeiten für batterieelektrische Fahrzeuge.

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