Selbst Experten sind überrascht

Super-Immunität? Warum sich manche Menschen nicht mit Corona anstecken

Markus Maisel

Onlineredaktion

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25.3.2022, 11:06 Uhr
Trotz Kontakts zu infizierten Corona-Patienten fällt der Corona-Test bei vielen Menschen negativ aus

© Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild Trotz Kontakts zu infizierten Corona-Patienten fällt der Corona-Test bei vielen Menschen negativ aus

Ist es bei Ihnen auch schon einmal vorgefallen? Eine Person aus Ihrem Haushalt wird positiv auf das Coronavirus getestet. Wenig später zeigen auch die Tests von weiteren Familien-/oder WG-Mitgliedern zwei rote Striche an, darauf klagt noch jemand über Symptome. Nur eine Person aus dem Haushalt ist nach wie vor kerngesund und Corona-negativ - trotz vielfachen Kontakts mit infektiösen Patienten.

Auch Infektiologen sind von den oft vorkommenden Situationen überrascht. Laut Angaben der Welt können mehrere Faktoren beeinflussen, ob sich Geimpfte und Ungeimpfte mit dem Coronavirus infizieren. "Warum einige ungeimpfte Menschen besser vor Sars-CoV-2 und seinen Varianten geschützt sein könnten, ist nicht einfach zu beantworten", sagte Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, gegenüber der Welt. Wichtig sei es, dabei zwischen "anstecken" und nicht "anstecken" und "erkranken" und "nicht erkranken" zu unterscheiden.

So kann es bei vielen Menschen vorkommen, dass sich zwar mit dem Coronavirus infizieren, aber ihr Immunsystem besonders stark reagiert. Die Folge: Das Virus wurde schnell eliminiert und die Symptome blieben aus.

Kleinste Viruslast reicht oftmals

Doch wie viel Virusmenge ist überhaupt nötig, damit sich ein Mensch infiziert? In einer Studie vom Imperial College London wurden 34 gesunde junge Menschen im Alter von 18 bis 29 Jahren mit dem Coronavirus infiziert. Das Ergebnis sprach Bände: Bereits bei der kleinsten Viruslast waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer infiziert, Symptome traten bei fast allen Probandinnen und Probanden auf - jedoch nur bei fast allen.

Mehrere Faktoren sind laut Expertinnen und Experten ein Grund, warum sich viele, aber eben nicht alle infizieren. So soll neben dem Alter der Person auch das Erbgut einer Person eine Rolle spielen. Relevant sei laut Watzl der ACE-2-Rezeptor. Sars-CoV-2 dockt an diesem Rezeptor mit seinem Spike-Protein an. Beim Andocken wird das genetische Material des Virus in die Zelle eingeschleust, wo es sich daraufhin vermehrt: "Da die Menschen genetisch nicht gleich sind, können minimale Variationen bei Höhe, Breite, Tiefe oder Ähnlichem beim Gen für den ACE-2-Rezeptor auftreten. Und die können zur Folge haben, dass das Spike-Protein bei Herrn X besser auf den ACE-2-Rezeptor passt als bei Frau Y. Das hat zur Folge, dass Herr X sich leichter ansteckt als Frau Y."

Außerdem: Wenn Betroffene genetisch oder hormonell bedingt mehr ACE-2-Rezeptoren haben als andere, so kann das Virus mit einer höheren Wahrscheinlichkeit in die Zelle gelangen.

Was bei einer Corona-Infektion vor einer Erkrankung schützen kann, sind die kreuzreaktiven T-Zellen. Sie sind Teil des erworbenen Immunsystems. Dieses wird dann aktiv, wenn bereits erste Zellen des menschlichen Körpers mit dem Virus infiziert sind. Oftmals können T-Zellen aus früheren Corona-Infektionen stammen, und im Stande sein "ein Sars-CoV-2 oder Bruchstücke zu sehen".

Immunität schützt besser

In einer Studie im vergangenen Jahr demonstrierte die Virologin Alexandra Trkola von der Züricher Universität, dass Menschen besser vor schweren Covid-Verläufen geschützt sind, wenn Sie bereits eine Immunität gegen harmlose Coronaviren in sich tragen. Der Grund: Dank der T-Zellen aus überstandenen Infektionen reagiert das Immunsystem besser auf den Erreger.

Dass die T-Zellen allerdings einen vollständigen Schutz vor schweren Verläufen bieten, bezweifelt Watzl: "Sie dominieren die Immunreaktion, passen aber eigentlich nicht ganz ideal auf das 'aktuelle' Spike-Protein, weshalb die Immunreaktion suboptimal ist."

Was zu Beginn einer Infektion oftmals eine Rolle spielt, ist das Immunsystem einer Person. Es trägt sogenannte Interferone in sich. Darunter versteht man antivirale Botenstoffe, welche die Zellen darüber informieren, dass ein Virus in sie hineingelangt ist. Darauf stoppen sie die Herstellung von Proteinen und "hacken sämtliche RNA in der Zelle klein, um sicher zu gehen, dass keine Virus-RNA übrig bleibt", so Watzl.

Kinder verfügen über ein stärkeres Interferonsystem als Erwachsene. "Deshalb wird diskutiert, ob das der Grund dafür ist, dass Kinder weniger schwer erkranken als Erwachsene."

Das Immunsystem wird dann aktiv, wenn Viren die Zellen infizieren. Es dauert ein paar Tage bis es einsatzfähig ist, bei Geimpften wird es früher aktiviert, weil dann bereits Gedächtniszellen für T- und B-Zellen vorhanden sind.

Wenn man als ungeimpfte Person erstmals mit dem Virus in Kontakt kommt, müssen jene T- und B-Zellen hingegen erst gebildet werden. Dabei stellt sich die Frage, um welchen Erreger es sich handelt und welche T-Zellen darauf angepasst und vermehrt werden müssten.

Immunzellen kämpfen gegen Virus

Die Immunzellen bilden charakteristische Virusbruchstücke, die sich wie Kuchenbrösel auf einem Teller befinden. Der Teller besteht hierbei aus den körpereigenen MHC-Molekülen, die wie Heugabeln in Miniaturform aussehen. In ihnen wird ein Virusbruchstück eingebaut und den wartenden T- und B-Zellen präsentiert. Daraufhin vervielfältigen sich die Immunzellen und kämpfen gegen das Virus. Wie schnell das erworbene Immunsystem aktiviert wird, hängt von den Genen einer Person ab.

Die MHC-Moleküle variieren genetisch bedingt. Das hat einen großen Einfluss auf die Immunantwort und das Erkrankungsrisiko einer Person: "Schon kleinste genetische Unterschiede in den Genen für die präsentierenden MHC-Moleküle können die Immunantwort verändern".