Sandwich schneiden? Zweiter Teller? Kostet 2 Euro!

Preiswucher in Italien: So werden Urlauber für jeden Handgriff extra abgezockt

Tinga Horny

10.10.2023, 08:00 Uhr
Frustriert vom Tisch aufgestanden sind die Gäste, als sie die Rechnung voller Extraleistungen erhalten hatten.

© imago images/Kickner Frustriert vom Tisch aufgestanden sind die Gäste, als sie die Rechnung voller Extraleistungen erhalten hatten.

Wie die ganze Welt hat Italien unter der Pandemie gelitten, vor allem die Reisebranche. In Scharen kehrten nun im ersten Post-Pandemiejahr zunächst die Amerikaner mit ihrem starken Dollar zurück, seit Mitte des Jahres sieht man wieder vermehrt Asiaten in kleineren Rudeln überall da, wo Italien so schön ist wie auf Instagram.

Diese Gelegenheit zum Geldverdienen haben sich viele Hoteliers, Restaurantbesitzer und andere Dienstleister nicht entgehen lassen. Das ist so lange in Ordnung, solange es mit Augenmaß geschieht und Verbraucher es nachvollziehen können. Aber dem US-Nachrichtensender CNN zufolge hatten in diesem Sommer Restaurants kein Problem, zwei Euro für eigentlich gar nichts zu berechnen.

So bat am Comer See ein Paar, ob man doch bitte das Schinkensandwich halbieren könne. Wurde prompt erledigt, aber nur gegen zwei Euro auf der Rechnung. Ebenfalls stark verwundert war eine junge Mutter, die im Küstenort Ostia in einem Lokal fragte, ob man bitte das Fläschchen fürs Baby in der Mikrowelle erhitzen könne. Wurde gemacht, kostete aber zwei Euro (tja, Strom ist teuer!).

Bei Portofino war's besonders teuer

Geradezu dumm kamen sich jene Amerikaner vor, die bei Portofino in der Gaststätte um einen extra Teller gebeten hatten. Auch der kam zügig, aber nicht umsonst. Bitte zwei Euro für einen leeren Teller! Wer reist schon zur Hochsaison in die Nähe des Hochpreisorts Portofino! Zehn Cent sind verglichen mit zwei Euro nicht viel Geld, aber eine Unverschämtheit, wenn sie für ein bisschen Kakao auf dem Cappuccino verlangt werden. Kakaopulver würde zwar nie ein Italiener verlangen, trotzdem ist die Extragebühr ein unfreundlicher Akt. Wer möchte da wiederkommen?

Es geht natürlich immer noch teurer, und zwar so, dass selbst Gutverdiener sich fragen, warum sie für so wenig Service so viel bezahlen müssen. "Selbst schuld", kann man antworten. Wer auf Sardinien im Luxushotel Porto Cervo an der begehrten Costa Smeralda zwei Espresso und zwei kleine Flaschen Wasser bestellt, muss eben mit 60 Euro rechnen - allein schon wegen der Aussicht!

Besonders Urlauber, die Italiens Strände genießen wollten, mussten in dieser Saison tief in die Tasche greifen. Dem Schweizer Fachportal "Travelnews.ch" zufolge kostete ein Tag am Strand eine Familie im Schnitt rund 115 Euro. Doch mit der Exklusivität schossen die Preise weiter in die Höhe. In der Hochsaison verlangte der "Le Cinque Vele Beach Club" in Marina di Pescoluse in Salento für einen Pavillon mit vier Liegestühlen und Tisch 1035 Euro - pro Tag. Immerhin gab‘s Apéro inklusive.

In Apulien kamen zwei Liegen mit Sonnenschirm im Schnitt auf 50 Euro pro Tag. Der Tarif verdoppelte sich fast am Wochenende. Das Dreifache - 150 Euro - wurde dagegen in Portofino verlangt, und zwar unter der Woche. Preiswerter waren lediglich Viareggio und Riccione.

Hotels: ein Drittel teurer. Camping: ein Fünftel. Und Restaurants?

Insgesamt haben sich die Preise der italienischen Reisebranche genauso wie in anderen Ländern spürbar erhöht. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich Hotels um 33 Prozent verteuert, Campingplätze um 20 Prozent und Restaurants um 15 Prozent.

Während Italien in diesem Jahr auf eine Rekordzahl von 68 Millionen ausländischen Besuchern zusteuert, macht zugleich eine Rekordzahl von Italienern in preiswerteren Ländern wie Albanien, Ägypten und Montenegro Urlaub.

Italien können sich Italiener nicht mehr leisten. Selbst Ministerpräsidentin Giorgia Meloni samt Familie und Schwager verbrachte ihren Strandurlaub in diesem Jahr nicht in Bella Italia, sondern in Albanien. Und der war ganz umsonst, weil Albaniens Ministerpräsident Edi Rama alle eingeladen hatte.

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