Neubau der Senefelder-Schule: Sparen ist jetzt kaum noch möglich

Patrick Shaw
Patrick Shaw

Redaktion Treuchtlinger Kurier

E-Mail zur Autorenseite

3.12.2020, 06:00 Uhr
Noch ist eine große, planierte Fläche dort zu sehen, wo einmal die neue Vierfachsport- und Mehrzweckhalle der Treuchtlinger Senefelder-Schule stehen soll. Derzeit werden Löcher für Fundamente gebohrt.

Noch ist eine große, planierte Fläche dort zu sehen, wo einmal die neue Vierfachsport- und Mehrzweckhalle der Treuchtlinger Senefelder-Schule stehen soll. Derzeit werden Löcher für Fundamente gebohrt. © Foto: Patrick Shaw

Zwischen 16 und 17 Millionen Euro wird die neue Vierfachsport- und Mehrzweckhalle der Senefelder-Schule am Ende voraussichtlich kosten, 13 Millionen Euro waren ursprünglich geplant. Grund für die Kostenexplosion waren die Bauverzögerungen und Mängel am Fachraumtrakt, dem ersten der drei Abschnitte des mittlerweile insgesamt rund 78 Millionen Euro schweren Neubaus der größten Schule des Landkreises.

Kaum Einsparmöglichkeiten vorhanden

Der Landkreis und die Kommunen Treuchtlingen, Pappenheim, Langenaltheim und Solnhofen als Geldgeber im Zweckverband wollten deshalb nochmals über Einsparmöglichkeiten beraten. Die möglichen Reduzierungen, die Kathrin Evers vom Münchner Architekturbüro Felix und Jonas in der jüngsten Sitzung vorschlug, machen den Kohl allerdings auch kaum fett.

Da wäre zum ersten die Bodenbeläge. In den Straßenschuhbereichen könnte man den geplanten Jurastein durch Linoleum ersetzen (Spareffekt: etwa 33 000 Euro), ebenso wie das vorgesehene Parkett in den vier Turnhallen (Kostensenkung: rund 70 000 Euro). Das hätte laut Evers allerdings eine deutlich geringere Langlebigkeit zur Folge – nach etwa 20 Jahren sei das Linoleum hinüber, während das Parkett mehrfach abschleifbar und der Naturstein nahezu unverwüstlich seien. Langfristig wären die Kosten dadurch vermutlich sogar höher.

Stein und Holz statt Linoleum

Das bestätigte Kreishochbauamtsleiter Thomas Schaffrath. Das Parkett der Einfachturnhalle in Gunzenhausen sei beispielsweise bis zur Generalsanierung im Jahr 2012 mehr als 50 Jahre lang "gut in Schuss gewesen" und habe kaum Folgekosten verursacht. Zudem könne das Holz von Firmen aus der Region gepflegt werden, während für Linoleum-Reparaturen fast immer auswärtige Unternehmen beauftragt werden müssten. Dazu komme, dass die VfL-Baskets das Parkett zwingend für den Ligaspielbetrieb brauchen. Landrat Manuel Westphal plädierte dafür, als Zeichen regionalen Identität der Zweckverbandskommunen auch beim Jurastein in den Gängen zu bleiben.


Senefelder-Schule: Wie sehr stört der Baustellen-Lärm?


Ebenso klar war die Ablehnung des Gremiums, die geplante Faserzementfassade gegen ein Wärmedämmverbundsystem auszutauschen. Dies käme zwar rund 393 000 Euro günstiger, würde aber laut Evers hohe Wartungskosten wegen der durch Wetter und die Nähe zur Altmühl zu erwartenden Veralgung nach sich ziehen. Außerdem könnten die zur Bekämpfung eingesetzten Algizide im Fluss- oder Grundwasser landen, und die Fassade passe auch optisch nicht zum restlichen Neubau. Eine Reduzierung der Glasflächen rechne sich wegen der hohen Umplanungskosten und Zeitverzögerung nicht.

Leicht fiel den Verbandsräten dagegen die Entscheidung, an der Außenseite der Halle oberhalb der Prallwand den Graffitischutz wegzulassen. Die Stelle ist ohnehin kaum erreichbar, und die Streichung spart immerhin etwa 25 000 Euro.

Gespart wird an den Oberlichtern

Uneins war sich das Gremium über die nötige Zahl der Oberlichter. 40 Lichtkuppeln in fünf Reihen sollten ursprünglich für ordentlich Tageslicht in den Sporthallen sorgen. Acht der Kuppeln sind technisch notwendig, insgesamt 24 würden nach Ansicht von Kathrin Evers gerade noch die Bedingungen der Arbeitsschutzrichtlinie für die Lehrer erfüllen. Ließe man die restlichen 16 weg, würde das rund 88 000 Euro abzüglich Umplanungskosten sparen.

Rund 15 Klassen belegen Unterrichtsräume an der Westseite des Hauptgebäudes: Sie bekommen vom Baulärm am meisten mit, während an anderen Ecken der Gesamtschule wenig bis gar nichts zu hören ist.

Rund 15 Klassen belegen Unterrichtsräume an der Westseite des Hauptgebäudes: Sie bekommen vom Baulärm am meisten mit, während an anderen Ecken der Gesamtschule wenig bis gar nichts zu hören ist. © Foto: Lidia Piechulek

Sowohl Landrat Westphal und Zweckverbands-Geschäftsführer Martin Klischat als auch Langenaltheims Rathauschef Alfred Maderer und Treuchtlingens dritter Bürgermeister Hubert Stanka plädierten für die Reduzierung. Klischat wies darauf hin, dass dies auch Platz für die bei der letzten Sitzung angemahnte Fotovoltaikanlage freimachen würde und brachte ins Gespräch, sogar alle 32 möglichen Kuppeln zu streichen. In den meisten Schulen und Turnhallen brenne ohnehin ständig das Kunstlicht. Dagegen sprach sich jedoch Hochbauamtsleiter Schaffrath aus.

Weniger Tageslicht

Am Ende einigten sich die Räte auf 24 statt 40 Lichtkuppeln, was zusammen mit dem reduzierten Graffitischutz und einigen kleinen Veränderungen an den Türen unter dem Strich eine Einsparung in Höhe von knapp 120 000 Euro ergibt. Die Umsetzung gab Landrat Westphal aufgrund der laufenden Arbeiten per dringlicher Anordnung in Auftrag, da das Thema gar nicht auf der Tagesordnung stand und erst in der nächsten Verbandssitzung regulär beschlossen werden kann.


Bau beginnt: So wird die neue Vierfachsporthalle der Senefelder-Schule


Gute Nachrichten hatte Geschäftsführer Klischat anschließend in Sachen Digitalisierung im Gepäck. Von den 75 000 Euro staatlicher Förderung für den Kauf von Tablet-Computern ist nach der ersten Anschaffung noch knapp ein Drittel übrig, sodass die "Sene" am Ende rund 160 Geräte erhalten wird. Diese können sich Kinder aus Haushalten ausleihen, die sich kein eigenes Tablet leisten können, um damit am Fernunterricht teilzunehmen.

Knapp 8000 Euro Zuschuss erhält der Zweckverband schließlich laut Schul-Sachgebietsleiter Christian Tontarra für die Anschaffung von "CO2-Ampeln" für die Klassenzimmer – 7,27 Euro pro Schüler. Da seine Behörde bereits die Bestellung für die kreiseigenen Schulen aufgegeben habe, habe man hier auch der "Sene" unter die Arme gegriffen – mit überraschendem Tempo: Die 70 Geräte für die Gesamtschule kommen nun voraussichtlich früher an als die erste Order für die Kreisschulen. Die Warnanlagen sind in Deutschland hergestellt, Lieferant ist eine Nürnberger Firma.

Keine Kommentare