Neue Straßen und neue Stühle für Treuchtlingen

Patrick Shaw
Patrick Shaw

Redaktion Treuchtlinger Kurier

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4.12.2019, 06:04 Uhr

© Patrick Shaw

Bei der Einrichtung für Treuchtlingens "gute Stube" ging es nicht mehr ums "Ob", sondern nur noch darum, welche und wie viele. Rund 450 Stühle und 60 Tische braucht es für die Veranstaltungen in der Halle – von Prunksitzungen bis zum Abiball. Die alten Sitzgelegenheiten sind zwar noch intakt, aber 30 Jahre alt und entspechend abgenutzt und fleckig.

Je nach Ausführung – mit oder ohne Armlehnen, blank oder gepolstert, hell oder dunkel, mit mehr oder minder robustem Gestell – kostet ein geeigneter Stapelstuhl zwischen 65 und 140 Euro, ein Tisch zwischen 350 und 400 Euro. Diskussionen gab es über die Ergonomie der Rückenlehnen und die Frage, ob es überhaupt neue Tische brauche oder zunächst nur neue Stühle reichen. Für letzteres plädierten Uwe Linss (CSU) und Klaus Fackler (UFW). Mit einer Gegenstimme beauftragte das Gremium die Verwaltung am Ende, Angebote für Stühle in leichter Schalenform, aus hellem Holz, mit dunklen Sitz- und Rückenpolstern sowie ohne Armlehnen einzuholen. Je nach Preis soll der Stadtrat dann über die Zahl und die Frage der Tische entscheiden.

Erneuern oder weiter flicken?

In der Schlesierstraße am Patrich gab es laut Bauamtsmitarbeiter Dieter Jänsch in der Vergangenheit etliche Wasserrohrbrüche. Deshalb wurden die Leitungen ausgetauscht. Die 1960 mit einem nach heutigen Maßstäben viel zu dünnen Unterbau angelegte Straße ist entsprechend rissig und vielfach geflickt, die Randsteine kippeln, teils schwappt Regenwasser auf Gehsteige und Privatgrund.

Ein Komplettausbau der 180 Meter langen Anliegerstraße samt Wendehammer würde ohne Verstärkung des Unterbaus rund 221.000 Euro kosten, mit knapp 284.000. Bauamt und Bürgermeister Werner Baum plädierten für die abgespeckte Variante, die "auch die letzten 50 Jahre gehalten hat". Klaus Fackler (UFW) sprach sich indes dafür aus, den Ausbau ganz sein zu lassen. Die aktuelle Flickteerung tue "noch viele Jahre ihren Dienst", während andere Straßen wie etwa die Rappenbergstraße in deutlich schlechterem Zustand seien.

Marco Satzinger (CSU) machte den Kompromissvorschlag, nur die Deckschicht zu erneuern und die Gehwege zu pflastern. Das würde 100.000 Euro kosten und etwa 20 Jahre halten. Dem folgte der Ausschuss gegen die Stimme Facklers und beauftragte die Verwaltung, diese Version bis zur Beschlussfassung durch den Stadtrat nochmals durchzurechnen.

Gefährlich oder kaum der Rede wert?

In der neuen Weißenburger Straße sind die Anlieger und Bewohner des Rotkreuz-Seniorenzentrums unzufrieden mit dem offenen Entwässerungsgraben vor den neuen "Wohntürmen" des BRK. Dieser ist aus technischen Gründen mit rund 90 Zentimetern deutlich tiefer ausgefallen als geplant und auch nach Ansicht von Rathauschef Baum eine Gefahr für Passanten. Noch ist er zudem recht hässlich, das würde sich aber nach der Begrünung geben. Möglich wäre es laut Baum, den Graben zumindest vor den Gebäuden zu verfüllen und ein Drainagerohr zu legen. Das würde etwa 20.000 Euro kosten. Auch ein Geländer wäre denkbar, auch wenn es "gar keine Absturzhöhe gibt". Kosten dafür: rund 15.000 Euro.

Klaus Fackler (UFW) forderte, hier kein Geld auszugeben und stattdessen einen Blühstreifen anzulegen. Stefan Fischer (SPD) plädierte dagegen um der Sicherheit der Senioren Willen fürs Zuschütten. Er wolle "nicht bald den ersten Rollator drin liegen sehen", pflichtete ihm Bürgermeister Baum bei und erwiderte an Fackler gewandt: "Brennnesseln mögen Dir gefallen, aber nicht den älteren Herrschaften in den Wohnungen. Die rennen uns die Bude ein!"

Den Vorschlag zur Güte machte erneut Marco Satzinger, der sich allerdings ärgerte, weil er das Problem schon früher angesprochen habe. Er schlug eine Schotterpackung mit Drainage vor, die den Graben auf eine "kleine Kuhle" reduzieren würde, die dann mit Rasen oder einer Wiese begrünt werden könne. Für die rund 50 Meter vor den Wohntürmen schlägt dies mit etwa 5000 Euro zu Buche, wofür alle Ratsmitglieder außer Fackler ihr Okay gaben.

Varianten und Kosten stehen fest

Für den Ausbau der Johann-Lindner-Straße stehen nun die Kosten fest. Die künftig 4,75 Meter breite Straße, die einen engen Begegnungsverkehr zulässt, wird entlang der Nordseite (hangabwärts) von einem durchgängigen Gehweg begleitet. Im Süden des 400 Meter langen Halbkreises flankieren 2,20 Meter schmale Längsparkplätze die Fahrbahn. Ihre Zahl bleibt aber wegen der wegfallenden Grundstückseinfahrten trotz des kleineren Radius mit 40 exakt gleich. Auf Anregung des Seniorenbeirats sollen die Bordsteine zudem im Bereich der Wohnblocks stark abgesenkt werden.

An Kosten kommen auf die Stadt für diese, von den Anliegern mehrheitlich gewünschte Variante knapp 1,2 Millionen Euro zu. Gut ein Drittel davon entfällt auf die neue Kanalisation. Im Ausschuss folgten dem alle Mitglieder außer Stefan Biber und Hans König. Schon nächstes Jahr sollen die Arbeiten starten.

Die 435 Meter lange Industriestraße wird schließlich auf 6,50 Metern Breite asphaltiert, der Gehsteig wandert auf die Nordseite (Firma Alfmeier). Der zusammengebrochene Kanal auf der Gegenseite wird nicht repariert, sondern durch eine neue Leitung in der Straßenmitte ersetzt. Die Kosten summieren sich auf knapp 1,1 Millionen Euro, die der Ausschuss einstimmig zur Freigabe empfahl.

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