Trotz Corona nicht mehr Wasser für Altmühltaler

Patrick Shaw
Patrick Shaw

Redaktion Treuchtlinger Kurier

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2.9.2020, 06:27 Uhr
Riesig ist das Altmühltaler-Logistikzentrum an der Treuchtlinger Heusteige. Dennoch wurde der Konzern im März „von der Anfragemenge überrannt“.

© Patrick Shaw Riesig ist das Altmühltaler-Logistikzentrum an der Treuchtlinger Heusteige. Dennoch wurde der Konzern im März „von der Anfragemenge überrannt“.

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass die Firma Altmühltaler Mineralbrunnen im Treuchtlinger "Wasserstreit" den Kürzeren gezogen hat. Auf Druck der Bürgerinitiative "Stopp zum Raubbau am Tiefengrundwasser" und der Nachbarstadt Weißenburg sowie nach Intervention des Umweltministeriums gab es – trotz anderer Bewertung durch die Stadt Treuchtlingen und das Ansbacher Wasserwirtschaftsamt – keinen Probebetrieb für die zusätzliche Förderung von jährlich bis zu 300.000 Kubikmetern Tiefenwasser.

Auch in Sachen Aussiedlung des Getränkeriesen aus der Stadtmitte herrschte seither Funkstille. Doch hinter den Kulissen gab es im Frühjahr einen erneuten Vorstoß des Konzerns, das Förderkontingent zu erhöhen. Wie unsere Zeitung erfahren hat, hat Altmühltaler im März direkt beim bayerischen Umweltministerium eine befristete Mehrentnahme von 100.000 Kubikmetern Tiefenwasser beantragt. Als Begründung habe die Firma die wirtschaftliche Situation und Gefahr des Verlusts von Arbeitsplätzen im Zuge der Corona-Pandemie genannt. Aus den Plänen wurde jedoch nichts. Das Ministerium lehnte den Antrag ab.

"Eine klare Antwort"

Mit eingebunden war das Wasserwirtschaftsamt, wie dessen stellvertretender Leiter Roland Rösler auf Nachfrage bestätigt. Es sei um eine "kurzfristige Erhöhung der Entnahmemenge" gegangen, begründet mit dem Erhalt von Arbeitsplätzen in der Krise. Der Antrag sei jedoch "relativ knapp und unsachlich" gewesen. Corona stehe nach Auffassung der Ansbacher Behörde "als Argument in keinem Zusammenhang mit einer Mehrentnahme" – anders als es beispielsweise bei einem Hitzesommer mit erhöhtem Wasserverbrauch der Fall wäre. Deshalb habe Altmühltaler "eine klare Antwort bekommen", so Rösler. "Sie haben’s halt nochmal probiert", fügt er lapidar hinzu.

Nahezu identisch äußert sich Landrat Manuel Westphal. Erst seit 1. Mai im Amt, habe er von dem Vorgang nicht viel mitbekommen. Das Sachgebiet Wasserrecht des Landratsamtes habe aber auf Anfrage des Ministeriums ebenfalls ablehnend Stellung zu den Entnahmeplänen genommen. Darüber wurde nach eigenen Worten auch Treuchtlingens Bürgermeisterin Kristina Becker informiert, allerdings informell noch vor ihrem Amtsantritt. Stadtrat und Verwaltung waren außen vor. Generell wünsche sie sich, mit der Firma Altmühltaler "wieder zu einer Gesprächsebene zu kommen, auf der sich gemeinsam etwas bewegen lässt". Denn die Verlängerung der bestehenden Wasserrechte in gut fünf Jahren sei auch im Interesse der Kommune.

"Von der Nachfrage überrannt"

Das sieht auch Altmühltaler-Geschäftsführer Alexander Pascher so. Sobald es die Corona-Situation wieder zulasse, werde sein Unternehmen "wieder Gespräche mit der Stadt aufnehmen". Den unerwarteten Mehrentnahme-Antrag von März hält Pascher freilich für begründet. "Wir wurden von der Nachfrage überrannt", erklärt er. Da das Förderkontingent begrenzt und die Firma bei den Kunden vertraglich an Jahresmengen gebunden seien, habe die Gefahr bestanden, "dass wir im Oktober hätten zusperren müssen". Allerdings habe sich die Situation dann im April wieder entspannt.

Entschieden dementiert Pascher auch Gerüchte, nach denen Altmühltaler seine in Treuchtlingen zu entrichtenden Gewerbesteuern (Hebesatz: 330 Prozent) abziehen und ins steuerlich deutlich günstigere Grünwald bei München (Hebesatz: 240 Prozent) verlagern könnte. Dies sei "völlig aus der Luft gegriffen". Über die dort gemeldete +PRO GmbH erfolgt bislang die Rechnungslegung für die Altmühltaler-Standorte im brandenburgischen Baruth und im hessischen Breuna. Das globalisierungskritische Netzwerk Attac zählt die Gemeinde Grünwald, in der auf rund 11.000 Einwohner mehr als 7000 Firmensitze kommen, zu den "Schattenfinanzplätzen" wie Gibraltar, Barbados oder Panama.

Das Treuchtlinger Mineralwasser im Test

Inhalt hui, Flaschen pfui

Beim aktuellen Mineralwassertest der Stiftung Warentest landet das von der Firma Altmühltaler in Treuchtlingen für den Discounter Aldi Süd gewonnene Wasser "Quellbrunn Medium" (zuvor "Aqua Culinaris") mit der Gesamtnote 2,5 auf Platz 19 von 31 getesteten Produkten. Schuld an dem mittelmäßigen Ergebnis ist allerdings nicht das altmühlfränkische Tiefenwasser. Das schneidet in Sachen mikrobiologische Qualität (Note 1,0) und kritische Stoffe (1,2) nach dem unter dem selben Namen vertriebenen Spitzenreiter Kurfels Mineralbrunnen aus Duisburg mit am besten ab.

Gedrückt wird die Altmühltaler-Note durch die Verpackung in PET-Einwegflaschen (Note 3,3) und den damit verbundenen leichten Geruch und Geschmack (Note 3,0) nach Acetaldehyd, einem krebserregenden Alkoholabbauprodukt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält dessen Konzentration in PET-Flaschen jedoch für unbedenklich (manche Früchte und Käse enthalten erheblich mehr Acetaldehyd).

Altmühltaler-Geschäftsführer Alexander Pascher kritisiert deshalb, dass "PET-Einwegverpackungen bei der Stiftung Warentest immer zu einem deutlichen Abzug führen". Dies sei "völliger Nonsens, wenn man die Ökobilanz mit Mehrweg vergleicht", und an dieser Auffassung halte das Unternehmen auch fest. Für das Altmühltaler-Wasser spreche zudem, dass es 2019 zum siebten Mal in Folge von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) mit "Gold" prämiert wurde.

Zwei Plätze besser auf Rang 17 (Note 2,4) liegt im Test übrigens das bei Edeka unter der Marke "Gut & Günstig" in den Regalen stehende Altmühltaler-Mineralwasser aus der Johannesbrunnen-Quelle im brandenburgischen Baruth. Und auf Platz 10 schafft es das ebenfalls in Baruth geförderte "Quellbrunn"- Wasser von Aldi Nord aus der "Brandenburger Urstromquelle" des Treuchtlinger Getränkekonzerns. Alle drei Medium-Mineralwasser kosten im Handel lediglich 13 Cent pro Liter beziehungsweise 19 Cent pro Flasche.

Quellen: Stiftung Warentest, Wikipedia

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