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Nach Corona-Fall an Hochschule Ansbach: So geht es nun weiter

100 Studierende nach Präsenzprüfung in Quarantäne - Kritik an Hochschulleitung - 26.01.2021 17:11 Uhr

An der Hochschule Ansbach wurde ein Student nach einer Präsenzklausur im Bachelorstudiengang Angewandte Wirtschafts- und Medienpsychologie positiv auf das Coronavirus getestet. Rund 100 Kommillitonen sind nun in Quarantäne.

11.01.2021 © Nadine Schmidt, NZ


Die besagte Prüfung fand am vergangenen Freitag (22. Januar 2021) mit rund 100 Studierenden statt. Damit die Prüflinge genügend Abstand halten können, hatte die Hochschule den Onoldiasaal in Ansbach als größten Raum der Stadt gebucht. Auch Masken wurden an die Teilnehmer verteilt, die sie während der Klausur tragen mussten. Erst nach der Prüfung wurde ein anwesender Student positiv auf das Coronavirus getestet. Seitdem sind rund 100 Kommilitonen in Quarantäne.


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Der Vorfall schlägt hohe Wellen in der Residenzstadt. Hätte ein solches Szenario vermieden werden können? Michael Lang, Pressesprecher der Hochschule erklärt auf nordbayern.de-Nachfrage, dass gerade bei großen Kursen das Angebot einer Online-Prüfung schwierig sei. Es müssten unzählige verschiedene Varianten einer Aufgabenstellung angefertigt werden. Unterschleif sei nur schwer auszuschließen.

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Studierende haben außerdem ein Recht auf Präsenzprüfungen. Die Hochschule ist verpflichtet, eine Onlineprüfung zusätzlich vor Ort anzubieten, damit niemand einen Nachteil hat, zum Beispiel durch eine schlechte Internetverbindung oder familiäre Gegebenheiten.

Einteilung in Gruppen und strenges Hygienekonzept

Bereits im Vorfeld gab es Beratungen aller bayerischen Hochschulen zu dem Thema: Alle Präsidenten hätten dabei die Möglichkeiten und Grenzen von Online- und Präsenzprüfungen abgewogen. Nur eine Hochschule in ganz Bayern sei zu dem Entschluss gekommen, auf reine Online-Prüfungen zu setzen. Alle anderen Einrichtungen waren sich einig, dass es eine Kombination aus Online-, Präsenz- und praktischen Prüfungen mit entsprechendem Hygienekonzept geben müsse.

Der betroffene Studiengang Angewandte Wirtschafts- und Medienpsychologie sei bereits in Gruppen aufgeteilt worden. Von den insgesamt 400 Studierenden waren nur rund 100 zu der Prüfung am Freitag eingeteilt.

Aufschub als letzte Möglichkeit?

Die Kritik hält trotzdem an. Gegenüber dem lokalen Radiosender Radio 8 erhob eine Studentin, die nicht namentlich genannt werden möchte, schwere Vorwürfe: Man habe die Prüfung nicht einfach ausfallen lassen können, sondern hätte ein ärztliches Attest gebraucht - ansonsten hätte man die Note 5 bekommen. Pressesprecher Michael Lang stellt klar, dass dies nicht richtig sei. Studierende hätten sich bereits im Vorfeld von der Prüfung abmelden können - auch ohne Attest. Sie hätten die Klausur dann allerdings im kommenden Semester schreiben müssen.

Lange Schlange vor dem Eingang

Vor dem Onoldiasaal warten Studierende im Pulk auf den Einlass zu ihrer Prüfung.

26.01.2021 © Quelle: anonym


Unserer Redaktion liegen indes Fotos vor, die einen großen Pulk Studierender vor dem Onoldiasaal beim Warten auf den Einlass zeigen - ohne Maske oder Abstand. Lang erklärt, dass die Hochschule leider nicht kontrollieren könne, wie sich die Studenten außerhalb des Prüfungsrahmens verhalten. Ein Nordbayern.de-Leser sieht das anders: "Meiner Meinung nach hat die Hochschule auch hierfür Verantwortung, da sie bei der Ansetzung von Präsenzprüfungen mit Menschenaufläufen vor dem Prüfungssaal rechnen und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen einleiten muss, damit diese nicht zustande kommen."

Ordnungsdienst zur Kontrolle im Freien

Die Hochschule hält dagegen und appelliert an die "Eigenverantwortung der Studierenden, sich auch außerhalb der Hochschule zu schützen und Kontakte zu vermeiden, um andere Prüfungsteilnehmende nicht zu gefährden." Zudem wird künftig ein Ordnungsdienst an der Hochschule eingesetzt, der außerhalb der Prüfungsräume und im Freigelände auf die Einhaltung der Abstandsregeln und Maskenpflicht achtet. Weitere geplante Präsenzprüfungen sollen stattfinden.


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Das zuständige Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst hält sich unterdessen bedeckt. In einem Schreiben an die bayerischen Hochschulen hieß es vor der Prüfungsphase nur, dass die Einrichtungen selbst entscheiden können, welche Form sie umsetzen wollen. Präsenzveranstaltungen seien grundsätzlich zulässig. In welchem Rahmen eine Klausur stattfindet, entscheidet an der Hochschule Ansbach der jeweilige Dozent nach eigenem Ermessen. Nur wenn es "unvermeidbar" sei, sollen Prüfungen zukünftig vor Ort stattfinden.

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