Fußball in Bad Windsheim: Vereine bleiben vorsichtig

15.5.2020, 13:00 Uhr
Die Abstände passen zwar ungefähr, aber diese Trainingsgruppe wäre viel zu groß.

Die Abstände passen zwar ungefähr, aber diese Trainingsgruppe wäre viel zu groß. © Archiv-Foto: Bastian Lauer

Ball nur am Fuß, ganz klar. Kopfbälle sind verboten, glaubt man mancher Studie, kann das gar nicht schaden. Und eigentlich muss ja nur der Torwart alle paar Minuten seine Handschuhe desinfizieren. Der Vorgabenkatalog, den der Bayerische Fußballverband (BFV) vergangenes Wochenende veröffentlichte, um erste Trainingseinheiten zu ermöglichen, wurde in der Region mit Spannung erwartet. Die Reaktionen bei den Vereinen sind zwar unterschiedlich, doch alle teilen eine Herangehensweise: Man ist vorsichtig.

Beim FSV Bad Windsheim saß der Vorstand am Montagabend zusammen. Man wolle es zumindest versuchen, war sich die Runde einig. Kommende Woche soll es ein Gespräch mit Trainern und Betreuern, vor allem von der JFG Aischgrund geben, um die Umsetzbarkeit der Gedankenspiele durchzuspielen. Gegen Ende Mai könnte man sich dann erste Testtrainings vorstellen. Zuvor müssten erst einmal Desinfektionsmittel und Handschuhe besorgt werden, die den Mannschaften zur Verfügung gestellt werden sollen.

Erfahrungen abwarten

"Wir müssen nicht die ersten sein, die da auf dem Platz rumrennen", sagt Steffen Protz, Spielleiter des SV Ergersheim. Er könne sich nicht vorstellen, dass schon im Mai trainiert wird. Man wolle abwarten, welche Erfahrungswerte anderswo gesammelt werden. Allerdings macht er auch deutlich, dass die Lage in sozialer Hinsicht schwierig ist. "Wir wollen den Kontakt zu den Spielern nicht verlieren." Man müsse sich deshalb mit dem Thema Training auseinandersetzen und der Vorstand bespreche sich laufend.

Etwas weiter ist da Bernd Schuh, Trainer und Abteilungsleiter beim TSV Marktbergel. "Ich biete das auf freiwilliger Basis an", sagt er. Der Plan sei, am 21. Mai zu starten, wobei die vielen Spieler strikt getrennt werden sollen. Einzelne Spieler hätten bereits erklärt, dass sie Interesse an einer Teilnahme hätten. Viel könne man angesichts der Vorgaben natürlich nicht machen, gibt Schuh zu. Aber es gebe immer was, Passübungen und Torschuss würden zwangsläufig im Fokus stehen. Und ihm gehe es vor allem darum, einfach mal etwas anderes anzubieten. Zwar seien einige Spieler in der fußballfreien Zeit sehr fleißig gewesen und hätten viele Laufeinheiten durchgeführt. Doch am Ende des Tages seien sie alle Fußballer. Die wollen, natürlich, den Ball am Fuß.

Ganz anders sieht es beim SSV Egenhausen aus. "Wir werden nichts machen", macht Vorsitzender Jürgen Hoffmann klar. "Unter diesen Voraussetzungen" sei ein "normales Training" nicht möglich. Gerade im Herrenbereich mach es aus seiner Sicht deshalb keinen Sinn, schon jetzt mit Übungseinheiten zu beginnen. Das ganze Kameradschaftliche, das für ihn zum Amateursport dazugehört, würde fehlen. Zwar stehe Trainer Gerd Fleischmann "jederzeit in den Startlöchern", aber man sei sich einig, vorerst kein Training anbieten zu wollen.

Die große Frage der Haftung

Weiterer ganz entscheidender Faktor sei für Hoffmann die Frage nach der Haftung. Die Verantwortung bei Verstößen gegen die Auflage läge bei ihm als Vorsitzenden, das Risiko wolle er aktuell nicht tragen. Aus seiner Sicht sei es sinnvoller zu warten, bis es weitere Lockerungen gibt. Denn mit Blick auf den anvisierten Termin zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs am 1. September "müssen sie uns mindestens vier Wochen vorher das Training erlauben". Das sei genug Zeit.

Das gibt der BFV vor

- Trainingsgruppen bestehen aus maximal fünf Personen (inklusive Betreuer)

- pro Platzhälfte sind zwei solcher Gruppen erlaubt

- der Ball wird nur mit dem Fuß bewegt, Einwürfe sind verboten

- Kopfbälle sind verboten

- Jeder benutzt ein eigenes Leibchen und persönliche Getränkeflaschen

- nur solche Spielformen sind erlaubt, bei denen der Mindestabstand (1,5 Meter) gewährleistet ist, auch beim Tragen von Toren ist auf den Abstand zu achten

- es gibt keine Zweikämpfe

- Umkleidekabinen und Duschen sind tabu, Spieler kommen umgezogen und einzeln zum Training, sie verlassen das Sportgelände in ihren Trainingsklamotten

- Betreuer sollen Anwesenheitslisten führen

- wer Symptome einer Erkältung zeigt, soll zu Hause bleiben

- keine Zuschauer

- Vereine sollen Möglichkeiten zur Desinfektion am Trainingsplatz schaffen

- nur das nötigste Trainingsmaterial ist im Einsatz (Bälle, Hütchen, Leibchen) und ist vor und nach dem Training zu desinfizieren

- Torwarthandschuhe sind im Training regelmäßig zu desinfizieren, der Torwart soll sich nicht ins Gesicht fassen und nicht in die Handschuhe spuken

- Spucken ist generell zu vermeiden, auch Naseputzen auf dem Spielfeld

- Nachwuchs: Eltern sollen beim Bringen und Holen der Kinder das Sportgelände nicht betreten; zunächst darf nur die U12 und älter trainieren, jüngere Jahrgänge noch nicht.

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