Mit Kran im großen Baukasten: Synagoge entsteht neu im Freilandmuseum

3.6.2021, 06:00 Uhr
Ein Balken für die Decke der Synagoge schwebt ein. An der dunklen Färbung sind die Originalteile zu erkennen. Der Rest wurde ergänzt.

Ein Balken für die Decke der Synagoge schwebt ein. An der dunklen Färbung sind die Originalteile zu erkennen. Der Rest wurde ergänzt. © Foto: Claudia Lehner

Die Wände des Erdgeschosses stehen zum großen Teil schon, gerade werden die Deckenbalken gesetzt. Das Fränkische Freilandmuseum in Bad Windsheim wächst derzeit um ein weiteres Gebäude, ein ganz besonders. Die Einzelteile der Synagoge aus Allersheim waren seit 2014 eingelagert, gut verpackt auf einem Gelände am westlichen Eingang des Museums. Nicht weit entfernt werden sie nun wieder zusammengesetzt.

Im Dezember sind bereits die steinernen Teile der Wände aufgestellt worden. Teilweise im Original, ergänzt mit neuem Mauerwerk. In den vergangenen zwei Wochen kam Fachwerk dazu, vorbereitet in der Werkstatt und eingepasst an Ort und Stelle. Eine Art Baukastenprinzip, wie Restaurator Dieter Gottschalk erklärt. So gehe das Aufbauen selbst recht schnell. Bei einem historischen Gebäude jedoch mit gewissen Unbekannten. "Es muss am Ende eben passen."

Das sei eine übliche Vorgehensweise, auch früher schon, ergänzt Dr. Markus Rodenberg, seit einiger Zeit stellvertretender Museumsleiter. So brauche man weniger Platz und Zeit auf der Baustelle.

Erbaut 1742

1742 war die Synagoge im unterfränkischen Allersheim erbaut worden, als Fachwerkbau, 1815 wurden die Wände durch Steine ersetzt. Diese Baugeschichte wird beim Wiederaufbau abgebildet: Es gibt Wände in Stein und in Fachwerk, wie Gottschalk erklärt. 1912 war das Gebäude von einem Landwirt erworben und dann auch nicht mehr als Synagoge genutzt worden.

Solche Schilder, wie hier am Bauzaun der Synagoge aus Allersheim, sind auch an vielen anderen Häusern im Museum zu sehen.

Solche Schilder, wie hier am Bauzaun der Synagoge aus Allersheim, sind auch an vielen anderen Häusern im Museum zu sehen. © Foto: Claudia Lehner

Aktuell wird die Decke gebaut, dann folgt das zweite Stockwerk. Obergeschoss und Dach bildeten einen hohen Raum, den Betsaal, im Erdgeschoss lebte der Rabbiner. Gottschalk hofft, dass noch heuer das Dach aufgesetzt werden kann. Eröffnung könnte im Jahr 2022 sein.

Wenn die Synagoge steht, wird sie etwas Besonders sein. Andere Freilichtmuseen im süddeutschen Raum hätten so etwas noch nicht, sagt Gottschalk. Museumsbesucher können sich schon jetzt einen Eindruck verschaffen und den Fortschritt am Aufbauort zwischen dem Schulhaus aus Pfaffenhofen und der Schafscheune aus Weiltingen verfolgen. Natürlich ist mit Bauzäunen für die Sicherheit gesorgt, doch kommt man nahe genug heran, um zu sehen, was sich gerade tut.

Wie zufällig an den Bauzaun ge-lehnt, steht dort ein Schild. Es erklärt, was eine Mikwe ist, ein jüdisches Ritualbad, wie es sie auch im Keller der Synagoge aus Allersheim gibt. Vorbereitet hat die Schilder der wissenschaftliche Volontär Jonas Blum. Sie bilden eine dezentrale Ausstellung, die das Museum aus Anlass des Festjahres 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland veranstaltet, und die laut Blum zeigen soll, wie weit verbreitet jüdisches Leben hier war. Es gibt jeweils ein Schild zum jüdischen Leben beispielsweise in Ergersheim oder Burgbernheim, dazu an jedem der Häuser eines zu verschiedenen Themen, wie dem Leben eines Rabbiners oder dem jüdischen Frauenbund.

Die Schilder stehen bereits. Noch mehr zu jüdischem Leben gibt es dann in der Themenwoche, vom 21. bis 27. Juni, zu erfahren. Da coronabedingt die großen Feste ausfallen, gibt es bei diesen Wochen unter dem Hashtag #freilandfürzuhause digital auf den Social-Media-Kanälen des Museums (Facebook, Instagram und Twitter) viele Informationen, verbunden mit dezentralen Ausstellungen. Ebenfalls digital gibt es den Mitmach-Mittwoch mit Aktionen, soweit möglich wird auch etwas im Museum geboten. Geplant ist unter anderem für den 22. Juni ein Vortrag zu Synagogen in Franken.

Keine Kommentare