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Schusswaffen pro Kopf in Deutschland: Fränkischer Landkreis belegt Platz drei

Zuzüge und Erbschaften haben Einfluss auf die Zahlen - 09.03.2021 06:00 Uhr

Sammlerstücke aller Art, Jagdwaffen, Sportwaffen – es gibt vielfältige Gründe, Waffen zu erwerben und bei den Behörden entsprechend registrieren zu lassen. Im Landkreis Neustadt-Bad Windsheim ist deren Zahl seit jeher verhältnismäßig hoch.

08.03.2021 © Foto: Günter Distler


Man muss schon genauer hinsehen, ist aus dem Landratsamt zu hören. 178 Waffen pro 1000 Einwohner haben dem Landkreis in der Studie den Treppchenplatz eingebracht. Auf Rang eins liegt Lüchow-Dannenberg (Niedersachsen) mit 190, Zweiter ist der Kreis Südwestpfalz (Rheinland-Pfalz) mit 186 Waffen pro 1000 Einwohner. In Bayern ist der hiesige Kreis damit die Nummer eins.

Zunächst sei betont: Dass die Zahl der registrierten Waffen bei uns relativ hoch ist, ist keine neue Erkenntnis. Bei einer ähnlichen Erhebung vor einigen Jahren sei man zum gleichen Ergebnis gekommen, berichtet die Pressestelle des Landratsamtes auf Nachfrage. Die Gründe seien vielfältig.

Wegen der "ländlichen Prägung" mit relativ vielen Waldgebieten "gibt es im Landkreis durchaus eine nennenswerte aktive Jägerschaft". Von insgesamt rund 950 Personen mit Jagdschein, auf die zahlreiche Waffen registriert sind, ist die Rede. In Städten wie beispielsweise dem benachbarten Fürth gibt es hingegen kaum Waldflächen, die bejagt werden müssten. Das reduziert automatisch die Zahl der Waffen.

Die Schlusslichter

Ein Bericht der dpa zu der Studie nennt auch einige Beispiele: Am Tabellenende liegen mit den niedrigsten Quoten pro 1000 Einwohner Freie Kreisstädte wie Schwerin, Rostock, Leipzig oder Frankfurt am Main. Die absoluten Schlusslichter in Deutschland sind übrigens der Saale-Orla-Kreis (Thüringen/16) und der Landkreis Günzburg (Bayern/17).

Ein weiterer Faktor: Schützenvereine. 63 Stück gäbe es im Kreis, berichtet das Landratsamt in Neustadt, "hiervon nehmen rund 35 mit erlaubnispflichtigen Waffen auch an Rundenwettkämpfen teil". Was man unter Umständen gar nicht auf dem Schirm hat, aber ein sehr großer Faktor ist: Sammler. Im Landkreis gäbe es auch zwei private Waffenmuseen. Da kommen schnell mehrere hundert Waffen zusammen, die nur auf eine Person registriert sind.

Eine Aussage zur Entwicklung der Anzahl der registrierten Waffen zu machen, ist schwierig. In Schützenvereinen gibt es beispielsweise eigentlich eher Nachwuchsmangel. Doch laut Landratsamt gab es Ende 2013 noch 17.159 Waffen im Landkreis, zum Stand 1. März 2021 waren es bereits 18.352, die sich auf insgesamt 2930 Personen verteilen. Jene Personen besitzen also im Schnitt 6,26 Waffen.

Keine vergleichbaren Zahlen

Wie damit umgehen? Aus Sicht des Landratsamtes sei es mangels wirklich vergleichbarer Zahlen aus anderen Regionen – das Nationale Waffenregister veröffentlicht keine – nicht möglich, eine "konkrete Beurteilung der gegenwärtigen Situation" zu leisten. Wichtig in jedem Fall: "Eine signifikante Erhöhung waffenrechtlicher Verstöße ist im Landkreis nicht festzustellen." Jeder, der registrierte Waffen besitzt, wird regelmäßig auf seine Eignung hin überprüft.

Die reine Zahl der Waffen ist aber nur ein Stück weit regulierbar. Was einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Zahlen hat, seien Zuzüge und Erbschaften, und zwar in beide Richtungen. Der Trend gehe momentan zwar eher dahin, nur noch Waffen zu kaufen, die man auch regelmäßig benutzt, da der Wertverlust heutzutage nach Neukäufen relativ hoch sei. Allerdings könnte der Landkreis nur einen begeisterten Waffensammler, der hierher zieht, vom Spitzenlatz in Deutschland entfernt sein.

BASTIAN LAUER

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