"Schallkarten" zeigen Lärm

Bahn: So laut wird das neue ICE-Werk

21.10.2021, 17:03 Uhr
So wie das komplett CO2-neutrale ICE-Werk in Köln-Nippes soll auch das Werk im Großraum Nürnberg als

So wie das komplett CO2-neutrale ICE-Werk in Köln-Nippes soll auch das Werk im Großraum Nürnberg als "Zwilling" bis 2028 gebaut werden. © Daniel Saarbourg, DB AG

Lärm, Licht und Verkehr. Diese Auswirkungen wird das ICE-Werk an seinem zukünftigen Standort auf die Umgebung haben. Wie laut es nachts wird, lässt sich jetzt auf sogenannten Schallkarten für jeden der drei verbleibenden Standorte nachvollziehen. Im Zuge eines „digitalen Infomarktes“ veröffentlichte die Bahn weitere Einblicke in die potenziellen Belastungen für Mensch und Natur.

Für jeden Standort wurden zwei Schallkarten veröffentlicht. Eine nach der 16. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV), in dem die Geräuschbelastung durch den Zugverkehr geregelt wird, und eine nach der TA-Lärm, die die Richtwerte zum Schutz vor Lärm der Anlage vorgibt.

Beide Gesetzestexte geben unterschiedliche Grenzwerte an. Nach der 16. BImSchV dürfen die Züge nachts, zur Hauptarbeitszeit des ICE-Werks, 49 Dezibel nicht überschreiten und nach der TA-Lärm darf die Lautstärke der Arbeit im Werk in der Nacht maximal 35 beziehungsweise 40 Dezibel erreichen. Der jeweilige Grenzwert der TA-Lärm unterscheidet sich je nachdem, ob die Nachbarschaft allgemeines oder reines Wohngebiet ist.

Beide Karten zeigen die Belastung der Umgebung ohne weitere Schallschutzmaßnahmen und ohne andere Umgebungsgeräusche. Diese werden erst in der Detailplanung, die nach der Standortwahl angesetzt ist, im 3D-Modell simuliert. Wie auf den Schallkarten zu sehen ist, erzeugen die Züge direkt an der Ein- und Ausfahrt und in der Wendeschleife einen Pegel von etwa 70 Dezibel. Die Arbeit im Werk wird mit 55 bis 60 Dezibel um den Ankunfts- und Abfahrtsbereich angegeben. Und wie sieht es in den Wohngebieten aus?

Während die Karten für das Werk auf der MUNA kaum Lärm für den Markt Feucht darstellen, frisst sich die Geräuschbelastung mit 30 bis 40 Dezibel am südlichen Standort in die westlichen Häuserreihen der Marktgemeinde. Die Weißensee Siedlung ist auf allen Karten betroffen: Am Standort MUNA gibt es 40 bis 45 Dezibel und am südlichen 35 bis 40 Dezibel.

Auch am Standort bei Harrlach, wo die Flächen für das Werk sowohl auf dem Stadtgebiet von Roth als auch auf den Gemeindegebieten von Allersberg und Pyrbaum liegen, wäre die Lärmbelastung am südlichen Ende des Werks und damit im Bereich der Wendeschleife mit bis zu 70 Dezibel am höchsten. Harrlach liegt jedoch nördlich und das im Süden nächstgelegene Altenfelden auf der anderen Seite der Autobahn 9 und des Bahnhofs Allersberg.

So laut wie ein Kühlschrank

Doch was bedeuten die Angaben in Dezibel überhaupt? 40 Dezibel sind etwa so laut wie leichter Regen oder ein Kühlschrank aus einem Meter Entfernung. Fünf bis zehn Dezibel Unterschied erscheinen auf den ersten Blick nicht weiter dramatisch. Doch die Dezibelskala ist logarithmisch aufgebaut. So entsprechen zehn Dezibel einer gefühlten Verdopplung der Lautstärke. Damit empfinden Menschen 50 Dezibel als doppelt so laut wie 40 Dezibel.

Die Schallkarte des Standortes MUNA-Süd zeigt nach der BImSchV an, welchen Geräuschpegel die fahrenden Züge im Werk zwischen 22 und 6 Uhr verursachen und in welcher Lautstärke dieser in der Nachbarschaft zu hören ist. Auf den Karten ist punktueller Schallschutz noch nicht berücksichtigt.

Die Schallkarte des Standortes MUNA-Süd zeigt nach der BImSchV an, welchen Geräuschpegel die fahrenden Züge im Werk zwischen 22 und 6 Uhr verursachen und in welcher Lautstärke dieser in der Nachbarschaft zu hören ist. Auf den Karten ist punktueller Schallschutz noch nicht berücksichtigt.

Auf ihrer Webseite zieht die Bahn den Vergleich zum Werk in Köln. Dort läge die Wohnbebauung direkt am Industriegebiet. Damit gelten andere Richtwerte. Hingegen geben in Feucht strenge Vorgaben die maximale Schallbelastung vor. Pech für die Kölner und Glück für die Feuchter? Die Bahn gibt an: „Dabei brauchen Sie sich nicht auf das Wort der DB zu verlassen – sondern darauf gibt es einen gesetzlichen Anspruch.

Nach der TA-Lärm verbildlicht diese Karte die Geräuschemissionen der Arbeiten im ICE-Werk am Standort MUNA-Süd. Grafik: Deutsche Bahn

Bei den Angaben zu den Lichtquellen kamen wenig neue Informationen hinzu. Die Fußwege der Lokführer sollen beleuchtet werden sowie die Werkshalle, die aber so gestaltet werden soll, „dass möglichst wenig Licht nach draußen dringen kann“. „Besonders hell“ wird es hingegen im Außenbereich der Behandlung. Da die Bahn nach eigener Aussage aus anderen Projekten gelernt hat, sollen die Lichtmasten mit vier bis sechs Metern nur unwesentlich höher als die Züge sein. Damit soll die Abstrahlung minimiert und mit einer besonderen Farbwahl insektenfreundlich sein.

Neben Lärm und Licht befassten sich Gutachter auch mit möglichen Erschütterungen durch das ICE-Werk. Ergebnisse veröffentlichte die Bahn dazu keine, „da die Züge im Werk jedoch nur sehr langsam fahren werden, haben die Untersuchungen ergeben, dass durch das ICE-Werk nicht mit nennenswerten Erschütterungen zu rechnen ist.

Umweltfreundliche Anreise

Die Mitarbeiter des ICE-Werks sollen wohl hauptsächlich mit dem öffentlichen Nahverkehr anreisen. Dazu will die Bahn Anreize schaffen und einen Shuttle Service zur S-Bahn-Station einrichten. Wie diese Anreize aussehen und welche Auswirkungen die Anfahrt der Mitarbeiter auf den Verkehr hat, wenn sie doch lieber mit dem Auto kommen, wird nicht beantwortet. Der Lieferverkehr für Ersatzteile soll, neben der Anlieferung über die Schiene, über den Gewerbepark und die A6 für den Standort MUNA oder über die Staatsstraße 2225 und A73 am westlichen Ende des Werks erfolgen.

Info:
Mehr Infos und die Schallkarten der anderen Standorte unter www.ice-werk-nuernberg.de. Am 2. November findet die nächste Bürgersprechstunde in Feucht statt. Es ist eine Reservierung erforderlich, entweder über die Webseite oder Telefon 0911/219-4091.

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