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Bamberg: Polizei will Alkoholverbot in Innenstadt strenger kontrollieren

Konsequenteres Durchgreifen der Polizei – Zunehmendes Problem - 23.06.2020 14:15 Uhr

Voll besetzt ist die Untere Brücke in Bamberg vor allem an den warmen Tagen und den Abendstunden – das Genießen eines "Brückenbiers" ist allerdings verboten und wird zukünftig stärker überprüft.

© David Ebener, dpa


Die Untere Brücke ist wohl der beliebteste Treffpunkt Bambergs mitten in der Stadt: Die breite Steinmauer lädt zum Sitzen ein und man hat den besten Blick auf die kleinen Fischerhäuschen Klein Venedigs entlang der Bamberger Regnitz. Unter anderem deswegen ist die Brücke zu beiden Seiten besonders in den warmen Monaten stets dicht besetzt, die Plätze heiß begehrt, um gemeinsam ein Eis zu essen, Kaffee zu trinken, die Mittagspause zu verbringen oder aber ein Bier zu genießen.

"Steh-Bier" als zunehmendes Problem

Gerade letzteres ist bereits in den vergangenen Jahren zunehmend diskutiert worden und hat mittlerweile häufiger zu Beschwerden geführt. Ulrike Siebenhaar, Pressesprecherin der Stadt Bamberg, beschreibt, dass das Problem zugenommen hat: "Anders als es immer wieder gesagt wird, ist das Stehbier ja keine alte Tradition, sondern erst seit maximal zehn Jahren ein wachsendes Problem. Erst als die Sandstraße zur Flaniermeile wurde, bestand überhaupt die Möglichkeit sich dort "stehend nieder zu lassen".

In den letzten Jahren wurden es Jahr für Jahr mehr, die sich diese "Tradition zu eigen machten". Und dieses Verweilen zum Zwecke des Alkoholgenusses ist außerhalb der zugelassenen Freischank-Flächen im gesamten Bereich der Promenadestraße und der Oberen Sandstraße/Dominikanerstraße/Unteren Brücke/ Am Kranen einschließlich Kasernstraße, Katzenberg und Ringleinsgasse sowie auf dem Vorplatz des Postgebäudes an der Luitpoldstraße/Ludwigstraße sowie auf der gegenüberliegenden Seite ist nach Bamberger Stadtrecht eigentlich nicht erlaubt.

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Regelungen sorgen für Verwirrung

Eigentlich deswegen, weil das Verbot bislang nie konsequent durchgesetzt wurde und vor allem vor der Traditionsbrauerei Schlenkerla bzw. dem Hotel Alt Ringlein in der Sandstraße und auch auf der Unteren Brücke toleriert wurde. Diese Tatsache sorgte natürlich für Unverständnis und Verwirrung bei den Bambergern. Was wo erlaubt oder nicht erlaubt ist, darüber herrscht weitgehend Unklarheit. Vielen Menschen ist das Verbot vielleicht gar nicht bewusst, so sehr ist man an das Bild der vor dem Schlenkerla stehenden und Bier trinkenden Personen gewöhnt, so selbstverständlich sind die Jugendlichen und Studenten, die abends auf der Unteren Brücke anzutreffen sind. Bisher wurde nur bei exzessiven Trinkgelagen oder Ausschreitungen von der Polizei eingegriffen – "das Bierchen auf der Unteren" wurde also selten geahndet.

Untere Brücke als Ersatz für Bars

Nicht nur während der Bamberger Sandkerwa ist die Untere Brücke gut besucht – sie zählt zu den beliebtesten Treffpunkten in der Domstadt. © GuideMedia


Doch das soll sich ab jetzt ändern: Laut dem Pressesprecher der Polizeiinspektion Bamberg, Jens Fischer, haben sich ausschreitende Vorkommnisse an Unteren Brücke in den letzten Wochen gehäuft: "Die Untere Brücke wird momentan und in den letzten Wochen während der Corona-Schließungen sehr exzessiv und unter anderem als Ersatz für Gaststätten und Bars genutzt. Sie war und ist zum Teil so stark frequentiert, dass normaler Fußgängerverkehr kaum mehr möglich ist, auch Vorfälle wie Schlägereien haben zugenommen". So haben sich auch die Anrufe von Anwohnern und Bürgern gehäuft, die zum einen aufgrund des dortigen Alkoholkonsums, zum anderen wegen der zahlreichen, auf engem Raum beieinanderstehenden und -sitzenden Personen besorgt sind.

Kommunikation und Belehrung

Auch Ulrike Siebenhaar meint: "Im "Corona-Pandemie-Jahr" ist dies natürlich aus verschiedensten Gründen ein noch ungleich größeres Problem." Die Stadt plant, hinsichtlich des großen Menschenaufkommens zeitnah "Brückenkästchen" in Form von runden oder quadratischen Markierungen bzw. Einzeichnungen, die Haushaltsgemeinschaften aufnehmen können und dennoch einen gewissen Abstand zu anderen Gruppen gewährleisten sollen.

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Die Stadt setzt mit OB Andreas Starke und zweitem Bürgermeister Jonas Glüsenkamp zunächst auf Kommunikation. Beide waren in den letzten Tagen mehrfach vor Ort, um das persönliche Gespräch zu suchen und an das Verständnis der auf der Brücke Verweilenden zu appellieren.

Die Polizei wird die Menschen ebenfalls zunächst in Form von Belehrungen darüber aufklären, dass es sich beim "Brückenbierchen" um eine Ordnungswidrigkeit handelt. Sollten dieselben Personen erneut dort angetroffen werden, werden Bußgelder – normalerweise in Höhe von rund 150 Euro – erhoben. Polizeichef Thomas Schreiber kündigte dazu gegenüber Radio Bamberg an, diesen Brennpunkt gemeinsam mit der Stadt entschärfen zu wollen: "Wenn sich also die ersten auf der Brücke aufhalten, muss dann schon klar sein, wenn sie kontrolliert werden, dass es einerseits eine Anzeige gibt und zum Anderen müssen die Leute dementsprechend informiert werden, durch eine entsprechende Tafel". Bezüglich solcher Hinweisschilder ist von städtischer Seite bislang aber noch nichts entschieden.

Katja Kiesel

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