"Keine Massenlager": Demo gegen Bamberger Ankerzentrum

9.9.2018, 15:53 Uhr
Nach Angaben des Bayerischem Flüchtlingsrats sorge die Ansiedlung mehrerer Behörden in einer Anker-Einrichtung nicht dafür, dass die Verfahren effizienter werden.

Nach Angaben des Bayerischem Flüchtlingsrats sorge die Ansiedlung mehrerer Behörden in einer Anker-Einrichtung nicht dafür, dass die Verfahren effizienter werden. © Alexander Roßbach

Gegner der Anker-Zentren für Asylbewerber haben in Bamberg am Samstag demonstriert. Ein Bündnis aus Bayerischem Flüchtlingsrat, Freund statt Fremd e.V. sowie weiterer lokaler Flüchtlingsinitiativen hatte dazu aufgerufen. Laut Polizeiangaben nahmen insgesamt 350 Personen am Demonstrationszug teil, der am Bamberger Anker-Zentrum in der Birkenallee startete und in der Innenstadt am Grünen Markt endete. Die Veranstalter sprechen von 500 bis 600 Teilnehmenden. Dem Aufruf folgten auch parteipolitische Vertreter der Gewerkschaften, Linkspartei, Grünen sowie von verschiedenen linken Hochschulgruppen. Aus Nürnberg reisten etwa 50 Demonstranten nach Bamberg.

Der Hintergrund: In Anker-Einrichtungen sind seit 1. August 2018 die für die Abwicklung eines Asylverfahrens zuständigen Behörden zusammengefasst. Dazu gehören unter anderem das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), die Bundesagentur für Arbeit (BA) oder die Zentrale Ausländerbehörde (ZA). Jeder der sieben Regierungsbezirke hat jeweils ein Anker-Zentrum. Für Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bedeutete der Schritt eine Verbesserung der Arbeitsabläufe, wie er Anfang August mitteilen ließ. 

Alles beim Alten geblieben

Nach Angaben des Bayerischen Flüchtlingsrats sorge die Ansiedlung mehrerer Behörden in einer Anker-Einrichtung nicht dafür, dass die Verfahren effizienter werden. "Alles ist beim Alten geblieben", sagt Thomas Bollwein vom Bayerischen Flüchtlingsrat Nordbayern. Die Probleme in der Bamberger Anker-Einrichtung seien nach wie vor die gleichen: Der Kontakt zur Bevölkerung werde erschwert – Geflüchtete leben in einer "Abschottung zur Außenwelt", so der Mitorganisator. Bamberg trägt mit 23,6 Prozent (Stand: Mai 2018) die höchste Quote in der Flüchtlingsunterbringung im Regierungsbezirk Oberfranken. "Es ist nur eine Umbenennung gewesen und viel hat sich da nicht getan", bilanziert Bollwein.


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Ein Mann aus Ghana, der seit über zwölf Monaten in der Einrichtung untergebracht ist, kritisiert: "Du findest da drinnen keine Tür mit Schlüsseln zum Abschließen." Neben besserer Privatsphäre sollten mehr Deutschkurse angeboten werden, fordert er weiter. Darüber hinaus gebe es Fälle von Brutalität seitens der Sicherheitskräfte gegenüber den untergebrachten Asylbewerbern. 

Viele Verbote und Überwachung

Laut Katrin Rackerseder von der lokalen Initiative solidarity4all sei der Alltag für Asylbewerber in Anker-Zentren geprägt von Verboten, Überwachung, psychischem Druck bis hin zu Gewalt. "Das Leben dort wird unerträglich", betont Rackerseder bei der Kundgebung am Bahnhof. In jedem Regierungsbezirk Bayerns gebe nun ein "Massenlager a la Bamberg", sagt sie.

Auch in anderen bayerischen Städten gab es Protest gegen die Anker-Zentren. Eine Demonstrantin in Bamberg äußert: "Ich fand, dass es in der momentanen Situation einfach wichtig ist ein Zeichen zu setzen, dass nicht ganz Deutschland gegen Flüchtlinge ist", so Ines Höpfl. Zentren, in denen Flüchtlinge geballt untergebracht werden, hält die Bambergerin für problematisch: "Solche Zentren würden Kriminalität eher verstärken als verhindern." 

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