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Radfahrer überholen verboten: Schild sorgt in Bamberg für Irritationen

Seit vergangener Woche steht es an der Unterführung in der Moosstraße - 26.11.2020 15:21 Uhr

Das neue Überholverbotsschild an der Moosstraße in Bamberg.

25.11.2020 © Felix Schwarz


Das Überholen von Fahrrädern und Rollern stellt für viele Autofahrerinnen und Autofahrer einen Drahtseilakt dar - gerade auf engen Straßen. Die Stadt Bamberg will nun Sicherheit für Fahrradfahrerinnen und Rollerfahrer schaffen: In einer Pressemitteilung verkündete sie, dass an der Unterführung in der Moosstraße ein neues Schild steht: Es untersagt Autos, an dieser Stelle Fahrräder und Roller zu überholen - und sorgt somit für Diskussionen im Netz.


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Das sprachliche Monster namens "Verbot des Überholens von einspurigen Fahrzeugen für mehrspurige Kraftfahrzeuge und Krafträder mit Beiwagen" fand im Frühjahr dieses Jahres seine Aufnahme in die Straßenverkehrsordnung. "Hinter dem sperrigen Namen verbirgt sich eine deutliche Verbesserung der Sicherheit für alle Zweiradfahrenden", ist sich Bambergs zweiter Bürgermeister Jonas Glüsenkamp (Grüne) sicher.

Mehr Sicherheit?

"Gerade, weil in der engen Unterführung der Moosstraße kein Abstand zum Radler oder Moped eingehalten werden kann, ist der Platz für Überholvorgänge nicht gegeben", begründet der Kommunalpolitiker das Vorhaben. Bamberg sei eine der ersten Kommunen in Bayern, welche das neue Schild aufstelle.

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Allerdings teilen nicht alle Bambergerinnen und Bamberger die Begeisterung des Bürgermeisters für das neue Schild. Auf Facebook äußern einige Menschen ihren Unmut.

Kontroversen um das neue Schild

"So ein oberschwachsinniges Schild. Völlig überflüssig und teuer. Warum bitte benutzt man nicht stattdessen einen Gehsteig als Spur für Fahrradfahrer und den anderen Gehsteig für Fußgänger?", fragt sich Petra H. Die Bamberger Kommunalpolitik orientiere sich aus ihrer Sicht zu stark an den Fußgängerinnen und Fußgängern und vernachlässige die Autofahrinnen und Autofahrer.

Ulrike F. hält das Schild ebenso für überflüssig, "denn jeder Autofahrer müsste eigentlich wissen, dass dort die erforderliche Breite nicht vorhanden ist." Ferner findet es Johannes B. gruselig, dass das Schild an dieser Stelle notwendig ist. "Jeder der bei klarem Verstand ist, überholt an dieser Stelle so oder so nicht."

Forderung nach mehr Rücksicht

Im Gegensatz dazu kann Melanie B. den Ärger über das Schild nicht verstehen. Sie fahre immer hinter den Radfahrerinnen und Radfahrern, so dass sie sich sicher sein könne, dass keiner bei einem Überholvorgang mit ausreichendem Sicherheitsabstand verletzt werde.

"Alle leben noch, niemals kam ich deswegen zu spät und manchmal spare ich dabei sogar Sprit. Ich verstehe das Problem mancher Leute wirklich nicht. Kennt hier niemand das Wort Rücksicht?", so Melanie B..

Bamberg als Fahrradstadt

Glüsenkamp kann den Vorwürfen nichts abgewinnen: "Etwa 30 Prozent aller zurückgelegten Strecken bestreiten die Bambergerinnen und Bamberger mit dem Fahrrad. Das ist der höchste Wert in Bayern", so der Grünenpolitiker. Deshalb sei es gerechtfertigt, sie im Straßenverkehr besonders zu schützen.

Das finanzielle Argument sei aus seiner Sicht ebenso wenig überzeugend: "Das Schild kostet zwischen 150 und 200 Euro. Das sollte uns die Sicherheit wert sein." Darüber hinaus weist Glüsenkamp darauf hin, dass das Verbotsschild dazu beitragen könnte, dass viele gar nicht daran denken, zu überholen: "Der Mindestabstand von 1,5 Metern ist in diesem Bereich schlicht nicht einzuhalten. Ich finde es wichtig, die Autofahrerinnen und Autofahrer frühzeitig darauf aufmerksam zu machen."

Nach den Aussagen von Glüsenkamp laufen aktuell Untersuchungen, an welchen weiteren Stellen ein solches Schild sinnvoll sein könnte. Derzeit gebe es jedoch keine konkreten Pläne.

Keine Pläne in anderen Städten

Über Bamberg hinaus stellt sich die Frage, inwieweit andere fränkische Städte über ein solches Überholverbotsschild nachdenken. Hans Joachim Gleißner, Leiter des Straßenverkehrsamts in Fürth, berichtet, dass ein solches Überholverbot derzeit nicht zur Diskussion steht.

"Allerdings fragte im Sommer die SPD in der Südstadt bei uns an, ob es möglich wäre, an der Bahnunterführung in der Höfener Straße ein Überholverbot für Autofahrer auszusprechen", so Gleißner. Die Überprüfung durch die zuständigen Behörden ergab, dass die Höfener Straße dafür nicht geeignet sei.

Sowohl in Erlangen als auch in Nürnberg bestehen aktuell ebenso keine Überlegungen, das Schild mit dem Zeichen 277.1 aufzustellen.

Felix Schwarz

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