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Behinderter Schwan findet sein Glück im Nürnberger Land

Pechvogel Max lebt jetzt mit einem dreibeinigen Hund und einäugigen Hühnern bei Tierschützern - 25.10.2013 07:00 Uhr

Fühlen sich pudelwohl: Schwan Max und Michaela Schörg-Oppowa. © Michael Matejka


„Max“ war ein Pechvogel. Jetzt ist er ein Glückskind. Der viereinhalb Monate alte Schwan schafft es damit an diesem Samstag sogar ins Fernsehprogramm, in ein TV-Tiermagazin. Denn „Max“ hat ein Schicksal, das die Herzen berührt. Das graue Federvieh kann nicht fliegen. Es hat Kippflügel, Flügel die wegen einer Wachstumsstörung herunterhängen.

Die Behinderung hat schwere Folgen: Seinen Eltern und Geschwistern, die ihren Stammplatz an einem Weiher in Langenzenn (Kreis Fürth) bereits verlassen haben und ins Winterquartier geflogen sind, konnte „Max“ nicht folgen. Somit wäre er an dem Weiher im Winter elendig verhungert.

Doch „Max“ hat Retter gehabt: Auf sein Schicksal wurde eine Familie aufmerksam. Sie vermittelte ihn weiter. Bis er über Umwege auf dem Eichig-Hof in Neunkirchen am Sand landete. Dort hat Michaela Schörg–Oppowa für ihn ein kleines Paradies geschaffen. Jungschwan „Max“ schnattert hier mit anderen Schwänen hinterm Zaun, liegt am liebsten in der Sonne oder gründelt in seichtem Gewässer. Abends verschwindet er hinter einer Lucke und legt sich im neu gezimmerten Vogelhaus schlafen.

Spätestens wenn der Hahn im Garten — der bislang als Verlierer auf einem Bauernhof durchs Leben lief — im Morgengrauen kräht, darf „Max“ wieder ins Freie. Genauso wie die fünf Hennen, die der Vorbesitzer schlachten wollte, weil sie keine Eier produzierten. Auf dem Eichig-Hof legen sie jedoch täglich mindestens ein Ei — der Dank für eine gute Behandlung. Und sogar der Gockel in ihrer Mitte hat zu seiner Rolle als „Big Boss“ zurückgefunden. Auf seinem alten Hof galt er als Schwächling, in der Rangfolge ganz unten. Jetzt hält er stolz seine Damen-Mannschaft zusammen.

Hängender Flügel

Mit seinem Schicksal ist hier eben keiner allein. „Max“ Artgenossen, zwei weiße Gänse, stammen aus einer Zuchtstation. Eine Kanadagans läuft mit hängendem Flügel herum. Ein Jäger hatte das Tier angeschossen, es war in einen Strommasten gestürzt. Doch auch diese Gans darf auf dem Gnadenhof bis zum Ende bleiben. In trauter Gesellschaft: Weil sie nicht allein bleiben sollte, besorgte Michaela Schörg-Oppowa der Graugans einen Partner — einen 20 Jahre alten mit schmerzhafter Arthrose.

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„Viel wichtiger als menschliche Zuwendung ist für die Tiere ein Partner“, sagt die engagierte Biologin. Deshalb gibt es hier die Tiere fast nur im Duo. Es ist eine Art Arche Noah, entlegen im Nürnberger Land, die die 45-Jährige betreibt. Völlig selbstlos arbeitet sie beinahe rund um die Uhr für die Tiere. Ausgesetzte Schildkröten, Hühner mit nur einem Auge, ein Schaf, das geschächtet werden sollte, ein Hund aus einer Vergasungsstation — die Liste an gequälten, ausgesetzten Tieren, die auf dem Eichig-Hof gehalten und gepflegt werden, ist lang.

Die zwei Haflinger auf der Weide, sagt die Tierschützerin und Vegetarierin, sollten wegen eines Schönheitsfehlers zu Salami gemacht werden. Der dreibeinige Hund, der im Haus verängstigt auf dem Sofa sitzt, ist misshandelt und schließlich an der Autobahn ausgesetzt worden. Und Papagei „Jakob“ — einer von vielen Exoten in einer riesigen Voliere — wurde einst im dunklen Schlafzimmer-Schrank gehalten, weil er endlich mit dem Gekrächze aufhören sollte.

Michaela Schörg-Oppowa hat sich mit dem Tier-Hof ihren Lebenstraum verwirklicht. Zehn Jahre lang war die Biologin im Nürnberger Tiergarten beschäftigt. Dann baute sie 2001 den Gnadenhof. Zusammen mit ihrem Mann Steffen (35) und Helfer Willi Stillhammer (67), ebenfalls ein ehemaliger Tierpfleger aus Nürnberg, tun sie alles für die Tiere.

Mit einem Versandhandel für Tierfutter und -medikamente decke sie die laufenden Kosten, sagt Schörg-Oppowa. Außerdem lebt das Paar bescheiden: Kein Urlaub, kein Restaurantbesuch, kein großer Einkauf. Ihr erstes Gehalt hatte Schörg-Oppowa für die Operation einer längst totgesagten Katze ausgegeben. Katze „Suse“ hat alles bestens überstanden, wie man heute sieht. Sie maunzt munter vor der Haustür.

Ehepaar Schörg-Oppowa ist mit ihrem Tier-Domizil mehr als glücklich, „ich bin angekommen, voller Zufriedenheit“, sagt die 45-Jährige. Dabei liegt ihr großer Wirbel um ihr Engagement fern, obwohl sie mittlerweile so etwas wie eine Auffangstation für gestrandete Tiere auf eigene Kosten betreibt.

Vater legte Grundstock

Den Grundstock dafür hatte ihr noch der Vater gelegt: Er hatte vor seinem Tod Baugrund und einen großen Hof ermöglicht, „für Tiere, die sich nicht auf der Sonnenseite des Lebens befinden“.

Das einzige, was der posiviten Powerfrau schwer fällt, sind schnelle Abschiede. Obwohl viele Tiere, die zu ihr kommen, nur noch kurze Zeit zu leben hätten, berühre sie ihr Tod doch sehr, sagt Schörg-Oppowa. „Die Tiere vergessen schnell, nehmen ihr Schicksal besser an“, meint sie. „Aber wenn ich nicht wiedergutmachen kann, was sie vorher erlebt haben, ist das bitter.“

Die Sendung hundkatzemaus berichtet am Samstag über das Schicksal von Schwan „Max“ um 18 Uhr bei Vox. 

VON JOHANNA SÄUBERLICH

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