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Bezirkskliniken: Helmut Nawratils Stuhl wackelt trotz Gewinn

Vorstand steht wegen seiner Amtsführung in der Kritik - 04.06.2018 05:57 Uhr

8,2 Millionen Euro Gewinn haben die Bezirkskliniken Mittelfranken im vergangenen Jahr erwirtschaftet. Trotzdem sitzt Vorstand Helmut Nawratil aufgrund der anhaltenden Kritik an seiner Person alles andere als fest im Sattel. © Bomhard


Wie die Nürnberger Zeitung aus Unternehmenskreisen erfuhr, steht in der Bilanz für 2017 ein Gewinn von 8,2 Millionen Euro nach Steuern. Im Jahr zuvor verdienten die Bezirkskliniken noch 4,5 Millionen Euro. Vor sechs Jahren, als Nawratil zum Vorstand bestellt wurde, schrieben die Bezirkskliniken allerdings noch ein Minus in Höhe von 9,2 Millionen Euro.

Trotz des erfolgreichen Sanierungskurses gibt es immer wieder anonym geäußerte Kritik an Nawratils Amtsführung und am Umgang des Vorstands mit Mitarbeitern. Deshalb ist es nach NZ-Informationen fraglich, ob Nawratil am Dienstag vom Verwaltungsrat der Bezirkskliniken für das Geschäftsjahr 2017 entlastet wird.

Kein Kommentar zum Jahresergebnis

Nawratil selbst wollte gegenüber der NZ das Jahresergebnis für 2017 vor der Sitzung des Verwaltungsrates nicht kommentieren. Allerdings ging er auf die Kritik ein, die immer wieder an seiner Amtsführung geäußert wird. Nawratil betont: "Dass es Veränderungen geben musste, die wehtun, war klar. Doch ich habe versprochen, dass keinem Mitarbeiter, trotz des hohen Defizits, betriebsbedingt gekündigt wird, und daran habe ich mich gehalten."

Im Gegenteil, die Mitarbeiterzahl des Unternehmens, etwa 3000, sei leicht erhöht worden, die Kosten für den Personalaufwand sind von 123,4 Millionen Euro im Jahr 2012 auf aktuell etwa 140 Millionen Euro gestiegen. Klar sei aber auch gewesen, dass die neue Strategie des Unternehmens in bestehende Kompetenzen eingegriffen habe und diese radikal verändert worden seien.

Führungskräfte sollen in eine Richtung arbeiten

Er habe alle Führungskräfte eingeladen, mit ins Boot zu kommen, aber auch klar gesagt. "Es gibt keine Beiboote und es wird nicht in eine andere Richtung gerudert." Seine Aufgabe als Vorstand sei es, dafür zu sorgen, dass die Führungskräfte in eine Richtung arbeiten. Geschieht das nicht, sei eine Trennung "immer das letzte Mittel", so Nawratil. "Vollumfänglich wehre ich mich dagegen, dass ich Mitarbeiter mobben würde oder Führungskräfte dies tun würden. Dem würde ich sofort Einhalt gebieten."

Wegen der seit Monaten anhaltenden Kritik an Nawratil wird nun seine Vorstandstätigkeit einer Sonderprüfung unterzogen, die am heutigen Montag beginnt. Dass es diese Sonderprüfung geben soll, hat der Verwaltungsrat bereits im vergangenen Jahr beschlossen. "Ich hätte mir gewünscht, dass diese Sonderprüfung, wenn sie schon stattfindet, früher stattgefunden hätte, denn durch diese Verzögerung gab es Auswirkungen für das Unternehmen, für mich persönlich und meine Familie, die mich fassungslos machen."

Gehaltserhöhung in Ordnung?

Geprüft wird unter anderem, ob Nawratils Gehaltserhöhung um 120.000 auf 380.000 Euro im Jahr (seit 1. Januar 2018) in Ordnung geht. Nawratil selbst bewertet sein Gehalt "als vollkommen gerechtfertigt für diese Aufgabe, im Vergleich zu anderen Kolleginnen und Kollegen adäquat und im Vergleich zu anderen Branchen gar nicht diskutabel".

Die regelmäßig erscheinenden, negativen Schlagzeilen über ihn als Vorstand hätten negative Auswirkungen auf das Unternehmen, sagt Nawratil. "Ich bin nicht so positiv gestimmt, was das Ergebnis für das laufende Jahr angeht." Er habe "auf Nachfrage" dem Verwaltungsrat "Gesprächsbereitschaft" signalisiert, was die mögliche Auflösung seines Vertrages angehe, bestätigt Nawratil.

Stephan Sohr Chefredakteur Nürnberger Zeitung E-Mail

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